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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 27.08.2015

Qualvolle EntscheidungWas Spätabtreibungen für Eltern und Ärzte bedeuten

Von Katja Bigalke

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Spätabtreibungen sind für alle Beteiligten eine schwere Entscheidung. (dpa / picture alliance / Doreen Fiedler)
Spätabtreibungen sind für alle Beteiligten eine schwere Entscheidung. (dpa / picture alliance / Doreen Fiedler)

Die Methoden der Pränataldiagnostik bei einer Schwangerschaft sind zwar über die Jahre immer besser geworden. Die Entscheidung für oder gegen die Abtreibung eines möglicherweise schwer erkrankten Kindes hat sich für werdende Eltern aber dadurch nicht vereinfacht.

"So okay, da ist es. Hat sich schön abgewandt von uns, guckt nach unten mit dem Gesicht nach unten gedreht. Vom Kopf bis zum Po haben jetzt erstmal wir gut sieben Zentimeter, hat sich ganz zeitgemäß entwickelt. Den Nacken kann man auch schon gleich sehen – der ist normal..."

"Kopfbreite – Kopflänge – sehr schön, da sehen Sie eben schon die Teilung des Gehirns ne? – zwei symmetrische Gehirnhälften für diese frühe Schwangerschaftswoche sieht alles normal aus…"

Konzentriert untersucht Julia Lange, die schwarz-weißen Ultraschallbilder, die vor ihr auf dem Monitor auftauchen. Leicht verschwommene Umrisse eines Fötus sind dort zu sehen. Knochenstrukturen, dunkle Flecken – die Organe. Bilder aus dem Bauch einer werdenden Mutter, Mitte 30, Ende der 12. Schwangerschaftswoche.

"Nasenbeinknochen mindestens genauso wichtig inzwischen wie der Nacken. Hier noch mal die Nackenfalten alles super – und was wir uns auch angucken ist die Wirbelsäulenkurve..."

Julia Lange ist Gynäkologin an einem Zentrum für Pränataldiagnostik in Berlin. Einem Zentrum, das sich spezialisiert hat auf vorgeburtliche Untersuchungen. Solche mit hochauflösenden Ultraschallgeräten etwa, die immer bessere Bilder des ungeborenen Lebens produzieren.

Eine Broschüre zur pränatalen Diagnostik (picture alliance / dpa / Marijan Murat)Broschüren informieren, wie die pränatale Diagnostik helfen kann. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)

Zu Julia Lange kommen Frauen in der 11. bis 14. Schwangerschaftswoche – auf eigenen Wunsch oder bei einer medizinischen Indikation wie einer vorliegenden Erbkrankheit oder über 35-jährige Mütter zum Beispiel. Fünf bis zehn Prozent der Schwangeren machen von dieser frühen Feindiagnostik Gebrauch schätzt Lange. Die meisten Frauen melden sich erst zwischen der 19. und 22. Woche, wenn der zweite große Ultraschall ansteht.

"Magen auf der linken Seite und ein bisschen höher die Herzspitze zeigt in die gleiche Richtung, so soll es sein. Die Herzkammern, die Herzbreite da haben Sie schon die halbe oder die ganze Miete. Da die Herzfrequenz…"

Julia Lange ist zufrieden. Sie hat auf den Ultraschallbildern nichts Auffälliges entdeckt bei dem Kind, das da heranwächst. Erleichterung auch auf Seiten der Mutter. Zwar hat es nicht geklappt mit dem kleinen Video, das sie gerne gehabt hätte vom Fötus. Aber es gibt immerhin zwei niedliche Profilaufnahmen, die sie mit nach Hause nehmen kann.

"In der Regel ist es ganz erstaunlich, was man schon zu früh sehen kann. Und das ist das, was ich immer so als Reaktion von den Eltern bekomme, dass sie wirklich erstaunt sind und wie beruhigend das ist, dass es schon schlucken kann, die Arme und Beine bewegt und schon alles da ist. Und was wir auch dann trotzdem immer noch sagen – das ist ja dann so, dass das Kind 6/7 Zentimeter lang ist, dass man bei 22 Wochen noch mal guckt, aber das ist meistens dann nur eine Bestätigung dieser frühen Untersuchung."

Eine Welt brach zusammen

Meistens, doch es gibt Ausnahmen. Einige Fehlbildungen und Erkrankungen sind zwischen der 11. und 14. Woche noch gar nicht zu sehen.

"Viele Herzfehler kann man erst bei 22 Wochen sehen. Viele Amputationen, die durch Gefäßverschlüsse oder Besonderheiten in der Fruchthöhle entstehen können, manche Hirnfehlbildungen kann man erst später sehen. Folgen von Infektionen sind auch bei 22 Wochen noch nicht zu sehen."

