Hörspielmagazin, vom 02.01.2019

Produktion von Deutschlandfunk Kultur ausgezeichnet"Die Welpen" sind Hörspiel des Monats

"Präzise, dynamisch, bildintensiv". Das befand die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, als sie den Dreiteiler "Die Welpen" zum Hörspiel des Monats Dezember 2018 kürte. "Mit filmischen Mitteln entsteht eine irrwitzige Kamerafahrt durch Zeit und Räume."

Pawel Salzman, Leningrad. 1926-1927 (E Zaltsman, M Zusmanovich)
Pawel Salzman, Leningrad. 1926-1927 (E Zaltsman, M Zusmanovich)

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste kürte unseren Hörspiel-Dreiteiler "Die Welpen" nach der Romanvorlage von Pawel Salzman zum Hörspiel des Monats.

Die Welpen
3-teiliges Hörspiel nach dem Roman von Pawel Salzman
Übersetzung: Christiane Körner
Bearbeitung, Komposition, Regie: Klaus Buhlert
Regieassistenz: Jürg A. Meister
Besetzung: Bibiana Beglau, Felix Goeser, Franz Pätzold (als Erzählerin/Erzähler) sowie in weiteren Rollen: Hendrik Arnst, Anton Andreew, Mareike Beykirch, Moritz Ceste, Martin Engler, Moritz Grove, Manuel Harder, Corinna Harfouch, Christopher Heisler, Josephine Hock, Tilda Jenkins, Roman Kanonik, Wolfram Koch, Cristin König, Astrid Meyerfeldt, Vidina Popov, Lars Rudolph, Thomas Thieme u.a.
Ton/Technik: Alexander Brennecke/Philipp Adelmann
Redaktion: Ulrike Brinkmann
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2018
Längen: 63'28, 84'34, 80'57

In der Begründung der Jury heißt es:
"Das künstlerische Schaffen von Pawel Salzman (1912 bis 1985), dem Sohn eines Russlanddeutschen und einer russischen Jüdin, wurde von bildenden Künstlern und Literaten der russischen Avantgarde, deutschen Romantikern und Schriftstellern des Absurdismus beeinflusst. Dies zu einer Zeit als die Staatsdoktrin Sozialistischen Realismus vorgab. Salzman überlebte die Großen Säuberungen Ende der 1930er Jahre, sowie ein Jahr der Leningrader Blockade. Er wurde nach Kasachstan evakuiert und überstand die antikosmopolitische Kampagne. Sein Leben lang arbeitete er als Filmausstatter und Illustrator, schrieb er Prosa und Gedichte. Erst 2012, dreißig Jahre nach Salzmans Tod, ist sein unvollendetes (Bürger-) Kriegsroman­monument "Die Welpen" in Russland erschienen. Eine literarische Sensation, die von der mit dem Paul-Celan-Preis geehrten Christiane Körner ins Deutsche übertragenen und 2018 von Klaus Buhlert zu einem Hörspiel umgearbeitet und inszeniert wurde. In herausragender Teamarbeit wurde dem Einzelkämpfer Salzman so zuteil, worauf er als Autor sein Leben lang verzichten musste: Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Das dreiteilige Hörspiel hebt gekonnt die Besonderheiten der Romanvorlage hervor und zieht von den ersten gequält klingenden Geräuschen an die Hörer*innen in den Bann. Interpretiert von durchgehend großartigen Sprecher*innen enfaltet sodann die expressionistische Sprache, ihren Sog - präzise, dynamisch, bildintensiv. Gestaltet mit filmischen Mitteln (Perspektivewechsel, Zoom, Distanzaufnahme, Zeitlupe, rohe Schnitte) entsteht eine irrwitzige Kamerafahrt durch Zeit und Räume. Das Hörspiel gewährt fragmentarische Einblicke in das tiefe Leid hungernder und um das bloße Überleben kämpfender Menschen und Tiere, welche sich nach und nach zu einem akustischen Mosaikbild der Verrohung und Desorientierung zusammenfügen. Klaus Buhlert und seinem Team gelingt es nicht nur, eine beklemmende Kriegsklanglandschaft zu erschaffen, mit zersplitterten Atmosphären und multiplen Erzählstimmen, sondern auch einzelne Schicksalswege der tierischen Menschen und menschlichen Tiere hör- und sinnlich erfahrbar zu machen. Ein intensives Erlebnis, schmerzlich durch Salzmans persönliches Zeugnis einer kaum vorstellbaren Not, berührend und verstörend zugleich durch seine künstlerisch einzigartige Vorstellungskraft."

Alle drei Teile sind auf hoerspielundfeature.de für 1 Jahr zum Nachhören und Downloaden und als Podcast bereitgestellt.

Zum Hören:

Hungrige Streuner erleben Gewalt - Die Welpen (1/3)
(Deutschlandfunk Kultur, Hörspiel, 18.11.2018)
Die Welpen durchstreifen ein kriegsverrohtes Russland. Sie kommen aus den ostsibirischen Wäldern und gelangen nach Leningrad. Die Menschen, denen sie begegnen und die teils Tiergestalt annehmen, leiden Hunger, Kälte, sind Gewalt ausgesetzt, üben Gewalt aus, versuchen wie sie zu überleben.

Orientierungslos in einer fragmentierten Welt - Die Welpen (2/3)
(Deutschlandfunk Kultur, Hörspiel, 25.11.2018)
Die Welpen altern nicht. Abenteuerlustig und aggressiv der eine, verträumt der andere, erleben die beiden Überfälle hungriger Bauern, Raubmorde und die Völlerei der Besitzenden. Sie beobachten den Todeskampf des Hasen, der für die schwangere Häsin Kohl gestohlen hat und werden selbst Opfer der listigen, kaltblütigen Eule.

Tier und Mensch im Überlebenskampf - Die Welpen (3/3)
(Deutschlandfunk Kultur, Hörspiel, 02.12.2018)
Auf ihrem Weg aus den Wäldern über Land in die Stadt erleben die Welpen Brutalität und Rohheit in allen Facetten, beobachtend oder dem Geschehen ausgeliefert. Realität und Traum vermischen sich. Bereits Erlebtes, wechselt die Gestalt und erscheint neu. Der Mensch, ein Tier und umgekehrt. Der zu Tode geprügelte Welpe kämpft sich ins Leben zurück.

Weitere Informationen:

Hörspielregisseur Klaus Buhlert über "Die Welpen" - Sprechende Welpen und weitere Wirrnisse
(Deutschlandfunk Kultur, Hörspielmagazin, 16.11.2018)