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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 29.01.2013

Psychologische Theorien und Konzepte

Catherine Collin (u. a.): "Das Psychologie-Buch", Verlag Dorling Kindersley, München 2012, 352 Seiten

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Was macht unsere Persönlichkeit aus? Darum geht es auch in dem Buch.  (Stock.XCHNG / Ryan O'Connor)
Was macht unsere Persönlichkeit aus? Darum geht es auch in dem Buch. (Stock.XCHNG / Ryan O'Connor)

Die Psychologie hat sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einer akademischen wie therapeutischen Großmacht entwickelt - mit zahlreichen Schulen, wissenschaftlichen Ansätzen und Theorien. Das Buch versucht nun, über 100 dieser Theorien für alle verständlich zu machen.

Das berühmte Gemälde zeigt eine junge Frau nachdenklich auf einem weißen Schemel sitzend, die Beine hat sie übereinander geschlagen. Mit ihrem kurzen Haar wirkt sie fast wie ein Junge. Ihr Gesicht ist nicht zu sehen. In sich gekehrt, wendet sie dem Betrachter den Rücken zu.

Eigentlich gibt es dieses Bild gar nicht, erklären hintersinnig die Autoren von "Das Psychologie-Buch", dieser originell und überzeugend gemachten Einführung in das vielgestaltige Fach. Denn der französische Maler Georges Seurat schuf es im Stil des Pointillismus. Erst unser Bewusstsein fügt die vielen Punkte zu einem sinnvollen Ganzen zusammen.

Für das Autorenteam liefert das Gemälde einen Aufhänger, um mit William James einen der großen Pioniere der Bewusstseinsforschung zu porträtieren: 1842 in New York geboren, spielte der Maler, Mediziner und Philosoph eine Schlüsselrolle bei der Etablierung der Psychologie als wissenschaftliche Disziplin.

Vor allem aber war er ein wunderbar entspannter Wanderer zwischen den Welten, begründete den psychologischen Pragmatismus ebenso wie die Religionspsychologie, studierte sowohl paranormale Phänomene wie er den nüchternen Behaviorismus vorausdachte. Auch das Wort "Bewusstseinsstrom" geht auf William James zurück. Die Prozesshaftigkeit von Bewusstseinsphänomenen hätte sich treffender nicht ausdrücken lassen.

Ein illustriertes Sachbuch über psychologische Theorien steht gestalterisch vor einer Herausforderung: Wie lassen sich abstrakte Vorstellungen visuell in Szene setzen? Die Layouter gehen es jugendlich an - damit sicherlich eine wichtige Zielgruppe ins Auge nehmend - und setzen auf satte Farben, die jedes Kapitel optisch zusammenhalten. Blaue, grüne, rote Piktogramme, dicke bunte Unterstreichungen und farbige Textblasen schieben sich in den Fließtext; dazu kommen Fotografien, Grafiken und Karikaturen.

Inhaltlich finden sich alle großen Felder der Psychologie wieder, Behaviourismus, Psychotherapie, kognitive Psychologie, Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie und Differentielle Psychologie. Die einzelnen Kapitel widmen sich prominenten Protagonisten - und alle finden sie hier Platz: Iwan Pawlow mit seinen speichelnden Hunden. Konrad Lorenz, Pionier der Verhaltensforschung.

Karen Horney, die sich mit der Tyrannei "toxischer sozialer Umwelten" befasste. Ronald D. Laing, Antipsychiatrie-Revoluzzer. Martin Seligman, Wegbereiter der Positiven Psychologie. Raymond Cattell mit seiner fluiden und kristallinen Intelligenz - um nur wenige von über einhundert Richtungen herauszugreifen.

Das knallrote, dicke Buch wirbt mit dem Untertitel "Wichtige Theorien - einfach erklärt". Mit Oberflächlichkeit hat das zum Glück nichts zu tun, dafür umso mehr mit Klarheit und Fokussierung. Weil das Autorenteam auf Wertungen fast ganz verzichtet, kommen die Grundzüge und vor allem die innere Logik des psychologischen Ideenreichtums vorbildlich zur Geltung - schlank, prägnant und auf jeder Seite hoch interessant.

Besprochen von Susanne Billig

Catherine Collin, Nigel Benson, Joannah Ginsburg, Voula Grand, Merrin Lazyan, Marcus Weeks: Das Psychologie-Buch - Wichtige Theorien einfach erklärt
Übersetzt von Dörte Fuchs und Jutta Orth
Verlag Dorling Kindersley, München 2012
352 Seiten, 24,95 Euro

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