Und auch Gendefekte sind in den Ultraschallaufnahmen der frühen Schwangerschaft nicht unbedingt sichtbar. Nackenfaltenmessungen, die auf ein mögliches Down-Syndrom hinweisen, stellen zum Beispiel nur ein mögliches Risiko dar. Rund 30 Prozent der Kinder, die mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen, zeigen bei der Messung keine auffälligen Werte. Generell lassen sich Erbgutschäden nur durch Untersuchungen des Fruchtwassers oder des Mutterkuchens sicher ausschließen. Mit dem Risiko einer Fehlgeburt allerdings.

Oder man greift zum so genannten Pränatest, einem Test, der mit einer 99-prozentigen Sicherheit verspricht, bestimmte Gendefekte des Kindes im Blut der Mutter zu detektieren. Am Ende bleibt den Eltern selbst überlassen, zu entscheiden, was sie zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft zu welchem Preis und mit welchem Risiko wissen wollen. Der Vorteil einer frühen Feindiagnose:

"Das Projekt Familie geht ja in 95 von hundert Fällen hier beruhigt nach Hause. Und in den anderen Fällen ist es halt schwieriger aber ich finde es als Vorteil, das zu wissen und ich empfinde es auch als Vorteil Entscheidungen treffen zu dürfen."

Eine Entscheidung gegen oder für einen Schwangerschaftsabbruch. Bei medizinischer Indikation kann dieser auch nach der abgeschlossenen 13. Woche durchgeführt werden.

"Das war die perfekte Schwangerschaft, keine besondere Probleme, ich habe ganz viel Sport gemacht, keine Übelkeit und alle Ultraschalle wunderbar. Wir haben uns auch jedes Mal immer gefreut, ein neues Bild zu kriegen. Und bei uns ist es in der 30. Woche rausgekommen, dass etwas nicht stimmte. Und das war für uns komisch, weil, ich habe immer mit Familie in Frankreich über Facebook kommuniziert. Immer ein Foto vom Bauch und ein Ultraschall gepostet. Das Foto vom Bauch hatte ich schon hochgeladen und ich wartete nur noch auf das Ultraschall Bild. Aber wir haben keins bekommen, weil wenn ein Problem besteht, geht es nicht mehr um ein Bild zu bekommen, sondern in eine andere Sphäre."

Sandrine Cartier-Millon und ihr Lebensgefährte Thomas Woinzeck erwarteten damals ihr erstes Kind. 2010 war das. Es war ein Mädchen.

"Den Namen hatten wir schon lange, wir sagten uns, wenn wir eine Tochter haben, dann wird sie Hanoi heißen. Wir haben sehr intensiv die Schwangerschaft erlebt, ich kann mich erinnern, dass immer wenn du die Hand auf den Bauch gelegt hast, dass Hanoi immer mit uns gespielt hat. Es gab eine richtige sehr intensive Kommunikation. Und wir gehen rein, mit dieser Idee, wir sehen unsere Baby und die Frauenärztin hat angefangen zu schauen und sie hat geschaut und geschaut und sie nix gesagt und das war so komisch und irgendwann hat sie gesagt, da gibt es etwas, was mir nicht gefällt. Es gibt jetzt einen schwarzen Fleck im Gehirn, das ist Wasser und sollte nicht da sein."

"Der MRT war für mich ein Schlüsselerlebnis"

Für die werdenden Eltern brach eine Welt zusammen. Nichts war klar. Nicht, wie schwerwiegend das Wasser im Hirn des Kindes wirklich war und auch nicht, warum die schwarzen Flecken erst jetzt auftauchten und nicht bei den anderen feindiagnostischen Untersuchungen, die das Paar vorher hatte machen lassen.

"Die Untersuchung war ein Donnerstag, ich kann mich gut an den Samstag/Sonntag erinnern, ich hatte das Gefühl, ich werde verrückt. Ich war total überwältigt mit Trauer, mit Sorge – und das war emotional sehr schwer zu ertragen. Und ich kann mich erinnern, es gibt so Notrufe, so Seelsorge, da habe ich einmal angerufen, weil es war zu viel für mich und danach haben wir uns kurz wieder, ich und mit Hilfe von Thomas, anders gepolt und gedacht, ok wir können jetzt nicht unser Kind aufgeben, sondern müssen erstmal wissen was es ist."

Herauszufinden was ist, dauerte mehrere Wochen. Wochen zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen. Wochen voller Fragen, Traurigkeit und Wut. Mehr Ultraschalls folgten. Das Paar suchte Feindiagnostiker auf, Neurologen, Kinderätzte, Radiologen. Ein MRT wurde angefertigt.

"Der MRT war für mich ein Schlüsselerlebnis, weil wir dann richtig das Gehirn sehen konnten und da wussten wir genau, wie viel Gehirnmasse noch da ist und da wussten wir, es gibt keine Chance mehr, also es wird kein gesundes Kind. Was schrecklich war, weil Hanoi war sehr beweglich im Bauch und wir hatten immer ein Abendritual gehabt, wo wir gesungen haben und ich kann mich erinnern, war sehr schwer, dieses Lied zu singen für sie und trotzdem weiter für sie da zu sein, soweit wir konnten, weil es klar war: das ist wahrscheinlich alles, was wir mit ihr hatten oder haben werden."

