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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.11.2017

Provenienzforschung"Man wird in Zukunft andere Geschichten erzählen"

Thomas Thiemeyer im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Demonstranten auf dem Gedenkmarsch zur deutschen Kolonialgeschichte mit Plakaten um den Hals, wo der Preussische Kulturbesitz hinterfragt wird und aufgefordert wird, die kolonialen Schatzkammern zu räumen.  (imago stock&people)
Wie Museumsschätze der Kolonialzeit nach Deutschland gekommen sind beschäftigt immer mehr Menschen (imago stock&people)

Im Vorzeigeprojekt Humboldtforum will man vorbildlich die Herkunft ausgestellter ethnologischer Objekte aus der deutschen Kolonialzeit dokumentieren. Wie weit die Provenienz-Forschung gediehen ist, erklärte bei Deutschlandfunk Kultur Thomas Thiemeyer.

Thomas Thiemeyer ist Professor für Empirische Kulturwissenschaft Tübingen und hat das Forschungsprojekt "Schwieriges Erbe" mit dem Stuttgarter Linden-Museum Stuttgart ins Leben gerufen. Es soll beispielhaft aufzeigen, wie Herkunftsforschung  zum Umgang mit kolonialzeitlichen Objekten in ethnologischen Museen erfolgen kann.

"Von offizieller Seite wird erklärt, man würde jetzt intensiv in Provenienzforschung investieren", sagte Thiemeyer. Dies sei auch nötig. Denn die Frage der Herkunft überwältige unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren ganz massiv. Nachdem durch Rückforderungen zunächst NS-Raubkunst im Zentrum gestanden habe, weite sich die Debatte auf andere Museumsgattungen und -formen aus, betreffe aber im Grunde jedes Museum in Deutschland, das im 19. Jahrhundert gegründet worden ist.

Deutschland werde sich als Einwanderergesellschaft begreifen

Warum sich der Schwerpunkt in die Kolonialzeit verlagert, dazu hat Thiemeyer eine eigene These: "Das hat sehr stark mit einer sich verändernden deutschen Gesellschaft zu tun, die sich stärker als Einwanderergesellschaft begreift. Damit thematisiert die Gesellschaft auch ganz andere Bereiche ihrer Geschichte, weil viele der Menschen, die hier wohnen, Nachfahren von vormals Kolonisierten sind. Für diese ist die Kolonialzeit kein Randaspekt, sondern ein zentraler Teil ihrer Biografie".

Einer zentralen Stelle zur Erfassung der Herkunft von Objekten sollte nach Thiemeyers Meinung nicht geschaffen werden, denn dazu sei zu viel vom Einzelfall abhängig: "Wichtiger wären festinstallierte Provenienzforschungsstellen in den Museen, die dann aber auch finanziert werden müssten." Wenn man es ernst meine, müsse man auch bereit sein viel Geld zur Verfügung zu stellen. Richtige Herkunftsforschung sei aufwendig "ein Generationenprojekt". Das habe man auch schon im Fall Gurlitt gesehen. "Drei Jahre Forschung sind da im Grunde nichts", sagt Thiemeyer. Die Provenienzforschung werde die Museen verändern: "Man wird in Zukunft andere Geschichten zu den Exponaten erzählen."

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