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Freitag, 13.12.2019
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 26. September 2018

Prozess um Kölner Archiv-Einsturz

Bewährungsstrafen und Freispruch gefordert

Im Strafprozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor neun Jahren hat die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen für drei der vier Angeklagten gefordert. Zwei damalige Bauleiter sollten wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung zu jeweils einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt werden, sagte Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich. Für einen Bauüberwacher forderte er zehn Monate auf Bewährung. Die vierte Angeklagte, die ebenfalls in der Bauüberwachung eingesetzt war, solle freigesprochen werden. Das Archivgebäude war im März 2009 bei Bauarbeiten eingestürzt.

Techkonzerne gehen freiwillig gegen "Fake News" vor

EU-Auflagen sollen vermieden werden

Facebook, Google und andere große Technologiekonzerne werden der EU-Kommission zufolge freiwillig gegen Falschnachrichten vorgehen. Darauf hätten sich die Unternehmen verständigt, sagte Digitalkommissarin Mariya Gabriel in Brüssel. Mit dem neuen Verhaltenskodex wollen die Firmen verpflichtenden Auflagen aus dem Weg gehen. Damit hatte die EU-Kommission Anfang des Jahres gedroht, sollten Falschnachrichten und illegale Inhalte nicht ausreichend bekämpft werden. In Deutschland müssen die Betreiber von sozialen Netzwerken offensichtlich strafbare Inhalte binnen 24 Stunden nach Eingang einer Beschwerde löschen oder sperren.

Pussy Riot Aktivist Wersilow aus Klinik entlassen

Wersilow verdächtigt Geheimdienst

Der Pussy Riot Aktivist Pjotr Wersilow ist nach knapp zweiwöchiger Behandlung wegen Vergiftungssymptomen aus der Berliner Charité entlassen worden. Wie die Universitätsklinik mitteilte, hat sich sein Gesundheitszustand deutlich verbessert. Es habe sich nichts an der Diagnose geändert, dass die Zufuhr oder Aufnahme einer äußeren Substanz zu der Erkrankung geführt habe, hieß es. Wersilow hatte in der "Bild"-Zeitung den russischen Geheimdienst für seine mutmaßliche Vergiftung verantwortlich gemacht.

Intendantin der Jenaer Philharmonie geht

Über Gründe wurde Stillschweigen vereinbart

Die Intendantin der Jenaer Philharmonie, Juliane Wandel, verlässt bereits nach einem Jahr das Orchester. Sie gehe auf eigenen Wunsch, sagte der Werkleiter der Jenakultur, Jonas Zipf. Zu den Gründen sei beiderseitiges Stillschweigen vereinbart worden. Für das vor mehr als 80 Jahren gegründete Orchester ist es bereits der dritte Wechsel auf dem Chefsessel in wenigen Jahren. Über den aktuellen Weggang hatten bereits mehrere Thüringer Zeitungen berichtet.

Richter sprechen "Boot"-Kameramann Nachschlag zu

Rundfunkanstalten wollen nicht bezahlen

Nach dem Oberlandesgericht (OLG) München hat auch das OLG Stuttgart dem Chefkameramann des Films "Das Boot" einen finanziellen Nachschlag für seine Arbeit zugesprochen. Jost Vacano stünden von acht verschiedenen Rundfunkanstalten der ARD zusammen rund 315.000 Euro. Das OLG München hatte ihm vergangenes Jahr bereits rund 588.000 Euro zugesprochen. Vacano hatte für seine Arbeit damals rund 100.000 Euro bekommen. Das Landgericht Stuttgart hatte ihm zuvor 77.000 Euro Nachschlag zugesprochen, was Vacano zu wenig war. Die beklagten Rundfunkanstalten wollen gar nicht mehr bezahlen, deshalb ging der Fall zum OLG. Abgeschlossen ist er noch nicht. Die Richter ließen gegen ihr Urteil die Revision zum Bundesgerichtshof zu. Die Münchner Entscheidung liegt dort bereits zur Überprüfung.

Frankfurter Buchmesse mit neuem Sicherheitskonzept

Messe will rechte Verlage besser kontrollieren

Die Frankfurter Buchmesse will rechte Verlage bei der weltgrößten Bücherschau im Oktober besser kontrollieren. Die entsprechenden Aussteller sollen in der Ecke einer Halle untergebracht werden, sagte eine Messe-Sprecherin in Frankfurt am Main. Am Stand des Antaios-Verlages hatte es im vergangenen Jahr bei einem Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke tumultartige Szenen mit Handgreiflichkeiten gegeben. Auf Provokationen der Neuen Rechten sei man nicht gut vorbereitet gewesen, räumte die Sprecherin ein. Generell werde die Buchmesse aber Inhalte von Verlagen nicht bewerten. Die Amadeu-Antonio-Stiftung forderte Buchmesse und Verlage auf, sich eindeutig gegen "neurechte Vereinnahmungsversuche" zu stellen. Die rechten Verlage hätten die Konflikte im vergangenen Jahr bewusst hochgekocht, um sich als Opfer zu inszenieren.