Die Diagnose lautete Hydrocephalus – eine krankhafte Erweiterung der Flüssigkeitsräume des Gehirns. Im Falle von Hanoi hatte die Flüssigkeit die Gehirnmasse fast vollständig verdrängt. Bis heute weiß das Paar nicht, wieso. Eine Infektion wurde als Ursache ausgeschlossen, auch genetische Gründe spielten keine Rolle. Letztendlich waren es die Einschätzungen unterschiedlichster Ärzte, die das Paar bei seiner Entscheidung für oder gegen einen Abbruch der Schwangerschaft beeinflussten.

"Also für mich war die Neurologin sehr wichtig, weil irgendwann habe ich gefragt: aber wenn wir uns entscheiden die Schwangerschaft abzubrechen, würden Sie hinter uns stehen? Und sie meinte: Ja. Und das war für mich – wenn sie das sagt und es um das Gehirn... Und dann sagte der Kinderarzt auch, wo er meinte, vielleicht, wenn sie Glück haben, wird sie euch erkennen und ich dachte, wenn das das Höchste ist, was ich von meinem Kind erwarten kann – und es gibt solche Sätze, die ganz prägnant werden."

Beratung bei pränataler Diagnostik

Die Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle Donum Vitae liegt in einem offenen Hinterhof am Kurfürstendamm. Ein kleiner, einstöckiger Bau, der sich an eine Brandmauer schmiegt. Kleiner Garten mit Wiese, Bäumen und Bank davor.  

"Ich biete Ihnen mal einen Tee an..."

Bei Jette Brünig gibt es immer Tee. Entweder schwarz oder Früchte. Es liegt auch immer ein Päckchen Taschentücher auf dem kleinen Tisch. Jette Brünig, ausgebildete Gynäkologin, hat sich spezialisiert auf die Beratung bei pränataler Diagnostik, davor und danach. Die meisten Paare kommen zu ihr, nachdem sie einen Befund bekommen haben.

"Ja, die sind sehr erschüttert. Weil, damit haben die nicht gerechnet. Und viele gehen nach wie vor zu diesen Spezialuntersuchungen in der Schwangerschaft mit einem relativ naiven Grundverständnis, weil sie dann nette Bilder sehen wollen. Und das stimmt ja auch zu 95 %. Aber leider in diesen Restprozent kann es eben sein, dass etwas Auffälliges gesehen wird, erstmal sind alle dann erschüttert, was ja auch verständlich ist."

Die Paare kommen weil ein Gespräch in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle bei einem Schwangerschaftsabbruch gesetzlich vorgeschrieben ist. Aber meistens geht es erstmal darum, die Gedanken zu ordnen.

"Je nachdem in welchen Zustand sie hier ankommen, ist es wichtig dass sie erstmal spüren, dass sie hier zur Ruhe kommen zu können. Sie haben auf jeden Fall eine Stunde Zeit. Das bleibt meistens nicht beim einmaligen Gespräch. Dann können sie mir in ihren Worten beschreiben, was an weitergehender Diagnostik gemacht wurde. Das ist ganz wichtig, auch in dieser Beratung, dass die Frauen und Paare konkret hingucken und beschreiben können, was es alles ist. Es kommt vor, dass sie schon in einer völlig ablehnenden Haltung zu dem Kind sind, sie sagen z.B. sie spüren die Kindsbewegungen nicht mehr. Das ist ein Phänomen, das ich immer wieder erstaunlich finde. Es soll nicht wahr sein und deswegen soll auch das Kind nicht mehr da sein und das erschrickt sie sehr und macht ihnen teilweise ein schlechtes Gewissen."

"Nicht nur einfach ein Wunschkonzert"

Es ist ein Auf und Ab, ein Durcheinander von Emotionen und Gedanken. Wenn Jette Brünig das Gefühl hat, da ist etwas nicht richtig verstanden worden, vermittelt sie das Paar an weitere Experten. An Ärzte, aber auch an Familien in ähnlicher Lage, die sich für ihr Kind entschieden haben. Es geht darum, dass die Eltern am Ende mit ihrer Entscheidung leben können – ob sie nun für oder gegen den Abbruch ausfällt. In einer Situation in der es wenig Gewissheit gibt, unsichere Diagnosen und wacklige Prognosen lässt sich diese Frage allerdings nie richtig beantworten.

"Die kann man eigentlich nur beantworten, indem man sagt, dafür sind Eltern nicht gemacht, das können Eltern eigentlich gar nicht entscheiden. Dennoch ist die Situation so, dass Paare durch die Pränataldiagnostik in so eine Situation kommen, wo sich diese Frage irgendwann vielleicht stellt. Und das ist eine Qual für alle Beteiligten. Also man kann so eine Entscheidung nicht treffen, dennoch wird unter vielen Qualen eine Entscheidung dann doch getroffen."

