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Kulturnachrichten

Samstag, 30. April 2016

Queen zeigt den Obamas britischen Humor

"Oh really, please" - Queen reagiert typisch britisch auf eine Videobotschaft der Obamas

Erst kürzlich waren die Obamas zum Lunch bei Queen Elizabeth II., jetzt frotzeln sie im Netz miteinander und werben für die "Invictus Games", eine Sportveranstaltung für versehrte Soldaten im Mai in Florida. Die "special relations", die ganz besondere Freundschaft, zwischen dem US-Präsidentenpaar und der britischen Königin demonstriert der Kensington-Palast auf Twitter: Auf einem Video sind die 90-Jährige und ihr Enkel Prinz Harry zu sehen, die bei Kaminfeuer einen Prospekt der Spiele anschauen. Plötzlich ist eine Nachricht auf Harrys Handy zu sehen, sie stammt von First Lady Michelle Obama. Per Video erinnert sie den Prinzen mit schneidiger Stimme daran, dass er die Amerikaner unlängst aufgefordert habe, sich bei den "Invictus Games" richtig reinzuhängen. Und Barack Obama meint mit ernster Miene und erhobenem Zeigefinger: "Passt auf, was Ihr Euch da wünscht." Die Queen lächelt nur fein und meint etwas spöttelnd: "Oh really, please." - auf Deutsch etwa: "Oh echt, bitte..." Harry gilt als einer der Initiatoren der "Invictus Games", die 2014 Premiere in London hatten.

Urheberschutz für Ravels "Bolero" läuft aus

Maurice Ravels "Bolero" gehört zu den berühmtesten Werken der klassischen Musik

Der "Bolero" wird zum Gemeingut. Jeder darf es künftig lizenzfrei nutzen, ohne dass Tantiemen fällig würden. Ravel hatte das Stück 1928 geschrieben, im selben Jahr wurde es in Paris uraufgeführt. Schätzungen zufolge hat der "Bolero" allein seit 1960 rund 50 Millionen Euro an Tantiemen eingespielt. "Wahrscheinlich werden wir ihn nun noch öfter hören, in Werbespots oder in Filmen", sagte Laurent Petitgirard von der SACEM, der französischen Gesellschaft zur Verwaltung von künstlerischen Urheberrechten. Er gehe davon aus, dass das populäre Werk zu jeder beliebigen Minute irgendwo auf der Welt zu hören sei. Ravel hatte das Stück ursprünglich als Ballettmusik für die russische Tänzerin Ida Rubinstein komponiert. Es wurde schnell ein Welterfolg, die hypnotisch-monotone Melodie zog viele Hörer in ihren Bann. Ravel selbst sah sein Werk recht nüchtern: "Es ist ein einfaches und direktes Stück, das nicht den geringsten Anspruch auf Virtuosität erhebt", sagte er einmal. Ravel starb unverheiratet und ohne Kinder im Jahr 1937. Sein einziger Erbe war sein Bruder Edouard, der 1960 verstarb. Der Streit um die weiteren Rechte an Ravels Werk beschäftigte danach mehrfach die Gerichte, Streitparteien waren unter anderem die Großneffen des Komponisten.

Museum der "Bronzestatuen von Riace" wiedereröffnet

Renovierung des Archäologische Nationalmuseum in Reggio Calabria dauerte zehn Jahre

Das Archäologische Nationalmuseum in Reggio Calabria beherbergt unter anderem die Bronzestatuen von Riace, die 1972 per Zufall im Meer vor der Küste des Ortes gefunden worden waren. Die Restaurierung des Gebäudes, das nun auf vier Stockwerken archäologische Exponate zeigt, hat laut Medienberichten rund 34 Millionen Euro gekostet. An der Einweihung nahmen auch Ministerpräsident Matteo Renzi und Kulturminister Dario Franceschini teil. Die beiden meisterhaften Skulpturen von Riace, zwei männliche, zwei Meter große Figuren, gelten als Wahrzeichen von Reggio Calabria. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Krieger. Es wird vermutet, dass sie aus dem fünften Jahrhundert vor Christus stammen und griechischen Ursprungs sind. Es gibt nur sehr wenige griechische Bronzestatuen, die ohne größere Schäden die Zeiten überdauert haben.

