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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.04.2020

Protestforscher zu Online-Klimastreik"Man hält die Leute bei der Stange"

Moritz Sommer im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Zahlreiche Protestschilder liegen auf der Wiese vor dem Bundestag – dazwischen steht "#Fight Every Crisis". (Fridays for Future Deutschland)
Vor dem Bundestag legte "Fridays for Future" Protestschilder nieder – und streamte die Aktion. (Fridays for Future Deutschland)

Das Internet war für Fridays for Future von Anfang an wichtig. Jetzt haben die Aktivisten erstmals online fürs Klima gestreikt. Im Netz gehe zwar Druckpotenzial verloren, so der Soziologe Moritz Sommer. Doch die Aktion stärke die Bewegung.

Kann man eine Demonstration ins Netz verlegen? Fridays for Future hat es an diesem Freitag mit einem globalen Klimastreik versucht. Und es ist den Aktivistinnen und Aktivisten auch gelungen, nach Meinung des Soziologen Moritz Sommer vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin."Ich war relativ begeistert, das war sehr professionell gemacht." 

Natürlich habe es Aussetzer beim Streamen gegeben, aber vor allem die verschiedenen Formate hätten es ihm angetan, sagt Sommer: "Moderatorinnen haben vor dem Bundestag zu verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern geschaltet, zu Wissenschaftlern und Aktivisten an anderen Orten Deutschlands."

Auch die Reichweite hat den Soziologen beeindruckt. Zwischen 18.000 und 20.000 Zuschauer hätten sich das Event bei Youtube angeschaut. Er hält die Aktion für einen Erfolg für die Fridays-for-Future-Bewegung.

Eine Aktion, um die Bewegung nach innen zu stärken 

Trotzdem, findet Sommer, gehe im Netz etwas verloren: "Das hat nicht diesen Disruptionscharakter." Bei einem Online-Streik fehle das Druckpotenzial gegenüber Entscheidungsträgern. "Also wer wird da bestreikt?", gibt Sommer zu bedenken. Letztendlich gehe es darum, Gleichgesinnte zu erreichen. Ihnen liefere man ein "emotionales Moment, etwas gemeinsam zu organisieren, eine gemeinsame Identität zu spüren". Am Ende sei das eine "nach innen gerichtete Mobilisierungsarbeit".

Der reale Protest auf der Straße bringe hingegen die Medienbilder und "hält die Leute bei der Stange", erklärt Sommer. Es zähle die gemeinsame Erfahrung auf der Straße. Im Moment keine Planungshorizont zu haben, hält Sommer für eine große Herausforderung für die Protestbewegung. 

Eine solche Online-Aktion helfe deshalb nach der Krise, "wenn es auch um den wirtschaftlichen Wiederaufbau geht", das Thema Klima wieder auf die Agenda zu setzen, sagt Sommer. "Das wird ja gerade völlig überschattet".

(mfi)

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