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Wortwechsel | Beitrag vom 01.11.2019

Proteste in Chile und SüdamerikaAufruhr gegen soziale Ungerechtigkeit

Moderation: Monika van Bebber

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Demonstranten füllen die Straßen der chilenischen Biobio-Region. (imago /  ESTEBAN)
Demonstranten füllen die Straßen der chilenischen Biobio-Region. (imago / ESTEBAN)

Es begann mit Protesten gegen eine Fahrpreiserhöhung von wenigen Cent. Seit fast zwei Wochen protestieren in Chile bis zu eine Million Menschen gegen die Regierung von Präsident Sebastián Piñera, für soziale Gerechtigkeit, für eine neue Verfassung.

Obwohl Chiles Präsident Sebastián Piñera die Erhöhung zurückgenommen, die Hälfte seines Kabinetts ausgetauscht und soziale Reformen angekündigt hat, demonstrieren die Menschen weiter. Zumeist friedlich, immer wieder aber kommt es zu Ausschreitungen, es hat Tote gegeben.

Die Folgen neoliberaler Wirtschaftspolitik

Denn die Wut der Chilenen hat sich über Jahre aufgestaut: Für breite Schichten ist die ökonomische Lage nach Jahren neoliberaler Wirtschaftspolitik aussichtslos geworden. Fehlende Altersbezüge zwingen ältere Arbeitnehmer, länger im Beruf zu bleiben, weshalb Jüngere keine Jobs finden. Junge Erwachsene müssen sich verschulden, um eine Ausbildung zu bezahlen oder ihre Eltern zu unterstützen. Die Studiengebühren sind enorm, das Gesundheitssystem marode, die Lebenshaltungskosten hoch.

Piñera sagt Weltklimakonferenz wegen der Unruhen ab

Wegen der Unruhen hat Staatschef Sebastián Piñera nun die Ausrichtung der Weltklimakonferenz und anderer internationaler Treffen abgesagt. Aber nicht nur Chile, der ganze südamerikanische Kontinent scheint in Aufruhr geraten zu sein. In Ecuador musste der Präsident die Streichung Subventionen zurücknehmen, um Krawalle einzudämmen, er ist aus der Hauptstadt Quito geflohen. In Bolivien protestieren die Menschen gegen Präsident Evo Morales, dessen Wiederwahl sie nicht hinnehmen wollen. Und in Argentinien haben die Linksperonisten einen erdrutschartigen Sieg erzielt.

Alle Proteste eint der Unmut über korrupte Eliten

Der Unmut der Protestierenden richtet sich gegen die herrschenden Eliten, gleich, ob die Regierungen politisch links oder rechts verortet werden. Grund für die Rebellion ist die wachsende soziale Ungleichheit, immer unüberbrückbarer wird in Lateinamerika die Kluft zwischen Arm und Reich. Wie kann Lateinamerika zu mehr sozialer Gerechtigkeit finden? Welche politischen und juristischen Reformen sind jetzt wichtig? Wie verhält sich Deutschland, wie die EU, den Regierenden gegenüber? Wie können demokratische Strukturen, wie die Zivilgesellschaften der südamerikanischen Länder gestärkt werden? Wohin führt die Rebellion, die sozialen Proteste in den Ländern Südamerikas?

Über diese und andere Frage diskutieren im Wortwechsel:

- Ingrid Spiller, Referatsleiterin Lateinamerika der Heinrich-Böll-Stiftung
- Max Welch Guerra, deutsch-chilenischer Politologe der Uni Weimar
- Burkhard Birke, Korrespondent und Südamerikaexperte von Deutschlandfunk Kultur
- Andreas Nick, Berichterstatter für Lateinamerika der Unionsfraktion im Bundestag

Moderation: Monika van Bebber

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