Montag, 20.05.2019
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.12.2017

Protestsongs 2017Mund auf gegen Trump

Von Moritz Gaudlitz

Podcast abonnieren
Das französisch-kubanische Duo Ibeyi bei einem Liveauftritt (imago/Reporters)
Ibeyi bei einem Live-Auftritt. 2017 rief das französisch-kubanische Duo zum Protest gegen sexistische Aussagen Donald Trumps auf. (imago/Reporters)

Die Präsidentschaft Donald Trumps verhilft dem Protestsong zu neuem Auftrieb. Widerstand gegen den Republikaner regt sich jedenfalls in allen Genres - sogar im amerikanischsten, dem Country.

Erst vor zwei Monaten hatte der Rapper Eminem mit einem Freestyle Rap das wohl wichtigste Musiker-Comeback dieses Jahres. Und es war die prägnanteste und expliziteste Donald-Trump-Kritik der Musikwelt 2017. In unzähligen Versen beleidigt der Rapper den Präsidenten und reimt über einen möglichen Atomkrieg und die Macht des Ku-Klux-Klans. Auch auf seinem gerade veröffentlichten Album "Protest" ist Eminem so wütend und vernichtend, dass die Musik darauf leider unhörbar wird. Kampfansagen gegen Trump und seine Politik gab es in diesem Jahr in der Musik viele.

Rapper dissen Trump

Die Form des Protests ist vielfältig. So gehen die beiden Rapper YG und Nipsey Hussle aus Los Angeles in ihrem Song "Fuck Donald Trump" direkt an. Neben einer klaren Beleidigung, rappen Sie über die politischen Entscheidungen Trumps, seinen offensichtlichen Rassismus, sein antisoziales, frauenfeindliches Verhalten und sein infantiles "Getwittere".

Frauen wehren sich gegen Trumps Sexismus

Das französisch-kubanische Duo Ibeyi hat den Song "No Man Is Big Enough For My Arms" aufgenommen. Grundlage des ruhigen Stücks ist ein Sample von Michelle Obamas Rede aus dem Herbst 2016. Sie reagierte damit auf Trumps "Access Hollywood"-Video, auf seine berüchtigte frauenverachtende "Grab them by the pussy"-Aussage.

Das sich immer wiederholende Sample von Michelle Obama, die darüber spricht, dass sie für keinen Mann zu schwach sei, wirkt im langsamen Song von Ibeyi wie ein nicht erhörtes Gebet. Denn Donald Trump wurde trotz Skandalen und diverser Vorwürfe der sexuellen Belästigung US-Präsident.

Auch die amerikanische Songwriterin Fiona Apple lieferte in diesem Jahr einen Anti-Trump Song. "Tiny Hands" wurde zur Hymne des Women’s March, bei dem im Januar 2017 eine halbe Million Menschen in Washington D.C. für Frauenrechte und gegen Trump protestierten. Der Song besteht aus der Wiederholung eines Reims und ist eine klare Ansage gegen das Frauenbild Trumps. "Wir wollen Ihre winzigen Hände nicht in der Nähe unserer Unterwäsche!"

Im Herbst 2016, also kurz bevor Donald Trump Präsident wurde, berichteten viele amerikanische Musikmagazine noch mit erhobenen Zeigefinger über Anti-Trump-Songs. Sie fragten: "Kann man denn solche Songs über den zukünftigen US-Präsidenten veröffentlichen?"

Widerstand auch im Country

Niemand aber ließ sich von der Kritik abhalten und nach Amtsantritt und den ersten politischen Veränderungen meldete sich sogar eine Country Sängerin zu Wort.

Margo Price ist eine der wenigen Country-Musikerinnen, die sich gegen den amerikanischen Präsidenten ausspricht. Country ist die wahrscheinlich amerikanischste Musikrichtung überhaupt, die meisten Vertreter des Genres sind entweder Patrioten oder Patrioten. Auch Margo Price, doch ihre traurige Ballade "All American Made" vermittelt ihre Unzufriedenheit mit Trump und seiner Politik, die die Arbeiterschicht und den Mittelstand ignoriert.

Als Alt-Right-Ikone vereinnahmt

Nicht jeder berühmte Musiker muss einen Anti-Donald-Trump-Song schreiben, einem Popstar aber hätte ein Statement gut getan. Taylor Swift wurde 2017 mit ihrem Song "Look What You Made Me Do" überraschend zur Ikone der amerikanischen "Alt-Right"- Bewegung erklärt.

Verschiedene rechte Nachrichtenportale und Blogs haben Beiträge mit Textzeilen aus dem Song getweetet und veröffentlicht, Neonazis bezeichneten Swift sogar als ihre "Arische Göttin." Das Problem ist hier nicht der Shitstorm, sondern, dass sich die Sängerin bis heute nicht direkt gegen ihr ungewolltes rechtes Fanlager gestellt hat. Auch auf ihrem neuen Album ist kein politischer Song. Es geht darin, wie bei Trump eben auch, nur um sie selbst.

Selbst Lana del Rey entdeckt die Politik

2016 lieferten Hip-Hop und R’n’B Stars wie Beyoncé, Kendrick Lamar oder Solange Knowles die Protestalben. Auch wenn 2017 kein bestimmtes Genre explizit politisch ist, hat der gemeinsame Feind Donald Trump viele Musikerinnen und Musiker inspiriert.

Ruhige Stars wie Lana Del Rey wurden privat und in ihrer Musik plötzlich politisch. Viele Anti-Trump-Protestsongs sind intelligente, auch unterhaltsame Musikstücke, die vor allem die amerikanische Gesellschaft motivieren, in schweren Zeiten nicht aufzugeben und stark zu bleiben.

Mehr zum Thema

Kulturjahr 2017 - Die besten Pop-Platten des Jahres
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 22.12.2017)

Kulturjahr 2017 - Krawall und Lyrik - das Bücherjahr im Rückblick
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 21.12.2017)

Rückblick aufs Popjahr 2017 - Neue Langsamkeit und Moralfragen
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 24.12.2017)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur