Seit 05:05 Uhr Studio 9

Montag, 18.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 04.11.2019

Prix Goncourt für Jean-Paul Dubois Ausgezeichnete Weltliteratur

Dirk Fuhrig im Gespräch mit Andrea Gerk

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der französische Autor Jean Paul Dubois erhält den Prix Goncourt für seinen Roman "Tous les hommes n'habitent pas le monde de la même façon". (dpa / ©PHOTOPQR/LE PARISIEN/olivier corsan)
Jean Paul Dubois ist am 4. November mit dem Prix Goncourt für seinen Roman "Tous les hommes n'habitent pas le monde de la meme facon" ausgezeichnet worden. (dpa / ©PHOTOPQR/LE PARISIEN/olivier corsan)

Der wichtigste Literaturpreis Frankreichs geht an den Autor Jean-Paul Dubois. Mit der Geschichte seines scheiternden Protagonisten, den es von Frankreich nach Kanada verschlägt, habe er ein Stück Weltliteratur geschrieben, sagt Kritiker Dirk Fuhrig.

Jean-Paul Dubois hat bisher mehr als 20 Bücher veröffentlicht. Auf deutsch sind unter anderem "Der Fall Sneijder", "Die Jahre des Paul Blick" und "Ein französisches Leben" erschienen, das 2004 mit dem französischen Literaturpreis Femina geehrt wurde. Für seinen neuen Roman "Tous les hommes n'habitent pas le monde de la même façon" (etwa: Die Menschen bewohnen die Erde auf unterschiedliche Weise) ist der 69-jährige Franzose jetzt mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden.

"Man kann sagen, dass mit der Wahl von Jean-Paul Dubois wirklich die große Literatur, die Weltliteratur, einen Preis bekommen hat", sagt Literatur- und Frankreichexperte Dirk Fuhrig. Dies liege sowohl an den Themen, als auch den Orten, die Dubois in seinem Roman behandele. Das Buch sei ein Epochenporträt zwischen Nordamerika und Europa und zeige ein sehr breites Bild der 1960er-Jahre bis fast in die Gegenwart, erläutert Fuhrig.

Amerikanische Erzähler als Vorbilder

Dubois erzähle in seinem Buch, wie unterschiedlich menschliche Existenzen aufgebaut werden können und dass diese auch scheitern können. Dabei schreibe er im Stil großer amerikanischer Erzähler. Für Dubois seien Autoren wie John Updike oder Philip Roth Vorbilder.

Die Handlung des Romans beginnt im Toulouse der 60er-Jahre – mit sehr gegensätzlichen Figuren, so Fuhrig. Da sei zum einen der fromme Vater, ein Pastor mit konservativer Einstellung. Und die Mutter – eine feurige Anhängerin der Linken –, die ein Kino leitet, in dem alles gezeigt wird, was gerade aktuell und revolutionär ist, darunter auch Pornofilme.

Handlung auf zwei Kontinenten

Dann werde die Handlung in Kanada fortgesetzt, wo der Erzähler in Montreal im Gefängnis sitzt und diese Kindheitsgeschichte aus seiner Erinnerung heraus erzählt.

"Man hat schon mal diese zwei Ebenen, Europa und Nordamerika, man hat die 60er-Jahre, diesen Aufbruch, soziale Bewegung, Veränderung in der Gesellschaft. Und man hat die nordamerikanische Gesellschaft, wo jemand sehr schnell scheitern kann. Denn der Protagonist ist Hausmeister, hat 20 Jahre einen super Job gemacht, macht einen kleinen Fehler, wird entlassen. Und das ist die große Katastrophe des Scheiterns, die dann dazu führt, dass er gewalttätig wird und ins Gefängnis kommt."

Im Gegensatz zu den Gewinnern des Prix Goncourt der beiden letzten Jahre verlasse dieser Roman den Rahmen Frankreich und zeichne sich auch dadurch als Weltliteratur aus.

Jean-Paul Dubois: "Tous les hommes n'habitent pas le monde de la même façon"
Edition L'Olivier, Paris 2019
Preis 13,99 Euro

Hier erläutert Dirk Fuhrig, welche Romane für den Prix Goncourt noch in der engeren Auswahl standen:

(mle)

Mehr zum Thema

Jean-Paul Dubois erhält Prix Goncourt - Ein schüchterner Melancholiker - aber ein sehr komischer
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 04.11.2019)

Roman - Abgesang auf die Freiheit
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 06.02.2014)

Wirre Jahre in der französischen Provinz
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 26.01.2006)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsVenedig braucht einen Schutzdamm
Venedig steht aktuell unter Wasser. (picture alliance / dpa / MAXPPP / Pierre Teyssot)

Sieben Milliarden Euro soll der Damm kosten, der Venedig vor Hochwasser in Zukunft retten sollen. Der Grund, warum Venedig immer öfter von Hochwasser bedroht sei, sei vor allem das "Ausweiten und Ausgraben der Schifffahrtskanäle", schreibt die "SZ".Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur