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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.03.2015

Pubertät"Gehirn wegen Umbau geschlossen"

Romuald Brunner im Gespräch mit Ute Welty

Das menschliche Gehirn, dargestellt in einer Computergrafik (imago/Science Photo Library)
Das menschliche Gehirn, dargestellt in einer Computergrafik (imago/Science Photo Library)

Die Strukturen im Gehirn von Teenagern verändern sich: Graue Zellen nehmen ab, neue Verbindungen werden aufgebaut. Allerdings reifen verschiedene Regionen nicht synchron. Mehr Wissen darüber würde Eltern helfen, meint der Gehirnforscher Romuald Brunner.

Der Hirnforscher Romuald Brunner rät Eltern pubertierender Jugendlicher angesichts überschießender Emotionen zu Gelassenheit. Gleichzeitig dürfe die fehlende Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, nicht als Entschuldigung dienen. Mehr Verständnis über die Prozesse im Teenager-Gehirn sei aber auch für Eltern hilfreich.

"Wir haben im Emotionszentrum einen stärkeren starken Zuwachs und im Vorderhirn eine Verspätung. Und diese Diskrepanz, diese mangelnde Balance, starke Gefühle zu erleben und sie gleichzeitig nicht richtig kontrollieren zu können, scheint auch eben zu dieser mangelnden Verhaltenssteuerung beizutragen", sagte Brunner am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Anlass für das Gespräch war der 21. Kongress für Jugendmedizin vom 6. bis 8.3. 2015 in Weimar, der unter dem Titel steht: "Hilfe, ich werde erwachsen: Körperliche Pubertät und seelische Gesundheit."

Bei den großen Umbauprozessen im Jugendalter gehe vor allem graue Hirnsubstanz, also Nervenzellen, verloren. Sie werde durch weiße Hirnsubstanz, also Faserverbindungen, ersetzt, erklärte Brunner, der auf dem Kongress einen Vortrag unter dem Titel "Gehirn wegen Umbau geschlossen" hält.

Gedankliche Steuerungsfähigkeit vorübergehend eingeschränkt

Konflikte mit Eltern oder Gleichaltrigen, überschießende Gefühle, starkes Anecken in der Pubertät erkläre sich möglicherweise damit, dass die "kognitive, die gedankliche Steuerungsfähigkeit eingeschränkt ist". Im Gegensatz zu dem für Gefühle zuständigen limbischen System reife das Vorderhirn später: "Der präfrontale Kortex, der reift sehr sehr lange. Der reift aus erst im 22., 23. Lebensjahr. Aber sie ist diejenige Gehirnregion, die für die Emotionswahrnehmung bedeutsam ist. Das limbische System entwickelt sich im Pubertätszeitraum sehr viel stärker." Dies zeigten radiologische Untersuchungen.

Diese Diskrepanz könne sich in der fehlende Fähigkeit von Jugendlichen zeigen, sich selbst zu regulieren. "Gelassenheit und Geduld ist sicherlich wichtig in der Haltung der Eltern. Aber man kann die Jugendlichen ja nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, Regeln auch einzuhalten."

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