Seit 11:00 Uhr Nachrichten

Montag, 01.06.2020
 
Seit 11:00 Uhr Nachrichten

Lesart | Beitrag vom 22.05.2020

Psychoanalytiker Wolfgang SchmidbauerWie die Konsumkultur unsere Beziehungen beeinflusst

Moderation: Frank Meyer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der Analytiker Wolfgang Schmidbauer in seiner Münchner Praxis. (imago images / argum / Thomas Einberger)
Glaubt an die Segnungen des Verzichts: der Analytiker Wolfgang Schmidbauer in seiner Münchner Praxis. (imago images / argum / Thomas Einberger)

In seinem Essay "Die Kunst der Reparatur" thematisiert der Analytiker Wolfgang Schmidbauer die Folgen der Wegwerfkultur. Unkontrolliertes Konsumverhalten färbe auch auf Beziehungen ab, sagt er.

Schon seit den 1970er-Jahren denkt der Autor und Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer über die Zusammenhänge von Psychologie und Ökologie nach.

In seinem neuen Essay "Die Kunst der Reparatur" greift er dieses Thema wieder auf. Unkontrolliertes Konsumverhalten färbe auch auf Beziehungen ab, glaubt er:

"Ich denke, dass das Problem ganz oft in Beziehungen letztlich ein Verwöhnungsanspruch ist. Dass ich denke: Ich will geliebt werden, ich will bewundert werden, aber ich denke doch gar nicht dran, jemanden, der nicht so toll ist wie ich, zu lieben und zu bewundern."

Erwartungshaltung: Das Leben muss bequem sein

Durch die Konsumkultur seien wir darauf trainiert, Dinge wegzuwerfen, nicht zu reparieren und neu zu kaufen. Auch in Beziehungen fehle es dann an Kreativität, mit unterschiedlichen Interessen und Vorlieben des Partners konstruktiv umzugehen.

Der Psychoanalytiker wünscht sich einen schonenderen Umgang mit Dingen und indirekt auch mit Menschen. Dafür verwendet er den Begriff der "Ökotherapie".

Uns werde suggeriert, dass wir ein Recht auf ein superbequemes Leben hätten, meint er. Ein Leben, in dem alle Störungen durch "Dinge" eliminiert werden könnten - vorausgesetzt natürlich, dass wir das Geld haben, diese Dinge zu kaufen.

Um die Umwelt zu schonen, gehe es aber nicht ohne Verzicht. Verzicht könne "etwas Kreatives" sein. Wer etwas selbst reapriere, gewinne einen persönlicheren Bezug zu diesem Ding. "Das ist etwas, wozu ich die Leute inspirieren will", sagt Schmidbauer.

(huc)

Wolfgang Schmidbauer: Die Kunst der Reparatur. Ein Essay
Oekom-Verlag, München 2020
192 Seiten, 20 Euro

Mehr zum Thema

Psychologie - Das gekränkte Ich
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 27.02.2020)

Recycling-Unternehmer und Kulturmanager Thilo Gollan - Ein Kulturkiez für Kreative als Lebenstraum
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 29.04.2020)

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur