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Kompressor | Beitrag vom 03.07.2018

Probleme des AlltagsWieso müssen Wäscheständer so unpraktisch sein?

Von Marietta Schwarz

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Ein Gestänge mit Wäscheleinen ragt aus dem Fenster eines alten Hochhauses. (imago/Schöning)
Die Deutschen trocknen ihre Wäsche nur ungern draußen. In anderen Ländern sieht das anders aus. (imago/Schöning)

Die Deutschen lassen sich nur ungern in die Wäsche gucken. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie die lieber auf klapprigen Wäscheständern in der Wohnung als an der frischen Luft trocknen. Dabei gibt es Alternativen.

Die Älteren unter uns werden sich an die Werbung erinnern: "Mit soviel Weißer Riese können Sie so viel Wäsche waschen!"

TV-Werbung der 80er-Jahre. Eine Frau macht eine ausladende Handbewegung, die Kamera schwenkt in die Ferne: Strahlend weiße Wäsche flattert im Wind. Zu schön um wahr zu sein. Denn die Realität, die sieht doch eher so aus: Klapp-Wäscheständer aus der Kammer wird aufgestellt und mit der nassen Wäsche behängt. Die X-Beine drohen zu kippen. Und die Metallstäbe, die als Leinen dienen, hängen schon lange durch.

Margita Weiler: "Die sind klein und eng. Über Nacht kann man das mal stehen lassen, aber wenn Besuch da ist..."

... stört er, der Klapp-Wäscheständer mit Auslegearmen.

Ich bin bei Margita Weiler, die in einer Berliner Altbau-Wohnung lebt und einen Wäschesack gepackt hat, der gleich abgeholt wird. Frau Weiler findet: Eine Wohnung ist zum Wohnen da, zum Arbeiten, aber nicht zum Waschen. Sie ist Kundin eines speziellen Wäscheservices. Und der steht jetzt vor der Tür. Juliana Bardolim: "Guten Morgen! Hallo! Wir können das einfach so zurücknehmen. Vielen Dank. Tschüss!"

Abholservice trocknet Wäsche auf dem Land

Ich eile mit der Wäschefrau die Treppen runter. Auf ihrer Visitenkarte steht Juliana Bardolim, "Author, Artist", aber ihre Geschäftsidee ist handfest: Open Air Bio Wäscherei - sie trocknet Stadtwäsche draußen auf dem Land.

Juliana Bardolim: "Ich habe unser Unternehmen aus der Wäscheständer-Position ausgedacht. Er war mein Feind. Wäscheständer, Türrahmen, überall hängt die Wäsche zuhause, und das ist eine Katastrophe. Ich möchte einmal im Leben die Türen ordentlich zugeschlossen haben."

Juliana Bardolim und ich - jetzt wieder auf der Straße. Es folgt mit Blick auf verwaiste Balkone eine kleine Philosophie des Wäschetrocknens.

Reporterin: "Wenn der Wäscheständer Ihr Feind ist und meiner auch, warum erfindet man nicht etwas Besseres? Kennen Sie Länder, wo es besser funktioniert?"
Barolim: "Italien zum Beispiel, draußen, da ist es sehr schick, das sieht sehr gut aus. In Italien gibt es viel zu viel Kultur, und ein bisschen Schlampigkeit ist ein Charme. In Berlin die Leinen über die Straßen zu machen, das wäre katastrophal.
Reporterin: "Die sind auch viel zu breit - genau, breit und unfreundlich! In Italien ist es möglich, dadurch dass die Leute sich kennen. Sie können die Leine von einem Fenster zum anderen machen. Wir sind hier leider zu fremd zueinander."

Trocknen in Türmen oder mit "Konzertina"

Wäschetrocknen im Freien, das bestätigt auch ein Fachmann, ist in Deutschland eher verpönt:"Eine große Barriere von Leuten ist: Ich möchte nicht, dass mein Nachbar meine Wäsche sieht, das ist einfach so. Andere Länder haben diese Sorgen nicht."

Sagt Carsten Maaß, er arbeitet beim Hersteller Leifheit im Bereich "Brand Management Laundry Care". Der Klappständer für drinnen ist qua Profession nicht sein Feind. Nur die Billigvariante vom Discounter, die irgendwann zusammenbricht. Herr Maaß empfiehlt alternativ ein Modell seines Arbeitgebers. Von der Seite sieht der aus wie ein Tisch. Die Beine bilden kein X, sondern ein U. Klappständer mit X-Beinen haben nämlich eine statische Schwäche. 

Maaß: "Wenn ich viel Wäsche hab und wenig Platz empfiehlt sich ein Turmtrockner, der ist in Deutschland nicht so bekannt, aber beispielsweise in Frankreich haben 80 Prozent der Haushalte so einen Turmtrockner. Tower ist der internationale Begriff."

Der "Tower" ähnelt einem Bücherregal, das man von allen Seiten beladen kann, hat also mehrere Stockwerke. Die Engländer bevorzugen "Konzertina". So heißt der Wäscheständer, der sich ziehharmonika-artig in die Höhe klappen lässt. Sieht etwas besser, nostalgischer aus. Ist allerdings ineffizient, was die Wäschemenge betrifft. Vielleicht ist es doch an der Zeit, unsere deutsche Wäsche-Leitkultur zu überdenken und zu zeigen, was man hat.

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