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Tonart | Beitrag vom 18.08.2020

Produzent Martin Birch Der Handwerker des Heavy Metal

Von Fabian Elsäßer

Der Musikproduzent Martin Birch posiert am Mischpult im The Record Plant in Los Angeles im April 1976. (Schwarz-weiß-Aufnahme) (Getty Images / Redferns / Fin Costello)
Martin Birch an seinem Arbeitsplatz in Los Angeles im Jahr 1976 (Getty Images / Redferns / Fin Costello)

Toningenieur, Mixer, Produzent und manchmal auch alles zusammen: Martin Birch arbeitete für führende Hardrock- und Heavy-Metal-Bands wie Deep Purple, Black Sabbath und vor allem Iron Maiden. In der vergangenen Woche ist er mit 71 Jahren gestorben.

"The Number of the Beast", dieser Song ist eine der großen Hymnen von Iron Maiden. Und das bis zum heutigen Tag. Er stammt vom gleichnamigen Album, mit dem die Bandmitglieder 1982 zu Superstars wurden.

"The Number of the Beast" war zugleich das zweite Album, das Martin Birch mit Iron Maiden produzierte. Und es war das erste mit dem neuen Sänger Bruce Dickinson, der viel besser zur Band passte als sein Vorgänger Paul Di Anno. 

Vier Stunden für vier Zeilen

Ein neuer Sänger, tolle Songs, mehr kreativer Spielraum - er habe sofort gemerkt, dass dieses Albums etwas ganz Besonderes sei, erzählte Birch Jahre später in der Video-Dokumentation "Classic Albums".

Darin erinnerte sich Sänger Bruce Dickinson daran, dass die Aufnahmen mit Birch unglaublich harte Arbeit waren: "Allein für die ersten vier Zeilen des Titelsongs brauchten wir vier Stunden. Und irgendwann war er so genervt, dass er mit Stühlen um sich warf."

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Doch letzten Endes habe Birch einen völlig anderen Sänger aus ihm gemacht. Dickinsons epischer Schrei, den der Produzent schließlich auf Band bannte, wurde ein Stück Rockgeschichte.

Die Anekdote verrät viel über den Produzenten Martin Birch. Geduldiges, detailgenaues Arbeiten mit den Musikern, bis er das optimale Ergebnis hatte, zeichnete ihn aus. Und sie erklärt, warum auf einer Iron-Maiden-Albumhülle nicht einfach nur "Produced by Martin Birch" steht. Sondern "Produced by: Martin 'The Headmaster'" – also hergestellt vom Schulleiter – Birch.

Er bekam noch viele andere Spitznamen von seinen Kunden: die Wespe, der schwarze Ritter, Große Ohren. Das klingt nach kumpelhafter Verbundenheit – und Respekt.

Ein Song für den Tontechniker

Er war ja auch längst kein Unbekannter mehr, als er zu Iron Maiden fand. Zuvor hatte er Black Sabbath, Rainbow und Whitesnake produziert und als Tontechniker mehrere stilprägende Alben von Deep Purple verantwortet. Schon die erste Zusammenarbeit auf "Deep Purple in Rock" beeindruckte die Band so sehr, dass sie dem damals erst 21-jährigen Techniker einen ganzen Song widmete, "Hard Lovin‘ Man".

"Man kann nur das Beste aus einer Band herausholen, wenn man sie wirklich gut kennt. Produzenten, die nur gelegentlich ein Album mit einer Band machen und dann zur nächsten weiterziehen, werden gezwungenermaßen etwas ziemlich Oberflächliches abliefern."

Das sagte Birch dem französischen Musikmagazin "Best" 1983. Deshalb entschied er sich damals auch dazu, sich bis auf wenige Ausnahmen völlig auf Iron Maiden zu konzentrieren. Deren Bassist Steve Harris sagte später einmal voller Bewunderung: Birch habe sogar eine Anfrage von Metallica abgelehnt, um genug Zeit für Iron Maiden zu haben.

Alle Instrumente und der Gesang gleichberechtigt

Birchs Sound war, wenn man das so sagen kann, typisch britisch: eher mitten- als basslastig und sehr "durchsichtig", so dass alle Instrumente und der Gesang gleichberechtigt hörbar sind, außerdem weit davon entfernt, überkomprimiert zu klingen.

Das 1984er Album "Slide it in" von Whitesnake geriet der US-Plattenfirma sogar so britisch, beziehungsweise in den Ohren der Verantwortlichen so dünn, dass sie es für die USA von einem Amerikaner neu abmischen ließ. Was Birch davon hielt, ist nicht überliefert.

1992, nach "Fear of the Dark", dem für lange Zeit letzten Iron-Maiden-Album mit Bruce Dickinson, setzte Martin Birch sich zur Ruhe, im Alter von erst 44 Jahren. In einigen Nachrufen stand jetzt zu lesen: Er habe die Musikindustrie genau zur richtigen Zeit verlassen, denn mit dem "Loudness War" jüngerer Produzenten, also dem immer lauteren Abmischen, das die Musik regelrecht verzerren kann, hätte er nie etwas zu tun haben wollen.

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