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Studio 9 | Beitrag vom 04.07.2020

Pubs in England wieder offenBiergenuss mit angezogener Handbremse

Von Burkhard Birke

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Boris Johnson trinkt ein Glas Bier in einem Londoner Pub. (Getty Images / WPA Pool / Henry Nicholls)
"Lasst es uns nicht vermasseln", beschwor der britische Premierminister Boris Johnson seine Landsleute, bevor die Pubs endlich wieder öffneten. (Getty Images / WPA Pool / Henry Nicholls)

Die Durststrecke in England ist vorbei: Die Pubs öffnen wieder. Zwar gibt es Befürchtungen wegen der hohen Covid-19- Infektionszahlen - aber die Gastwirte hoffen darauf, dass die Wiedereröffnung von Dauer ist.

"Lasst es uns jetzt nicht vergeigen!" Gleich mehrfach wiederholte Boris Johnson diese Botschaft in den vergangenen Tagen. 44.000 offizielle Coronatote sprechen für sich.

Auch der von Corona gebeutelte Premierminister hegt wohl einen Rest Zweifel. Am Ende schien der Durst jedoch schlimmer als die Angst vor dem Virus - und einer zweiten Welle.

Johnson ist bekannt dafür, gern im Pub ein Pint Ale oder Lager zu schlürfen. Seit heute früh sechs Uhr ist die Durststrecke vorbei. Die Zapfhähne in den 37.500 englischen Pubs dürfen wieder laufen. Dem Genuss eines guten Pint steht nichts mehr im Wege, jedoch unter Wahrung neuer Regeln.

Bier am Tisch bestellen 

"Wir müssen die Namen und Adressen aller unserer Kunden aufschreiben", sagt Pubbesitzerin Claire. "Wenn jemand nur etwas trinken möchte, müssen wir Kugelschreiber und Papier bereithalten. Wir werden viele Hinweisschilder aufstellen und hoffen, dass alle so froh sind, wieder draußen zu sein, dass sie sich benehmen." Das hofft Claire und hofft auch die Polizei.

Mitarbeiterinnen bereiten einen Londoner Pub für seine Wiedereröffnung vor. (Getty Images / Hollie Adams)Die Gastwirte in England atmen auf, weil das Publeben wieder los geht - allerdings mit strengen Hygieneregeln. (Getty Images / Hollie Adams)

Je nach Größe und Beschaffenheit des Pubs gilt es, zwei, aber mindestens einen Meter Abstand zu halten. Die Kunden sollen sich nicht gegenüber, sondern mit Abstand nebeneinandersetzen und das Bier am Tisch bestellen.

Am Tisch? Gedränge an der biergetränkten Theke, wo man üblicherweise seine Getränke und Essen im Pub bestellt und abholt, soll unter allen Umständen vermieden werden. Vom Griff in die Schale Erdnüsse auf dem Tresen hätte ich auch schon in Zeiten vor Corona abgeraten, da sich die meisten Männer auf der Insel nach dem Toilettengang eher selten die Hände waschen.

Überlebenschance für die Pubs 

Biergenuss mit angezogener Handbremse? Wer die Engländer kennt, hegt Zweifel, ob das gelingen kann. "Ich hoffe, dass die Leute vernünftig sein werden. Es ist ein bisschen fies, wenn allein die Barkeeper und Bedienung verantwortlich sind. Es wird ein bisschen merkwürdig, aber mein Gefühl sagt mir, jeder wird schon auf den anderen achten, auch wenn sie viel zu trinken hatten", sagt Barkeeperin Claire. Ihr Wort in der Engländer Ohr.

Sie und viele andere Pubbesitzer mussten vor der Öffnung noch altes Bier fässerweise wegkippen: Einige Biersorten haben die drei Monate Schließung wegen Corona nicht überstanden: Jetzt gibt es also neues Bier aus alten Schläuchen. Gelingt es, die Pubs auf Dauer wenigstens zur Hälfte zu füllen, haben viele eine Überlebenschance.

Hoffnung auf starken Umsatz

Fast alle hatten Kurzarbeit angemeldet, aber das Regime soll stufenweise auslaufen. Jetzt hoffen die englischen Pubs auf ein ertragreiches Wiedereröffnungswochenende mit mehr als umgerechnet 230 Millionen Euro Umsatz.

Die Schotten dürfen allerdings erst ab Montag im Biergarten und ab 15. Juli in den Pubs ihren Durst stillen. Die Waliser erst ab 13. Juli, aber nur draußen, während Nordirland die Kneipen schon geöffnet hat. Die Regionalregierungen haben das Sagen und sind zum Teil nicht ganz so glücklich über die frühe Öffnung von Pubs, Restaurants, Hotels, Friseurläden, Kirchen und Museen in England.

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