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Studio 9 | Beitrag vom 25.07.2014

Profil "Tatort"-Kommissar und Zeichner

Boris Aljinovic und seine Liebe zu Comics

Von Julian Kuper

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Selbstporträt von Boris Aljinovic (Boris Aljinovic (Zeichnung))
Selbstporträt von Boris Aljinovic (Boris Aljinovic (Zeichnung))

Die meisten kennen Boris Aljinovic als Berliner "Tatort"-Kommissar, aus dem Theater oder als Hörbuchsprecher. Doch er zeichnet auch leidenschaftlich gern - und zwar Comics. Fast wäre das sogar sein Beruf geworden.

Der Stift quietscht. Kein Kratzen, kein Papierrascheln. Ein Quietschen.

"Ich mach hier die Härchen dran, und die Öhrchen ..."

Boris Aljinovic sitzt an seinem Schreibtisch, in kurzer karierter Hose, Flipflops, weißem Langarmshirt. Vor ihm ein graues Zeichentablett und ein großer PC-Monitor. Langsam entsteht dort eine kleine Maus mit kurzen zotteligen Haaren. Aljinovic zeichnet digital – und druckt dann aus.

"Und hier hab ich dann zum Beispiel, da sitze ich gerade für mich an einem kleinen Mäuschenbuch. Das ist so entstanden: Da ist dann halt eben Mäuschen in verschiedenen Lebenslagen. Oder tritt so auf. Und so wird dann daraus eine Geschichte. Und dann kriegt das die Tochter von einer Freundin. Oder meine Freundin, die mag Mäuschen auch."

Einladungskarten, Comic-Strips, CD-Cover

Der Schauspieler und Zeichner Boris Aljinovic (picture alliance / dpa)Der Schauspieler und Zeichner Boris Aljinovic (picture alliance / dpa)

Boris Aljinovic zeichnet gern, um eine Freude zu machen. Gerade hat er die Einladungskarten für die Hochzeit von Bekannten gezeichnet; er gestaltet CD-Cover oder kleine Comic-Strips. Vieles davon ist jetzt in seiner Ausstellung zu sehen – zum Beispiel ein Selbstporträt, das als Telefonkritzelei entstanden ist oder eine Zeichnung, wo er seinen ersten Skiurlaub festgehalten hat. Mehr als 30 Werke sind in Neuhardenberg ausgestellt. Die Eröffnung war für ihn ein besonderes Erlebnis.

"Das war wie ein Geburtstag. Kamen ganz viele Freunde vorbei. Alles steht davor, man hat ein Glas Sekt in der Hand, und sagt so: 'Aha, das hast du gemacht. Hmm.' Das war wie so'n kleiner Geburtstag, war total schön."

So eine Ausstellung sorgt zuhause aber auch für Chaos. Aljinovic lebt zusammen mit seinem Sohn, der vor dem Abitur steht, in einer Berliner Altbauwohnung. Hohe Decken, Stuck, Holzfußboden. An der Wand stehen Regale, voll mit Aktenordnern und Büchern. Ein paar der Schubladen stehen halboffen.

"Als Radio dürfen Sie mit ins Schlafzimmer kommen. Da ist jetzt auch alles irgendwie aufgerissen, raus aus den Bilderrahmen genommen für die Ausstellung. Da ich jetzt eh die Wände renovieren wollte, dachte ich, wann es jetzt so groß ausgedruckt ist, mach ich die Wand mit den Zeichnungen voll. Man schmeißt halt nichts weg. Das gehört sich nicht, find ich, wenn man was zeichnet."

Berufsziel: Zeichner

Deswegen gibt es auch noch die alten Comic-Strips, die er zusammen mit Paul gezeichnet hat. Mit elf Jahren hat er seinen besten Freund getroffen, bei dem vieles anders war, als Aljinovic es von zuhause kannte.

