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Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.04.2017

Propagandalieder für und wider Dr. LutherSo treiben wir den Babst heraus

Aufzeichnung aus Bremen

Das Flugblatt mit dem Lied "Nun freut Euch lieben Christen g'mein" von Martin Luther aus dem Jahr 1524 gehört zu den 14 Luther-Schriften, die am 9. Oktober 2015 von der UNESCO in das Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen wurden. (Universität Heidelberg)
Das Flugblatt mit dem Lied "Nun freut Euch lieben Christen g'mein" von Martin Luther aus dem Jahr 1524 gehört zu den 14 Luther-Schriften, die am 9. Oktober 2015 von der UNESCO in das Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen wurden. (Universität Heidelberg)

Fein waren die Sitten nicht, als es darum ging, die reformatorische wie die gegenreformatorische Propaganda zu verbreiten. Gott stand mit seinen Verdammungswerkzeugen immer bereit, und die Musiker machten mit, auf beiden Seiten. Das Ensemble Weser Renaissance hat den Kampf nachgestellt.

Gefiltert durch den Sand mehrerer Jahrhunderte, beurteilen wir die Reformation mitunter als eine logische Reaktion auf damalige Zustände und Verhältnisse. Doch wie kam es eigentlich zur Verbreitung der Ideen Martin Luthers? Im Rahmen eines musikwissenschaftlichen Symposiums untersuchen Forscher Aspekte des vielschichtigen musikalischen Kommunikationsprozesses der reformatorischen Bewegung.

Und um konfessionelle Propaganda drehte sich auch das Programm des Konzerts am 9. März 2017 in der Bremer Petri-Kirche, das im Rahmen der Tagung veranstaltet wurde. "Mediale Zeugnisse, in denen die Musik eine Rolle spielt, sind etwa Lied-Einblattdrucke, Gesangbücher, mehrstimmige Liedsammlungen, sodann, im weiteren Sinne, musikalische Repertoires für Schule und Gottesdienst, schließlich Motetten(-sammlungen), die einerseits ihre propagandistische Wirkung durch beißenden Spott zu erreichen suchten, andererseits als regelrechte Kommentare zu tagespolitischen Ereignissen gedeutet worden sind. So vielgestaltig die medial genutzten Gattungen im Einzelnen waren, so unterschiedlich verliefen die Kommunikationsprozesse im Detail, und je nachdem, ob die Perspektive auf Verfasser, Adressaten, Inhalte, Intention oder Rezeption gerichtet wird, zeigt sich die Reformation in all ihrer Vielschichtigkeit." (Jürgen Heidrich).

Eines der Lieder heißt zum Beispiel "So treiben wir den Babst heraus" - es war sogar als Kinderlied zur Fastenzeit gedacht.

Dom St. Petri, Bremen
Aufzeichnung vom 9. März 2017

Te Lutherum Damnamus
Konfessionelle Propaganda im 16. Jahrhundert

Musik anonymer Komponisten sowie von Johann Walter, Heinrich Isaac, Johann Reusch und Ludwig Senfl

Ensemble Weser Renaissance Bremen:
Marie Luise Werneburg, Sopran
David Erler, Alt
Bernd Oliver Fröhlich, Tenor
Hermann Oswald, Tenor
Mirko Ludwig, Tenor
Ulfried Staber, Bass
Gebhard David, Zink
Eckard Wiegräbe, Posaune
Christine Brand, Posaune
Detlef Reimers, Posaune
Margit Schultheiß, Harfe
Leitung Manfred Cordes

Konzert

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Der Dirigent Ariel Zuckermann (Felix Broede/Agentur Harrison Parrott)

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