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Interview | Beitrag vom 30.11.2020

Prix Goncourt-Gewinner Hervé Le Tellier„Er erhebt sich über den Ernst des Lebens“

Jürgen Ritte im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Porträt von Hervé Le Tellier. (laif/ Opale via Leemage/ Gallimard)
Ausgezeichneter Schriftsteller: Hervé Le Tellier hat den diesjährigen Prix Goncourt erhalten. (laif/ Opale via Leemage/ Gallimard)

Der Schriftsteller Hervé Le Tellier hat mit dem Prix Goncourt den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs erhalten. Philosophisch und leichtfüßig zugleich sei der ausgezeichnete Roman "L'Anomalie", sagt Le Telliers Übersetzer Jürgen Ritte.

Der französische Literaturpreis Prix Goncourt geht in diesem Jahr an den Autor Hervé Le Tellier. Der 63-Jährige erhält Frankreichs wichtigste Literaturauszeichnung für seinen Roman "L’Anomalie", wie die Jury am 30. November in Paris mitgeteilt hat.

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Das Buch handelt von einem einzigartigen und seltsamen Ereignis: Im Jahr 2021 landet ein Flug im Abstand von wenigen Wochen zwei Mal am selben Ort. Plötzlich haben alle Passagiere ein Double. Es ist sowohl ein Kriminalroman als auch Science-Fiction.

"Ein Spiel mit den Doppelgängern"

Das Buch ist noch nicht auf Deutsch erschienen. Aber Jürgen Ritte, Literaturwissenschaftler an der Sorbonne in Paris, hat bereits einige andere Bücher Le Telliers ins Deutsche übersetzt und sich über die Entscheidung sehr gefreut.

Unser Literaturexperte für Frankreich, Dirk Fuhrig, hat die vier Nominierten für den Prix Goncourt vor der Verleihung vorgestellt:

In dem Roman fänden sich viele Geschichten. Aber der erneuten Landung des Flugzeugs beginne "ein Spiel mit den Doppelgängern und den Spiegelungen. Das wird eine sehr philosophische, aber gleichzeitig sehr leichtfüßig präsentierte Erzählung", sagt Ritte.

Ein Durchbruch für Le Tellier

Ein "typischer" Le Tellier sei immer ein Buch, das dem vorherigen nicht gleiche. Das letzte auf Deutsch erschienene Buch "All die glücklichen Familien" sei etwa ein wunderbarer, trauriger Familienroman.

Le Tellier ziehe seine Geschichten immer aus dem Naheliegenden: "Hinter den Geschichten steckt dann doch immer der Ernst des Lebens, über den er sich so schwebend hinweg erhebt. Das ist das, was mir persönlich sehr an ihm gefällt", sagt Ritte.

Der Preis werde Le Telliers Leben verändern. Das sei nun ein Durchbruch und man werde sehen, wie der Autor mit dem Druck und den Erwartungen in Zukunft umgehen werde.

(sed)


Eine ausführliche Einordnung des diesjährigen Preisträgers des Prix Goncourt hören Sie in unserer Sendung „Fazit“ ab 23:05 Uhr.

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