In den meisten Fällen für eine Abtreibung.

"Letztendlich geht es um eine medizinische Indikation, wenn es denn zu einem Schwangerschaftsabbruch kommt. Und dies ist nicht nur einfach ein Wunschkonzert, sondern es muss ein Arzt eine Indikation stellen, und es muss auch ein Krankenhaus bereit sein, diesen Eingriff zu begleiten und die Verantwortung für diese Entscheidung ist letztendlich auf mehreren Schultern gelegen, das ist ein wichtiger Aspekt auch irgendwann."

"Also es wird erstmal gewöhnlich nicht mit Geburtshilfe verbunden. Sondern es ist eher so, dass man denkt, wir sind hier ne Klinik, die bringt gesunde Kinder zur Welt. Das ist aber auch ein Teil von Geburtshilfe. Wir helfen den Frauen in jeder Situation."

Schwangerschaftsabbrüche am Vivantes Klinikum

Babett Ramsauer ist Oberärztin für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum in Neukölln. Perinatalzentrum Level 1 nennt sich ihre Abteilung, was bedeutet, dass man hier auch extrem früh geborene Babys versorgen kann. Noch vor der 30. Schwangerschaftswoche. Babett Ramsauer hilft aber nicht nur Kindern und Frühchen auf die Welt, sie leitet auch Schwangerschaftsabbrüche ein. Auch nach der 22. Woche, wenn die Grenze zur Lebensfähigkeit des Kindes schon überschritten ist.

"Das sind auch manchmal die Konflikte, in denen wir hier stecken, dass wir an einem Tag eine Patientin hier aufnehmen zum Schwangerschaftsabbruch und zwei Stunden vorher einen Kaiserschnitt machen bei einer extremen Frühgeburt, so dass man da auch so in Konflikte kommt und so denkt, was für ein Leben hat man so zwischen Leben und Tod."

Und trotzdem kommt Babett Ramsauer immer wieder zu dem Schluss, dass es richtig ist, was sie tut.

"Wenn wir uns das rausnehmen, dass wir den technischen Fortschritt auch so weit treiben, dass wir nicht nur gute Ultraschallgeräte haben, sondern dass wir Fruchtwasserentnahmen machen können, Chorionzottenbiopsien machen können, oder jetzt die Möglichkeit haben, über den mütterlichen Bluttest auch noch ne weitere Diagnostik zu machen, dann müssen wir auch den nächsten Schritt machen. Wir können nicht sagen, wir diagnostizieren die exotischsten Fehlbildungen und sagen dann, und nun ist es gut. Man kann sich natürlich hinstellen und sagen, wir machen das alles nur, um die Eltern darauf vorzubereiten, dass das Kind nicht ganz gesund ist, dass das Kind dann auch in der richtigen Klinik auf die Welt kommt, wo man sich auch entsprechend um das Kind kümmern kann. Aber in dem Moment, wo ich anfange, diese Diagnostik zu machen, komme ich natürlich automatisch an den Punkt, wo ich auch Kinder diagnostiziere, die eigentlich nicht leben können und muss auch den nächsten Schritt machen. Ich kann nicht sagen, nun hab ich das festgestellt und nun bleibt’s dabei stehen. Dann haben wir wieder den Stand wie vor 40 Jahren, wo massiv viele schwerstkranke Kinder unerwartet auf die Welt kamen."

Der Stand in Deutschland ist heute, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche innerhalb der Fristenregelung abnimmt. Abtreibungen zwischen der 12. bis 21. Schwangerschaftswoche stagnieren bei etwa 2100 Fällen pro Jahr. Die Zahl der Spätabbrüche nach der 22. Schwangerschaftswoche hingegen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, auf 584 Fälle im Jahr 2014. Wobei es regionale Unterschiede gibt: In Berlin und Nordrhein-Westfalen zum Beispiel werden deutlich mehr Spätabtreibungen durchgeführt, als etwa in Bayern oder Baden Württemberg. Das bekommt auch Babett Ramsauer in ihrer Klinik zu spüren:

"Das ist hier schon häufig, das liegt einfach daran, dass das zunehmend ein Problem wird, diese Möglichkeit anzubieten. Weil da Ängste, moralische Bedenken, persönliche Einstellungen in einigen Kliniken das unmöglich machen. Die kirchlichen Einrichtungen machen ja sowieso keine Abtreibungen, dass sich das ziemlich hier sammelt. Muss man sagen. Es steht jedem Arzt zu, zu sagen, ich mache keine Schwangerschaftsabbrüche."

Spätabbruch oder nicht

Im Vivantes Klinikum in Neukölln machen sie es. Da ist sich das Personal mehr oder weniger einig. Zwar gibt es auch hier Bedenken und Probleme mit dem Thema. Damit geht man offensiv um. Es gibt eine Supervision, für alle, die mit den Spätabbrüchen zu tun haben. Und es besteht auch immer die Möglichkeit, einen Abbruch abzulehnen.

