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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.04.2015

Radio FranceDrei Wochen Streik und keine Einigung in Sicht

Von Ursula Welter

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Radio France-Mitarbeiter während einer Generalversammlung im Hauptsitz des staatlichen Radiosenders in Paris, am 7. April 2015. (picture alliance / dpa / Yoan Valat)
Radio France-Mitarbeiter während einer Generalversammlung im Hauptsitz des staatlichen Radiosenders in Paris, am 7. April 2015. (picture alliance / dpa / Yoan Valat)

Eine Minderheit der Belegschaft legt das Gesamtprogramm von Radio France lahm, seitdem der Rechnungshof drastische Einsparungen forderte. Dem Intendanten Gallet haben die Gewerkschaften das Misstrauen ausgesprochen, jetzt soll ein Mediator vermitteln.

So konsequent wurde bei Radio France noch nie gestreikt. Am 19. März ging es los, und bei der Frage, ob an diesem Freitag der 23. Streiktag angehängt werden soll, hoben nahezu alle Anwesenden die Hand, wenn es mit 300 auch nur ein kleiner Teil der etwa viereinhalbtausend Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders war, in dieser sogenannten Vollversammlung der Belegschaft.

Seit Beginn des Ausstandes ist es eine Minderheit, die das Gesamtprogramm lahm legt. Ob Flugzeuge abstürzen, in der Provinz und den großen Städten gewählt wird, oder ob Internet-Seiten französischer Fernsehsender mit islamistischem Inhalt gehackt werden, France Info, France Inter senden Musikschleifen, jedenfalls überwiegend und mittendrin die Entschuldigung vom Band, es gehe um die Verteidigung von Arbeitsplätzen.

Zunächst waren es die Techniker, die den Betrieb lahm legten, aber seit der französische Rechnungshof mit dem Finger auf das Haushaltsgebaren bei Radio France deutete und die Zusammenlegung von Redaktionen bei "France Info", "France Inter", "France Musique" und "France Culture" vorschlug, gingen auch Journalisten auf die Barrikaden.

Dem Premierminister platzt der Kragen, eine "nicht tolerierbare, untragbare Situation" sei das für Radio France und für die Hörer, sagte Manuel Valls am Rande einer Dienstreise an die Loire. Der Dialog zwischen dem Intendanten des öffentlich-rechtlichen Radiosenders, Matthieu Gallet, und den Gewerkschaften müsse wieder hergestellt werden, forderte der Regierungschef, dessen Kulturministerin den Intendanten bereits mehrfach einbestellte. Denn Gallet berät mit der Regierung derzeit die Pläne, mit denen der überschuldete Sender wieder auf Kurs gebracht werden soll.

50 Millionen Euro Einsparungen bis 2019

Das Budget, das Ende Januar verabschiedet wurde, ist mit 21,3 Millionen Euro defizitär. Der Großteil der Einnahmen, 90 Prozent, stammt aus den Rundfunkgebühren, die in den vergangenen Jahren aber rückläufig waren. Die Gewerkschaften fühlen sich vom Staat allein gelassen, ihre Wut richten sie aber vor allem gegen den Chef des Senders.

Den Schuldenberg hat Gallet vorgefunden, als er mit Rückenwind der sozialistischen Regierung Anfang 2014 ins Amt kam. Aber Zeitungsberichte über Verschwendung beim Umbau seines Büros, über Ledersitze im Dienstwagen und Beraterverträge beförderten den Aufstand und Ausstand der Gewerkschaften. Gallet betonte am Mittwoch vor dem Kulturausschuss des Parlaments, er wolle vor allem die Hörerschaft verjüngen, den Online-Auftritt verbessern und die Regionalprogramme stärken. Dabei bleibe es.

Nun muss er sich vorrangig um den Schuldenberg kümmern, es geht um 50 Millionen Euro Einsparungen bis 2019 und um das Schultern der Umbaukosten für das Rundfunkgebäude an der Seine, die mit 584 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Und weil die Personalkosten 60 Prozent des Budgets von Radio France ausmachen, befürchten die Gewerkschaften Einsparungen an dieser Stelle. Der Intendant hat einen Plan zum freiwilligen Stellenabbau vorgelegt, an 300 bis 380 Freiwillige ,vor allem ältere Mitarbeiter habe Gallet dabei gedacht, berichtet die Zeitung "Libération", der Auszüge des Strategiepapieres vorliegen.

Mit großer Traurigkeit schalte er, wie alle treuen Hörer das Programm von Radio France, derzeit ein, sagte Gallet, dem die Gewerkschaften das Misstrauen ausgesprochen haben.

Ein Mediator soll es richten, denn zum Dialog mit dem Intendanten sind die Gewerkschaften nicht mehr bereit.

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