"Im Gegensatz zu meinem Haushalt, Vater Koch, Mutter Schneiderin, niemand groß künstlerisch interessiert. Plötzlich war ich in so einer Welt. Seine Mutter ist Kunsterzieherin, selber Meisterschülerin der HdK. Die hatten Ikea-Möbel und weiße Wände, keine Tapete, ich war völlig, ich war in einer anderen Welt. Paul hatte alles an Buntstiften und Kreativ-Zeug. Und das matchte. Wir spielten Playmobil und machten unsere Zeichnungen in richtig hartem Wettbewerb."

In seinem Kinderzimmer im Berliner Westen hat Boris Aljinovic dann die Entscheidung gefasst: Er wollte Comiczeichner werden. Oder zumindest Grafiker. Sein Zeichengefährte Paul ist es letztlich geworden – bis heute sind die beiden eng befreundet.

Aljinovics Weg nach dem Abitur ist dann aber doch anders verlaufen. Die Alternative Kunstakademie hat er verworfen. Aljinovic wurde an der Ernst Busch-Schauspielschule angenommen, hat unter anderem am Berliner Renaissance-Theater und an den Hamburger Kammerspielen gearbeitet. Im Fernsehen ist der 47-Jährige vor allem als Berliner "Tatort"-Kommissar bekannt, oder als griesgrämiger Zwerg Cloudy aus der Kino-Komödienreihe 7 Zwerge.

Das Zeichnen aber ist geblieben und hat sich mittlerweile in der Branche rumgesprochen. Bis zum Regisseur von Aljinovics letztem Tatort, der am 16. November ausgestrahlt wird. 13 Jahre lang spielte er den Hauptkommissar Stark.

Stark: "Es geht um ihren Mann. Er wurde heute Morgen tot aufgefunden. Im Bundesgesundheitsministerium. Die beiden belasten sich gegenseitig als Haupttäter. Entweder die haben sich abgesprochen ..."

Ritter: "... oder einer von beiden lügt."

Eine letzte Ausgabe als Solo-Ermittler im "Tatort"

Anfang des Jahres hat der RBB das Ende des Ermittlerduos angekündigt – und noch eine letzte Ausgabe versprochen. Aljinovics langjähriger Partner Dominic Raacke wollte keine große Abschiedsnummer. Aljinovic hatte allerdings einen Vertrag mit dem Sender, den er erfüllen wollte. Kommissar Felix Stark ermittelt deshalb allein. Für sein Solo hat Regisseur Klaus Krämer der Figur die Fähigkeit zu Zeichen angedichtet. Dafür musste Aljinovic dann ganz real den Stift schwingen:

"Und da war's dann schon spannend, weil ich jede freie Minute vom Film, hab ich dann an diesen Zeichnungen gearbeitet. Und da war jetzt nen Auftrag wo ich gemerkt hab: Meine Güte, dass kostet so viel Zeit."

Für den Schauspieler hat diese Auftragsarbeit erneut gezeigt, dass Zeichnen als Beruf nichts für ihn ist.

"Das Schauspiel was ich mache, im Theater, ist besonders adrenalinabhängig. Ich brauche ein bisschen Adrenalin. Und beim Zeichnen ist der Adrenalinspiegel sehr weit unten. Von daher ist es ein Ausgleich. Wenn ich mir vorstelle, dass ich den ganzen Tag lang auf so einem low-level existieren müsste, würde ich wahrscheinlich irgendwann denken: Vegetieren wäre das bessere Wort."

Noch mehr Adrenalin holt er sich beim Segeln. Aljinovic hat ein kleines Schiff. Damit ist er bisher von Berlin über die Nordsee durch den englischen Kanal bis zu den Kanaren gekommen. Von dort geht es jetzt in den Sommerferien mit seinem Sohn auf die große Reise. Lanzarote, Madeira, Marokko und zurück.

Mit an Bord ist dann auch – ganz altmodisch – sein Skizzenbuch. Denn egal wo und wie: Zeichnen gehört zu seinem Leben einfach dazu.

Mehr zum Thema:

TV-Ritual für die gesamte Gesellschaft: Stefan Scherer über das Erfolgsmodell "Tatort" (Deutschlandradio Kultur, Thema, 21.06.2013)

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