Blutroter Trevi-Brunnen erinnert an Christenverfolgung

Katholisches Hilfswerk inszeniert Kunsaktion am römischen Trevi-Brunnen

Am Freitagabend wurde der spätbarocke Brunnen Fontana di Trevi mit seinen monumentalen Skulpturengruppen in rotes Licht getaucht. Auf der Fassade des Palazzo Poli, der den Hintergrund des Trevi-Brunnens bildet, erschienen Projektionen zerstörter Kirche und Bildwerke. Unter den Gästen der Veranstaltung war auch der chaldäische Bischof der syrischen Stadt Aleppo, Antoine Audo. Kardinal Mauro Piacenza, Stiftungspräsident des internationalen katholischen Hilfswerks "Kirche in Not", mahnte, "das Blut christlicher Märtyrer, das wegen menschlicher Gewalt und der Sünde in der Welt vergossen wird" nicht zu vergessen. Sprecher erinnerten an die vier Ordensfrauen, die im März im Jemen ermordet wurden und den 2011 ermordeten pakistanischen Politiker und Menschenrechtler Shahbaz Bhatti. Initiiert wurde die Aktion von "Kirche in Not".

Die Pilgerzeit beginnt in Nordrhein-Westfalen

Über eine Million Menschen werden zur Marienverehrung in drei Wallfahrtsorten erwartet

In Nordrhein-Westfalen beginnt am 1. Mai die Wallfahrtszeit. Bis November werden über eine Million Gläubige zur Marienverehrung im niederrheinischen Kevelaer, in Werl bei Soest und Neviges bei Wuppertal erwartet. Vor allem in Neviges werden die Gläubigen die Gottesmutter nicht nur um Fürsprache bitten, sondern ihr auch voller Inbrunst danken. Seit Jahrhunderten beten die Gläubigen in Neviges am Gnadenbild der Gottesmutter. Im Februar war der Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert auf einmal weg. Die Franziskanermönche, die sich um die Pilgerstätte kümmern, appellierten an den Täter, das Bild zurückzugeben - auch anonym. Stunden später lag das Bild in Butterbrotpapier gewickelt vor der Klosterpforte. Zur Wallfahrt ist es jetzt hinter Glas gesichert. Rund 1000 Pilger werden am Sonntag zur Eröffnung der Wallfahrt 2016 mit dem Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann erwartet. Insgesamt dürften in den nächsten Monaten Zehntausende in das Städtchen Neviges kommen.

Freikarten-Vergabe an Berlins Bühnen wenig transparent

Berliner Häuser entscheiden selbst, wem sie Karten schenken, andere Städte regeln das transparenter

Eine einheitliche Vorschrift für die 35 subventionierten Berliner Bühnen gibt es nicht. Nach dem Jahresbericht der Berliner Kulturverwaltung beträgt der Anteil der Freikarten für Oper, Theater und Konzerte zwischen vier und zehn Prozent. Jedes Haus führe eine persönliche Einladungsliste, auf der auch Politiker stehen können. Auch Pressekarten und Tickets für Künstler aus dem eigenen Haus seien kostenlos. Die Einrichtungen selbst sprechen von Pressekarten, Bühnenkarten, Ehrenkarten, Dienstkarten oder Vorzugskarten. Für Mitarbeiter an manchen Bühnen gibt es zudem Steuerkarten. Sie sind nicht kostenlos, aber stark reduziert. Freikarten gingen allein an Menschen, die "professionell Kultur anschauen". Bundeskanzlerin Angela Merkel zahle ihre Karte aber zum Beispiel immer selbst.
Heruntergerechnet subventioniert die Hauptstadt jede Opernkarte mit rund 140 Euro. Die Stiftung Oper steht mit gut 130 Millionen im Jahr 2015 an der Spitze der Kulturförderung. Bis zu 130 Euro kosten die guten Plätze, Premierenkarten mehr. Bei 46 000 herausgegebenen Freikarten im Jahr entgehen der Stiftung durch Freikarten also gut sechs Millionen Euro an Einnahmen. Ein Blick Richtung Westdeutschland zeigt: Es geht auch anders. In Köln gilt seit 2013 eine Richtlinie für die gesamte Stadt. Die "Geschäftsordnung über die Abgabe kostenloser beziehungsweise ermäßigter Eintrittskarten bei den Bühnen der Stadt Köln" ist für jeden im Internet einsehbar.

Schriftsteller touren mit dem Bus durch Europa

Die Reise durch 14 Länder startet am 2. Mai in Finnland und endet am 24. Juli auf Zypern

Mehr als 100 Autoren wollen vom Mai bis Juli mit dem Bus auf Lesereise durch Europa gehen. Der Bus soll auf dem Weg "literaturferne wie -nahe Orte" ansteuern: Literaturhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Dörfer, Marktplätze oder Almhütten. Nach Angaben der Veranstalter sind Dutzende Lesungen, Vorführungen, Diskussionen und Workshops geplant. Dahinter steckt das Netzwerk "Crowd", bei dem auch das Berliner Literaturhaus "Lettrétage" mitmacht. Die Autoren reisen in wechselnden Gruppen etwa eine Woche zusammen, darunter sind die Schriftsteller Artur Becker und Maria Cecilia Barbetta.

