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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.03.2021

Psychologe zum Corona-FrustKrisenkompetenz lässt sich lernen!

Réne Träder im Gespräch mit Axel Rahmlow

Eine Frau mit Maske liegt draußen in der Sonne (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Nir Alon)
Jede und jeder einzelne müsse Corona-Maßnahmen für die Psyche finden – nicht nur für die Hygiene, sagt René Träder (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Nir Alon)

Die Hoffnungen auf den Frühling sind getrübt: Der Einfluss von Wetter und Jahreszeit auf das Coronavirus ist nicht erwiesen. Zeit, die eigene Krisenkompetenz zu stärken, rät der Psychologe René Träder und verrät ein paar Strategien.

"Manchmal verreise ich über Onlineportale oder gucke mir im Fernsehen Dokus über fremde Länder an." - "Ich nehme meine Gitarre, und spiele zu Hause ein bisschen vor mich hin." - "Ich kaufe mir einen Kaffee und beobachte die Menschen." - "Wir spielen ganz viel Tischtennis." - "Ich arbeite ehrenamtlich in der Corona-Nachverfolgung."– Das fällt Menschen ein, um etwas gegen den Corona-Blues zu tun.

Und die Ideen werden gebraucht. Denn die Warnung der Weltwetterorganisation (WMO) davor, den kommenden Frühling und die damit höheren Temperaturen als Argument zu nehmen, um die Corona Maßnahmen zu lockern, könnte für erneuten Frust sorgen. Doch es gibt einfach keine Anhaltspunkte dafür, dass Wetter und Jahreszeit das Infektionsgeschehen direkt beeinflussen.

Corona-Maßnahmen für die Psyche finden

Jede und jeder einzelne müsse Corona-Maßnahmen für die Psyche finden, nicht nur für die Hygiene, sagt René Träder, er ist Psychologe und hat ein Sachbuch über Resilienz geschrieben: "Das Leben so: nein! Ich so: doch!". In der Badewanne liegen und entspannen, Brot backen – es gehe darum, sich auf positive Gedanken zu bringen.

Gelingt dies nicht, rät er zum Krisentelefon oder letzten Endes vielleicht auch zu einer Psychotherapie. "Ansonsten finde ich die Botschaft wichtig, dass man für sich auch eine Krisenkompetenz entwickeln kann", sagt er.

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"Gerade in einer sehr langen Zeit, wo wir mit sehr vielen negativen Sachen konfrontiert sind, können wir uns selbst auch noch mal kennenlernen und besser verstehen: Was zieht mich denn runter? Was sind meine Ängste? Was sind die Dinge, die mich traurig machen", so Träder weiter, oder sich zu fragen: "Was hilft mir denn, wer hilft mir denn?"

Erwartungshaltung verändern

Man solle nicht davon ausgehen, dass jeder Tag automatisch ein guter Tag ist, sondern konkret fragen: "Was kann ich dafür tun, damit es mir ein ganz klein bisschen besser geht?" Oder auch: "Wie komme ich weg von dieser negativen Gedankenschleife." Dazu gehöre auch: "Wie viele Medien tue ich mir an? Denn wir kriegen ja immer wieder gesagt, wie schlimm alles ist." Das sei das Besondere an dieser Krise. Auch hier gehe es darum, sich zu fragen, was einem gut tue.

Von allzu vielen Erwartungen im Leben rät Träder grundsätzlich ab, "weil die Enttäuschung wahnsinnig hoch ist. Und das ist, glaube ich, so ein gesamtgesellschaftliches Gefühl, dass wir merken: Wir haben die Dinge nicht in der Hand." Daraus ließe sich lernen, sich stärker auf das zu konzentrieren, was man in der Hand hat.

In der Psychologie nenne man dies "Kontrollüberzeugung", sich zu fragen, "wo kann ich Dinge verändern, und wie kann ich Dinge gestalten? Und nicht immer nur auf das große Weltgeschehen gucken."

(Boussa Thiam/cwu)

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