"Wir prüfen schon den Einzelfall. Es gibt Situationen, wo man sagt, das ist operativ zu machen, ohne dass das ein extremer Aufwand ist. Auch bei orthopädischen Sachen ist das manchmal, dass Kinder geboren werden, nur mit zwei Fingern. Das machen wir nicht für uns zum Schwangerschaftsabbruch, ein Kind mit einer Kiefer-Gaumenspalte. Wenn nichts anderes ist. Das kann man einfach operieren. Da machen wir keinen Schwangerschaftsabbruch. Das machen wir nicht."

Was ist ein Grund für einen Spätabbruch, was ist keiner? Babett Ramsauer hat ihre Grenze gezogen. Andere ziehen andere Grenzen.

"Es gibt ja eine ganze Reihe, die sagen, mein Kind ist nicht ganz gesund, aber das kommt trotzdem auf die Welt, für andere Eltern sind aber andere Erkrankungen gar nicht möglich, weil sie sagen, das schaffen wir nicht. Wir haben noch drei gesunde Kinder und sind finanziell auch nicht in der Situation. Oder eine alleinerziehende Mutter, die das gar nicht bewerkstelligen kann und deshalb ist für die ein Abbruch der einzige Weg, so dass man da immer ein ganz breites Spektrum hat, Dinge verstehen zu müssen."

Bei etwa der Hälfte der Kinder, die spät abgetrieben werden, werde Trisomie 21, das Down-Syndrom, diagnostiziert, schätzt die Ärztin. Häufig geht das aber auch mit schweren organischen Schäden einher. Die anderen Fälle beträfen schwere Fehlbildungen am Hirn, Herzen oder der Wirbelsäule zum Beispiel. Oft komme auch Vieles zusammen. Und trotzdem:

"Die meisten der Spätabbrüche sind Kinder, die können theoretisch leben mit entsprechender Hilfe und entsprechenden Operationen. Aber die sind schwerstkrank, schwerstbehindert. Aber es sind nicht die meisten, die sowieso sterben würden. Das würde auch für die Eltern die Entscheidung viel leichter machen. Deshalb sind die auch in so großen Konflikten."

Entscheidung für oder gegen das Kind

Sandrine Cartier-Millon war bereits in der 33. Woche schwanger, als die medizinische Indikation für einen Abbruch gestellt wurde. Der Ultraschall, bei dem im Gehirn ihrer Tochter Hanoi so viel Wasser festgestellt wurde, dass das Hirngewebe fast vollständig verschwunden war, lag gute drei Wochen zurück. Unterschiedlichste Ärzte hatten sich den Befund angeschaut und bewertet. Es sah nicht gut aus für das Mädchen. Eine Entscheidung drängte. Wobei zwischen Indikation und Abbruch laut Gesetz mindestens drei Tage Bedenkzeit liegen müssen. Der Vater Thomas Woinzeck:

"Wir haben uns beide entschieden, dass wir, jeder für sich erstmal, darüber nachdenken wollen, wie wir uns entscheiden möchten und dass wir uns dabei nicht beeinflussen wollen. Wir dachten, das ist eine schwerwiegende Entscheidung, die wir beide als Paar noch tragen müssen danach. Deswegen haben wir uns entschieden, dass wir uns bis zum nächsten Tag Bedenkzeit geben, sind dann aber am Abend schon zusammengekommen und haben uns beide für den Abbruch entschieden. "

"Bei mir war eine wichtige Frage: wird mein Kind glücklich sein und das Leben genießen? Und das war klar, dass das nicht der Fall – in meinen Vorstellungen was Glück ist – also vielleicht wäre es glücklich, weil die Sonne auf das Gesicht geschienen hätte, aber das war nicht mal sicher."

"Ich habe mir einmal probiert vorzustellen, wie es unserem Kind gehen wird, habe aber auch überlegt, wie wird unser Leben aussehen? Also, es hätte bedeutet, dass sehr viele Operationen hätten stattfinden müssen, also dass die Krankengeschichte immer weiter gegangen wäre. Dass eine 24-Stunden-Pflege und Betreuung hätte stattfinden müssen, dass eine Person von uns mindestens hätte nicht arbeiten können. Ich könnte mir vorstellen, dass das große Auswirkungen auf den Freundeskreis hat, auf das Sozialleben."

Eine Frau hält in Stuttgart vor dem Rathaus bei einer Demonstration gegen die Stuttgarter Abtreibungsklinik Stapf ein Plakat. (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)Eine Abtreibungsgegnerin mit einem Plakat bei einer Demonstration in Stuttgart. (picture alliance / dpa / Daniel Naupold) 

Auch Sandrine Cartier Millon und Thomas Woynzeck mussten die Klinik wechseln. Der Arzt, der sie bis dahin betreut hatte, wollte den Eingriff selbst nicht durchführen und vermittelte sie an ein anderes Krankenhaus. Weitere Tage verstrichen.