Frank Castorf findet Theater oft feige und belanglos

Intendant der Berliner Volksbühne bezeichnet zeitgenössisches Theater als Schatten früherer Tage

"Theater ist feige geworden", sagte der 64-Jährige im Interview der "Süddeutschen Zeitung". Unter Regisseuren wie Peter Zadek oder Peter Stein habe das Theater Veränderung gewollt. "Heute habe ich das Gefühl, dass Theater nur noch ein Betrieb ist, eine Anstalt, in der fast überall belanglose und dilettantische Stücke gespielt werden." Am Münchner Residenztheater ist derzeit Castorfs Inszenierung des Stücks "Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg" nach dem unvollendeten Roman von Jaroslav Hasek zu sehen. Eine fünfstündige Inszenierung, die es in sich hat. Die Interviewfrage "Muss das sein?" hält er für eine "typische Frage" an ihn und antwortet: "Der einzige Ort, der mich noch erträgt, ist Bayreuth, da kann man open end inszenieren. Kunst ist heute wie der Pizzabote: In zehn Minuten muss die Bestellung da sein, fünf Minuten dauert der Verzehr, eine Stunde verdauen. Theater sind ja nicht mehr Widerstandsorte, sondern längst Serviceunternehmen." Er aber wolle Kunst machen, dafür müsse man sich, die Schauspieler und das Publikum aber fordern und auch mal überfordern: "Kunst braucht Wahnsinn."

Obama feiert im Weißen Haus Internationalen Jazz-Tag

Musiker wie Herbie Hancock und Aretha Franklin waren unter den Gästen

US-Präsident Barack Obama hat den Garten des Weißen Haus in einen Jazzclub verwandelt: Mit Stars wie Aretha Franklin und Herbie Hancock feierte er am Freitagabend in Washington den Internationalen Tag des Jazz. "Ich habe einfach meine Lieblings-Jazzmusiker eingeladen", sagte Obama bei der Eröffnung der Veranstaltung vor 550 geladenen Gästen auf dem Südrasen des Weißen Hauses. Aretha Franklin eröffnete das Konzert am Flügel mit dem Lied "A Song For You". Unter anderen traten auch Chick Corea, Jamie Cullum, Pat Matheny, Al Jarreau und Diana Krall auf. US-Schauspieler Morgan Freeman war der Zeremonienmeister des Abends. Obama zitierte in seiner Eröffnungsrede die Worte des einflussreichen Jazz-Musikers Duke Ellington, wonach "Jazz ein gutes Barometer für die Freiheit" sei. "Der Jazz hat etwas Angstfreies und Wahrhaftiges", sagte Obama. "Das ist Musik, die die Wahrheit sagt." Obama berichtete auch von seinem ersten Besuch eines Jazzkonzerts als Kind: Sein Vater habe ihn 1971 zu einem Konzert von Dave Brubeck in Honolulu auf Hawaii mitgenommen. "Die Welt, die sich für einen zehnjährigen Jungen eröffnete, war spektakulär", sagte der US-Präsident. "Ich war total begeistert." Das Konzert sollte am Samstag im Fernsehsender ABC ausgestrahlt werden. Washington ist in diesem Jahr die Gastgeberstadt des Internationalen Tags des Jazz.

Russische Schriftstellerin Ulizkaja in Moskau attackiert

Russische Nationalisten attackieren Memorial-Veranstaltung

Die russische Schriftstellerin und Kreml-Kritikerin Ljudmila Ulizkaja ist in Moskau mit grüner Farbe bespritzt worden. Der Zwischenfall ereignete sich am Donnerstag bei einer Demonstration russischer Nationalisten gegen eine Veranstaltung der Bürgerrechtsgruppe Memorial. Rund 20 Aktivisten, überwiegend Anhänger der Nationalen Befreiungsbewegung, bewarfen die Teilnehmer des Geschichtswettbewerbs mit Eiern und bespritzten sie mit grüner Flüssigkeit. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden, teilte die Polizei heute mit. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verurteilte den Angriff als schändlich und als Akt von Hooligans. Die Angreifer entehrten das Georgsband, das sie getragen hätten, sagte Peskow. Das Band gilt als Symbol des russischen Patriotismus. Die 73-jährige Ulizkaja wird in Russland, aber auch im Ausland verehrt, ihre Bücher wurden in etliche Sprachen übersetzt. Bei der grünen Farbe handelt es sich offenbar um ein Mittel zur örtlichen Betäubung, das bei Protesten immer wieder auftaucht.

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