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Interview | Beitrag vom 18.05.2021

Psychische Gesundheit in der PandemieLange Wartelisten in den Kinder- und Jugendpsychiatrien

Gerd Schulte-Körne im Gespräch mit Nicole Dittmer

Ein Kind schaut aus einem runden Fenster auf Wasser. (imago / fStop Images / Benne Ochs)
Druck und Stress in den Familien: Viele Kinder und Jugendliche leiden in der Pandemie unter der Isolation (imago / fStop Images / Benne Ochs)

Viele Kinder und Jugendliche leiden in der Pandemie unter der Isolation und kommen mit dem Homeschooling nicht zurecht. Psychische Erkrankungen nähmen zu, warnt der Mediziner Gerd Schulte-Körne und nennt Alarmsignale, auf die Eltern achten sollten.

Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sind psychisch belastend. Mediziner schlagen nun erneut Alarm: Vor allem jüngeren Kindern und Jugendlichen müsse man so schnell wie möglich wieder ein normales soziales Leben ermöglichen, damit sie sich normal entwickeln könnten, appelliert Jörg Dötsch, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, in der Rheinischen Post. Er fordert unter anderem, Schulen und Kitas sofort wieder zu öffnen. Und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor einer "Triage" in Psychiatrien: Wer nicht suizidgefährdet sei, werde gar nicht mehr aufgenommen.

Einsamkeit und Prüfungsängste 

Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität in München, will die Situation in seiner Klinik nicht mit dem Begriff "Triage" beschreiben, spricht aber von einer langen Warteliste. Täglich riefen Kinder, Jugendliche und ihre Familien an und bäten um Aufnahme.

Der höhere Bedarf habe nach etwa fünf bis sechs Monaten Pandemie begonnen, sagt der Arzt. Die Kinder und Jugendlichen berichteten von Druck und Stress in den Familien, gereizten und belasteten Eltern, dass sie ihre Freunde nicht mehr sehen könnten und sich allein gelassen fühlten mit ihren Problemen. Viele kämen auch mit dem Homeschooling nicht zurecht und hätten Angst, Prüfungen nicht zu schaffen.

Deutlich mehr psychische Erkrankungen 

Ob Depressionen, Ängste oder Essstörungen: Über das gesamte Spektrum der psychischen Erkrankungen gebe es eine deutliche Zunahme, sagt Schulte-Körne. Besonders betroffen seien Kinder und Jugendliche aus Familien, die von Armut bedroht seien oder in denen auch die Eltern eine psychische Erkrankung hätten.

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Schulte-Körne benennt Alarmsignale, bei denen Eltern tätig werden und fachlichen Rat einholen sollten: "Wenn Kinder sich zurückziehen oder wenn sie häufiger traurig sind, wenn sie über Schlafstörungen oder immer wieder über negative Gedanken berichten." Wenn das länger anhalte und man keinen anderen äußeren Anlass dafür sehe, bestehe dringender Handlungsbedarf.

(jfr)

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