"Man ist in der Situation, ab dem Moment, wo man sich entschieden hat, möchte man auch, dass das passiert. Also weil man sich ständig verabschiedet und ich kann mich erinnern, dass wir immer dachten, das ist jetzt das letzte Mal, dass wir das Abendlied singen und dann aber doch nicht. Und dann sind wir wissend, was passiert, ins Krankenhaus gegangen."

Sandrine Cartier Millon war in einem Familienzentrum gut beraten und gut betreut worden. Sie wusste, was im Fall einer Spätabtreibung auf sie zukommen würde. Sie wusste, dass ihr Kind bevor die Geburt eingeleitet würde, erst betäubt und dann mit einer Kaliumchloridspritze in Nabelschnur oder Herz getötet würde. Sie wusste, dass das Mittel zur Einleitung ein bis zwei Tage brauchen, und dass sie ihr Kind spontan auf die Welt bringen würde.

"Das war eine sehr sehr wichtige Betreuung, man ist ja in einer total neuen Situation. Man wird Eltern, aber auf eine besondere Art. Spontan hatte ich gedacht, ich will auf keinen Fall dieses Kind gebären. Ich will einen Kaiserschnitt. Aber nach dem Gespräch war klar, dass ich das Kind gebären soll, für die Bearbeitung und für mich, das ist etwas, das wichtig ist. Oder man denkt, ich will dieses Kind nicht sehen und nach der Beratung denkt man, vielleicht muss man doch dieses Kind sehen, also man hat so wenig Zeit auch mit dem Kind und was man falsch macht, kann man nicht mehr nachholen. Und deswegen sind diese Beratungen auch so wertvoll. Wir waren vorbereitet anhand von Erfahrungen von anderen Eltern."

Die stille Geburt

Es war eine stille Geburt, sagt Sandrine Cartier-Millon heute. Und so nennt man diese Geburten auch.

"Dann habe ich eine PDA gekriegt, die ich selbst bestimmen konnte. Ich hatte eine Pumpe und dann sind wir in den Kreissaal gegangen und wir hatte eine Hebamme. Und es war, das ist immer etwas komisch, es war eine wunderschöne Geburt. Sehr ruhig, ich hatte keine Schmerzen. Also, wir sind trotzdem Eltern geworden. Es war trotzdem eine Geburt. Irgendwann war dann Hanoi auf der Welt. Ein schönes Mädchen. Sah aus wie ein gesundes Kind, sehr groß, aber hat halt nicht gelebt. Und sie hatte am Arm so die Haut war schon gerissen es gab ihr eine sehr fragile Ausstrahlung, wir haben uns nicht getraut, sie richtig in den Arm zu nehmen, weil wir hatten Angst, dass der Arm sich lösen würde vielleicht vom Körper. Es hat halt keine Körperspannung. Es war nicht warm, aber sie sah wunderschön aus, richtig schöne Augen, ganz viele Haare, 50 Zentimeter groß und über drei Kilo hat sie schon gewogen."

"Vom medizinischen Weg her ist es so: In dem Moment, wo man keine Curretage mehr macht, 15 Wochen so etwa, wird medikamentös eingeleitet. Wenn wir über 20 Schwangerschaftswochen sind und an die Grenze dessen kommen, dass Kinder überleben können, bieten wir eigentlich immer einen Fetozid an."

Es kommt mehrmals die Woche vor, dass Babett Ramsauer am Vivantes-Klinikum in Berlin Neukölln Spätabtreibungen durchführen muss. Weil die Diagnosen oft erst sehr spät gestellt werden, ist dann oft auch ein Fetozid nötig. Damit geht die Ärztin offensiv um.

"Das ist einfach auch ein Teil, der zum Schwangerschaftsabbruch gehört. Und dann kommt aber ein zweiter Aspekt dazu, es hat eine gewisse technische Schwierigkeit. Man muss sich unheimlich konzentrieren. Das sind ja relativ kleine Strukturen, die man da punktieren muss. Man muss ja die Nabelschnur punktieren und steckt dann so in der Gedankenwelt für einen Moment zumindest drin und muss das andere einfach ausschalten. Wie bei einer schweren Operation. Das lässt aber in dem Moment nach, wenn der Fetozid durchgeführt wurde und dann ist man wieder bei der Frau. Ich sag schon Fetozid, ist ein fester Begriff, der gehört auch dazu. Sonst müsste ich mich als Mörderin bezeichnen, aber das kann ich nicht, weil ich den Gesamtzusammenhang anders sehe, dass ich eine Frau eine entsprechende Hilfestellung geben muss."

Babett Ramsauer ist eine Ärztin, die nicht in schwarz weiß Kategorien denkt. Sie urteilt nicht, sondern kümmert sich um Einzelschicksale. Dazu gehört für sie auch, dass die tot geborenen Kinder, würdevoll behandelt werden.

"Es läuft ausgesprochen liebevoll ab, dass wir die auch nicht auf ein kaltes Tuch legen, sondern dass wir einen Korb haben mit nem bunten Tuch und denen auch Kleidung zur Verfügung stellen, dass man da nicht so einen nackigen Körper hat. Dass wir die Frauen auch motivieren, die Kinder anzugucken, dass wir sie selber auch anfassen und streicheln."

"Dann haben uns die Hebammen mit ihr allein gelassen. Wir haben sie angezogen, wir hatten auch Klamotten mitgebracht, wir hatten dann so viel Zeit, wie wir wollten. Dann haben wir ganz viele Fotos gemacht und mit ihr gesprochen und Abschied genommen und irgendwann haben sie uns auch vorgeschlagen, dass, wenn wir es wollen, die Seelsorgerin des Krankenhauses sie abholen könnte, wenn wir es wünschen. Und irgendwann haben wir die gerufen, die hat Hanoi abgeholt und dann bin ich nach Hause gegangen."

Die Tochter von Sandrine Cartier Millon und Thomas Woinzeck wurde auf einem Friedhof in der Nähe ihres Wohnorts bestattet, auf einem Feld für sogenannte Sternenkinder, Kinder die sterben, bevor sie das Licht der Welt erblicken. Wenn sie unter 500 Gramm wiegen, werden diese in Berlin meist in Sammelbestattungen beigesetzt. Für Totgeborene, die ein Gewicht von 500 Gramm überschreiten, gilt eine Bestattungspflicht. So auch für Hanoi.

"Das ist ein schöner Ort und ein schöner Platz für die Kinder. Da wir nicht gläubig sind, haben wir selbst Texte verfasst um Abschied zu nehmen, dann sind unsere Eltern und Freunde gekommen und wir haben das zusammen gemacht und danach sind wir hier hergekommen und den Nachmittag verbracht. Freunde von uns hatten auch Babys, das war auch schön, dass die da waren, dass das Leben auch da war. Nach der Beerdigung ist eine zweite Phase. Nach der Beerdigung waren diese ganzen Entscheidungen vorbei und Hanoi hatte einen Platz, wo sie in Frieden sein konnte, weil die ganze Zeit, wo sie in der Pathologie war ging mir auch immer durch den Kopf: Es ist ihr kalt."

Die zweite Phase – die Trauerphase. Vor allem im ersten Jahr war es schlimm, erzählt das Paar. Das erste Weihnachten, Ostern, die geplante Reise, auf die sie sich gefreut hatten. Die Zeit half, mit der Traurigkeit besser klar zu kommen, Freunde und auch eine Paar-Therapie.

Wie es sich mit der Entscheidung für eine Spätabtreibung leben lässt, meint Jette Brünig von der Beratungsstelle "donum vitae", hängt stark damit zusammen, wie die Entscheidung getroffen wurde, wieviel Zeit sich ein Paar dafür genommen hat, wie gut es informiert war. Die meisten Paare erlebt sie so:

"Dass die einen unglaublich schwierigen und differenzierten Entscheidungsprozess hinter sich haben. Was wir Beraterinnen alle sehr begrüßen, weil so ein Entscheidungsprozess, niemals in Eile gemacht werden soll. Insofern ist es ganz wichtig, dass die Eltern gestärkt werden können, wirklich eine Entscheidung zu treffen, dass sie damit lebenslang leben können. Ein Trauerprozess ist natürlich nötig, und wenn man sich den verkneift, dann wird es sicherlich sehr viel schwieriger."

Hanois Tod liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Sandrine Cartier-Millon und Thomas Woinzeck haben in der Zwischenzeit eine zweite Tochter bekommen. Kalinka. Mit der besuchen sie oft den Friedhof, auf dem die große Schwester beerdigt liegt. Derzeit erwartet sie ein weiteres Kind. Einen Jungen. Sie freuen sich sehr. Aber nie habe sie eine Schwangerschaft wieder so unbeschwert erlebt wie die ersten 30 Wochen mit Hanoi, erzählt die Sandrine. Für Pränataldiagnostik würde sie sich trotzdem immer wieder entscheiden:

"Ich brauche den Ultraschall, um zu wissen, dass alles gut geht. Diese Entscheidung treffen zu können, ob wir Hanoi behalten oder nicht, ist extrem wichtig gewesen, es hat unser ganzes Leben beeinflusst. Vielleicht wäre Kalinka nicht da, wir würden jetzt nicht da sitzen und mit Ihnen sprechen, weil wir wahrscheinlich keine Zeit dafür hätten, wir wären vielleicht total verbittert, weil unsere Beziehung kaputt gegangen wäre. Natürlich haben wir viele Ängste: Der Morgen vor der Feindiagnostik,  ich spreche ganz viel, Thomas sagt nichts und danach, wenn ich rausgehe, weine ich immer eine Runde, weil ich erleichtert bin, dass alle gut gegangen ist. Ich hoffe, dass es auch dieses mal so wird. Durch unser Erlebnis kann ich nicht sagen: Im August werde ich Mutter. Ich kann nur sagen: Hoffentlich werde ich im August Mutter."

Zukünftige Entwicklungen

Fertige Antworten haben die beiden auch für diese Schwangerschaft nicht parat. Und eigentlich hat das niemand, meint Julia Lange, Pränataldiagnostikerin am Kurfürstendamm. Niemand weiß wirklich im Voraus, wie er sich im Falle eines schlechten Befundes entscheiden würde. Deswegen ist es ihr auch wichtig, in ihren Diagnosen nichts zu dramatisieren. Sich möglichst präzise über die Entwicklung des eigenen Kindes zu informieren, hält sie für legitim. Fraglich findet sie allerdings manche Methoden. Derzeit diskutiert man etwa darüber, den Pränatest als Kassenleistung einzuführen. Ein Test, der zwar früh, aber ausschließlich Chromosomen- und Geschlechtsanomalien wie etwa Trisomie 21 beim Kind detektiert.

"Der bedeutet, dass man ab 8/9 Schwangerschaftswochen Blut von der Mutter abnimmt – und anhand dieser Blutmenge in der wird freie, zirkulierende DNA detektiert. Was ich problematisch finde, weil es eben eine sehr eindimensionale Diagnostik ist. Wir als Pränataldiagnostiker, die Ultraschall betreiben, wir fragen uns eigentlich, warum dieses Erst-Trimesterscreening mit der frühen Feindiagnostik nicht schon lange diskutiert wird als Kassenleistung anzubieten. Denn da haben wir zwar keine feste Diagnose: Das Kind hat ein Downsyndrom – ja oder nein, aber wir haben auch ein Blick auf das Herz und die Nieren und alles, was sich unabhängig vom Chromosomenbefund auch mal falsch entwickeln kann. Ist das die richtige Entwicklung, dass man mehr Schwerpunkt auf die Chromosomenanalyse legt?"

Auch Babett Ramsauer, Gynäkologin am Vivantes-Klinikum in Neukölln würde eher für einen frühen Ultraschall bei einem Feindiagnostiker plädieren, als für einen Pränatest für alle. Sie geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Spätabtreibungen, aufgrund von Diagnosen durchgeführt werden, die man auch anhand eines guten Erstsemesterscreenings hätte stellen können.

"Die Trisomien könnte man alle früher diagnostizieren, diverse Herzfehler auch und trotzdem passiert das immer noch oft, dass die Frauen nicht zu entsprechenden Diagnostikern geschickt werden und dann hat man bei 24 Wochen, das was man auch bei zwölf Wochen schon hätte haben können. Weil wir haben inzwischen die technische Möglichkeit, sehr früh eine Diagnose zu machen und damit hätte man es natürlich an vielen Punkten leichter. Ich denke, die Entscheidung, sich von einem Kind zu trennen, das man eigentlich wollte, ist auch früh schwierig, aber der ganze medizinische Teil, das ist bei einem Abbruch bei zwölf Wochen viel geringer als bei 24/25  Schwangerschaftswochen."

Bei Hanoi haben die Screenings vor der 30. Woche keine Anzeichen von einem Hydrocephalus gezeigt. Die Eltern hatten gar keinen Grund, früher über einen Abbruch der Schwangerschaft nachzudenken. Dass es letztendlich dazu kam, war für beide unendlich traurig. Hanoi hat einen Platz in ihrem Leben.

"Ich habe mich entschieden, dass Hanoi nicht lebendig zur Welt kommt, weil das Leben ein Kampf gewesen wäre. Ich war es als Mutter Hanoi schuldig, dass ich jetzt als Mutter das Positive im Leben zu sehen und das Leben zu bejahen. Das habe ich versucht und ich habe auch versucht, Hanoi in mein Leben zu integrieren. Das war mir wichtig, dass sie eine Rolle nimmt. Dass sie nicht umsonst gekommen ist. Zum Beispiel wenn ich mich heute ärgere, wenn Kalinka in ihrer Phase ´neineinenein` richtig nervend ist, kann man immer sagen, was für ein Glück, dass man ein Kind hat, dass ´neinneinnein` sagt. Deshalb war immer mein Ziel, Hanoi nicht als etwas Trauriges und Negatives zu sehen, sondern als jemanden, der mir etwas gegeben hat. Denn sie hat mir extrem viel gegeben für die kurze Zeit."

Mehr zum Thema:

Für ein Kind tue ich alles! - Was Frauen für eine Schwangerschaft auf sich nehmen
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 23.04.2015)

"Dann rückt der Schwangerschaftsabbruch als Option statistisch näher"
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 11.07.2012)

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