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Konzert / Archiv | Beitrag vom 16.12.2020

Quatuor Ébène und Dresdner PhilharmonieBeethovens Weg zwischen Kammermusik und Sinfonik

Moderation: Stefan Lang

Die Mitglieder des Ensembles stehen in einem geheimnisvollen, dunklen Raum und umarmen ihre Instrumente. (Quatuor Ébène / Julien Mignot)
Pierre Colombet, Gabriel le Magadure, Marie Chilemme und Raphael Merlin sind die Mitglieder des Quatuor Ebène. (Quatuor Ébène / Julien Mignot)

War Beethoven ein kongeniale Kammermusiker, der die Gattung neu aufstellte? Oder war er der Erneuerer der Sinfonie? Die Dresdner Philharmonie unter Marek Janowksi und das Quatuor Ébène offenbaren die Querverbindungen.

Marek Janowski hat immer wieder in Konzerten das Sinfonische mit dem der Kammermusik verbunden. Somit kann jedes Werk neu gehört werden und auch Verbindungen verstehen. So wird die Eröffnung von Beethovens Streichquartett op. 59, die mit ausladender Geste angelegt ist, in einem großen Konzertsaal besonders sinfonisch.

Wobei die vierte Sinfonie nach dem Hören der Kammermusik plötzlich durchsichtig wird - man erlebt die kammermusikalisch gedachten Momente umso stärker. 

Diplomaten als Musikmäzene

Wer in Wien zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Diplomat ernst genommen werden wollte, der musste sich als Kunst- und Kulturkenner zeigen. Am besten konnte sich das mit einer Widmung eines kenntnisreichen Musikers belegen. Graf Andrej Rasumowsky konnte sogar die Widmung eines Ludwig van Beethovens vorlegen - hatte er ihn doch kräftig gefördert, seine Werke in seinem Haus "brühwarm" einstudiert und probiert - Rasumowsky war ein glühender Verehrer Beethovens. 

Beethovens Widmung

Sein Palais wurde eine Begegnungsstätte, eine Arena des Experimentierens. Beethoven wusste zu schätzen, dass er hier ein animierendes Umfeld gefunden hatte. Und so widmete er dem russischen Hausherrn für sein Hausquartett die drei Werke, die unter op. 59 vereint sind und seit dem seinen Namen tragen.

Im dritten Quartett, das an diesem Abend erklingt, wo Beethoven sogar eine slawische Melodie, ein ukrainisches Lied, als Reminiszenz und Danksagung ein.

Exzellente Beethovenkenner sind die Musiker des Quatuor Ébène, die seit über einem Jahr die Werke Beethovens besonders erarbeitet haben. Mit dem Dirigenten des Abends verknüpft sie eine langjährige Zusammenarbeit - gerade im "Bereich" Beethoven.

Sensibilisierung durch Kammermusik

Danach sei das Hören für das Sinfonische neu aufgestellt, so der Dirigent Marek Janowski. "Die Kopplung bedingt eine andere Wahrnehmung.", so der Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker. Nun könne man genau wahrnehmen, wie das Sinfonische aus dem Kammermusikalischen heraus geformt sei.

Der Dirigent im Porträt hinter einer Scheibe. (Marek Janowski / Andreas Pein)Dirigent Marek Janowski will Beethovens Musik neu hörbar machen. (Marek Janowski / Andreas Pein)

Die Vierte entstand im ähnlichen Zeitraum, wie Beethovens op. 59. Der Komponist schrieb diese Musik, als er unsterblich verliebt in Josephine von Brunswick war. Geschmack und Haltung des Werkes schienen ihm eine angemessene Zwiesprache in Tönen zu ihr suchen.

Konzert vom 22. Februar 2020 im Kulturpalast Dresden

Ludwig van Beethoven
Streichquartett C-Dur op. 59 Nr. 3
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60

Quatuor Ébène
Dresdner Philharmonie
Leitung: Marek Janowski

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