Baden-Württemberg kauft Lehmbruck-Werke

Kunstwerke werden in Stuttgarter Staatsgalerie gezeigt

Das Land Baden-Württemberg hat für 3,9 Millionen Euro Werke von Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) für die Staatsgalerie Stuttgart erworben. Wie das Kultusministerium mitteilte, sind nun weitere drei Plastiken und 69 Druckgrafiken sowie Zeichnungen Lehmbrucks in Landesbesitz. Bisher waren es vier Skulpturen, zwei Zeichnungen und sechs Druckgrafiken. Kunststaatssekretärin Petra Olschowski sagte, damit werde nun einer der wichtigsten Bildhauer der Klassischen Moderne in Stuttgart dauerhaft verankert. Mitfinanziert wurde der Kauf von der Museumsstiftung des Landes, der Kulturstiftung der Länder sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung. Die erworbenen Stücke sind ab Freitag bis zum 24. Februar 2019 in der Staatsgalerie zu sehen.

Rundfunkbeitrag verstößt nicht gegen EU-Recht

Gutachten des Europäischer Gerichtshof sieht keine rechtswidrige Subvention

Der Rundfunkbeitrag in Deutschland ist nach Ansicht eines Gutachtens des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) mit dem EU-Recht vereinbar. Es handele sich nicht um eine rechtswidrige staatliche Beihilfe, erklärte das Gericht in Luxemburg.
Der Rundfunkbeitrag ersetzt seit 2013 die Rundfunkgebühr. Die Abgabe ist nicht mehr an den Besitz von Empfangsgeräten gebunden, sondern muss pro Haushalt gezahlt werden. Trotz der Änderungen seien die Beihilfeempfänger noch dieselben, erklärte der EuGH. Auch der Zweck der Finanzierung einer öffentlichen Dienstleistung sei unverändert. Eine mögliche Erhöhung des Aufkommens und der Zahl der Beitragspflichtigen seien irrelevant. Die sogenannten Schlussanträge des Generalanwalts sind für das in einigen Monaten erwartete Urteil des EuGH nicht bindend, die Urteile folgen den Gutachten aber häufig.

Google räumt Versäumnisse beim Datenschutz ein

Schriftliches Eingeständnis des Konzerns vor Anhörung im US-Senat

Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber Google hat eingeräumt, seinen Nutzern keinen ausreichenden Datenschutz geboten zu haben. "Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht, aus denen wir gelernt haben", geht aus der schriftlichen Aussage des für Datenschutz verantwortlichen Managers Keith Enright hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Der Datenschutz sei verbessert worden. Konkrete Fehler wurde nicht benannt. Enright muss am Mittwoch zu Fragen der Privatsphäre vor dem Handelsausschuss des US-Senats aussagen. Neben ihm werden Vertreter des Onlinehändlers Amazon, des iPhone-Herstellers Apple, des Kurznachrichtendienstes Twitter und des Telekomkonzerns AT&T Stellung nehmen.

Berlin Art Week beginnt

Bis zum Sonntag werden rund 100.000 Besucher erwartet

In Berlin beginnt heute die Art Week. Zum Auftakt stehen besonders die Einzelausstellungen namhafter Künstler im Mittelpunkt, etwa von Rebecca Horn, Agnieszka Polska und Julian Charrière. Die Berliner Festspiele stellen am Mariannenplatz ihr neues Langzeitprojekt «The New Infinity» in einer begehbaren, interaktiven Kuppel vor. Mit Spannung wird am Abend die Eröffnung des Palais Populaire am Boulevard Unter den Linden erwartet, in dem die Deutsche Bank ein neues Kunst- und Kulturzentrum eröffnet. Am Donnerstag starten dann die beiden großen Messen Art Berlin und Positions.

Müller findet abgesagtes Mauer-Kunstprojekt spannend

Regierender Bürgermeister hält "DAU" in Berlin noch für möglich

Der Berliner Regierungschef Michael Müller kann sich vorstellen, das abgesagte Kunstprojekt DAU noch zu ermöglichen. Die Verwaltungen hätten erklärt, dass es mit Vorbereitungszeit "sicherlich umsetzbar" sei, sagte der SPD-Politiker. Mit einem entsprechenden Vorlauf könne man Hürden gemeinsam nehmen, sagte Müller mit Blick auf das nächste Jahr. Die Veranstalter hätten ihn bislang aber nicht mehr angesprochen. Die Behörden hatten dem Projekt des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky vergangene Woche aus Sicherheitsgründen die Genehmigung versagt. In Berlin-Mitte sollte für vier Wochen ein ganzes Häuserkarree mit einer Betonmauer abgeriegelt werden. Am 9. November sollte die Mauer wieder eingerissen werden.

Bill Cosby zu mindestens drei Jahren Haft verurteilt

US-Star stand wegen sexueller Nötigung vor Gericht

Der Komiker und TV-Star Bill Cosby ist wegen schwerer sexueller Nötigung in drei Fällen zu mindestens drei Jahren Haft verurteilt worden. Richter Steven O'Neill verkündete am Dienstag in Pennsylvania das Strafmaß für den 81-Jährigen. Cosby war im April für schuldig befunden worden, im Jahr 2004 eine Frau durch Medikamente bewusstlos gemacht und sich dann an ihr vergangen zu haben. Cosby wird von etwa 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, doch sind die meisten Fälle verjährt. Der Komiker war früher in seiner Rolle als liebenswerter Familienvater in der "Cosby Show" einer der beliebtesten US-TV-Stars. Cosbys Anwälte wollen nun Berufung gegen das Strafmaß einlegen.

Verschollener Brief Galileo Galileis gefunden

Schreiben von 1613 verweist auf Konflikt mit der Inquisition

Ein italienischer Wissenschaftshistoriker von der Universität Bergamo hat offenbar einen verloren geglaubten Brief des Astronomen Galileo Galilei gefunden. Als Salvatore Ricciardo im August im Online-Katalog der Bibliothek der Royal Society in London recherchierte, stieß er auf einen siebenseitigen Brief Galileis von 1613. Dieser markiert den Beginn seiner langen Auseinandersetzung mit der Inquisition. Wie das Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet, legte Galilei in dem Brief dem Mathematiker Benedetto Castelli erstmals dar, warum sich die Erde um die Sonne dreht. Aus dem Brief lasse sich erkennen, wie der Wissenschaftler versuchte, den absehbaren Konflikt mit der Kirche zu begrenzen. Eine Kopie des Briefes befindet sich im Vatikanischen Geheimarchiv.

Keine Haftentschädigung für Deniz Yücel

Türkisches Gericht weist Schadenersatzklage Yücels nach U-Haft ab

Ein türkisches Gericht hat die Klage des deutschen "Welt"-Reporters Deniz Yücel auf Schadenersatz nach einjähriger U-Haft abgewiesen. Das Gericht habe keinen Grund für seine Entscheidung genannt, sagte Yücels Anwalt. Yücel werde sie innerhalb einer Woche anfechten. Man sei entschlossen, den Fall so weit zu tragen wie möglich - auch zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, so der Anwalt. Der Reporter, dessen einjährige Inhaftierung ohne Anklageschrift die deutsch-türkischen Beziehungen im vergangenen Jahr schwer belastet hatte, hatte die türkische Regierung Ende August auf umgerechntet rund 400 000 Euro Entschädigung verklagt. Im Februar war Yücel aus der U-Haft freigelassen worden und durfte ausreisen. Sein Verfahren geht weiter. Der Vorwurf lautet unter anderem auf "Propaganda für eine Terrororganisation". Dafür drohen in der Türkei bis zu 18 Jahre Haft.

Ch. Links Verlag wird an Aufbau verkauft

Christoph Links bleibt Geschäftsführer

Der Berliner Ch. Links Verlag sieht in dem geplanten Verkauf an die Aufbau-Verlagsgruppe einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung. Aufbau gehöre zu den wichtigen konzernunabhängigen Editionshäusern des Landes, schrieb Verleger Christoph Links in einem Brief an seine Autoren. "Wir werden unter dem dortigen Dach unsere bisherigen programmatischen Linien am bewährten Standort in der Berliner Kulturbrauerei eigenständig fortführen können, ich selbst bleibe in den nächsten zwei Jahren alleiniger Geschäftsführer." Die Autoren hätten auf die Nachricht ausnahmslos positiv reagiert. Christoph Links kommt selbst aus dem Aufbau Verlag. 1989 hatte er sich mit einem eigenen Haus selbstständig gemacht und bringt inzwischen pro Jahr rund 50 neue Titel zu aktuell-politischen und historischen Themen heraus. Der Aufbau Verlag war einst der wichtigste Verlag der DDR. Zur Verlagsgruppe gehören inzwischen mehrere Häuser - neben Aufbau etwa auch Blumenbar, Rütten & Loening und Die Andere Bibliothek.

Wilhelm Raabe-Literaturpreis für Judith Schalansky

Die Autorin wird für ihr Buch "Verzeichnis einiger Verluste" geehrt

Der Wilhelm Raabe-Literaturpreis geht in diesem Jahr an Judith Schalansky für ihr Buch "Verzeichnis einiger Verluste". Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandradio vergeben. Die Jury lobte Judith Schalansky als Grenzgängerin zwischen Natur und Poesie. Sie biete eine ganz neue Gattung an: "die poetische Archivierung der verschwundenen Dinge, die auf diese Weise eine Wiederauferstehung in der Verwandlung erfahren - als literarische Erzählung", so die Jury. Zu den bisherigen Preisträgern des Wilhelm Raabe-Literaturpreises gehören unter anderen Rainald Goetz, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier und Sibylle Lewitscharoff. Der Preis wird am 4. November verliehen. "Verzeichnis einiger Verluste" von Judith Schalansky erscheint Ende Oktober im Suhrkamp Verlag.

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