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Fazit | Beitrag vom 17.06.2020

Protest gegen NS-Denkmal-UmgestaltungWird das Martialische abgeschwächt?

Ingrid Bachér im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Das 39er-Denkmal am Reeser Platz in Düsseldorf zeigt ein großes eisernes Kreuz und in Stein gemeißelte Soldaten  (imago images)
Die protestierenden Künstler wollen das Denkmal am Reeser Platz in Düsseldorf erhalten, "damit die Erinnerung wach bleibt" - allerdings in anderer Form. (imago images)

Mit einem offenen Brief wollen Düsseldorfer Künstler verhindern, dass ein NS-Denkmal zu einem Mahnmal umgestaltet wird. Der Entwurf würde das Denkmal auf fatale Weise aufwerten, sagt die Initiatorin des Briefes, die Schriftstellerin Ingrid Bachér.

Die Schriftstellerin Ingrid Bachér hat einen Offenen Brief initiiert, den viele namhafte Düsseldorfer Künstler - darunter auch der Objektkünstler Günther Uecker - unterzeichnet haben. Damit soll erreicht werden, dass der geplante Entwurf des Künstlerkonsortiums, ein NS-Denkmal zum Mahnmal umzugestalten, nicht umgesetzt wird.

Jetzt hat sich die Politik in Düsseldorf dazu entschlossen, den Umbau vorerst zu stoppen, wie die Rheinische Post am Abend berichtet.

Idee mit falscher Wirkung

Der von der Politik gekürte Entwurf zum Umbau habe dem monumentalen NS-Denkmal-Block mit steinernem Soldatenrelief und überdimensioniertem eisernen Kreuz wohl etwas noch Stärkeres entgegensetzen wollen, vermutet Bachér. Der Entwurf sieht einen riesigen Eisenträger vor, der das ursprüngliche Denkmal überragt.

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Dabei hätten die Künstler und auch die städtische Jury möglicherwiese übersehen, dass das neue Mahnmal auch etwas sehr Monumentales und Aggressives hätte, so Bachér: "Was im Grunde doch wie ein Geschützrohr über dem Platz ist." Als Gedenkort für die Toten des 1.Weltkrieges, für die das ursprüngliche Denkmal 1939 in der NS-Zeit errichtet wurde, passe viel mehr auch die Möglichkeit der Trauer und des Entsetzens.

Unveränderter Aufmarschplatz

Bachér kritisiert zudem "warum man auf diesem Aufmarschplatz nicht längst mal die Pflastersteine herausgenommen hat." Auch das hätte die martialische Kraft des Platzes, an dessen Rand das Denkmal steht, abgeschwächt. Richtig sei, dass die Politik mit einer Umgestaltung handeln müsse: "Für die Bürger, die in der Nähe wohnen, weil er wirklich immer wieder von Rechtsradikalen als 'Gedenkort' ein Treffpunkt ist - und das ziemlich lärmend und laut."

Trotzdem sollte dieses Denkmal stehen bleiben, findet Bachér. Aber es sollte auch umstritten bleiben, "damit die Erinnerung wach bleibt - weil es einfach eine Erinnerung an die Toten ist."

(mle)

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