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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 22.04.2018

PriestermangelVerheiratete Diakone zu Priestern weihen?

Von Martin Korden, Köln (Eine Sendung der katholischen Kirche)

Neun Diakone liegen auf einem roten Teppich im Münster in Freiburg, um zum katholischen Priester geweiht zu werden.  (imago stock&people)
Priesterweihe in Freiburg: Doch immer weniger Männer lassen sich in Deutschland zum Priester weihen. (imago stock&people)

In Deutschland herrscht akuter Priestermangel. Wie sollte die katholische Kirche damit umgehen? Zwei Theologieprofessoren haben vorgeschlagen, dass auch verheiratete Diakone zu Priestern geweiht werden könnten. Martin Korden geht diesem Vorschlag nach.

"Im Jahr 2015 haben in Deutschland nur noch 58 Männer das Sakrament der Priesterweihe empfangen – so wenige wie nie zuvor. Mit einer Trendwende ist nicht zu rechnen. Um den Priestermangel abzufedern, haben theologisch qualifizierte Männer und Frauen manche Aufgaben übernommen, die früher Priestern vorbehalten waren. So sehr ihre Arbeit wertzuschätzen ist, sind ihr durch die sakramentale Struktur der Kirche doch spürbare Grenzen gesetzt. Priester können in ihren spezifischen Aufgaben nur durch Priester ersetzt werden." (1)

Eine klare wie schonungslose Analyse der Situation in der katholischen Kirche in Deutschland. Sie stammt von den Theologieprofessoren Helmut Hoping und Philipp Müller. Im vergangenen Jahr haben sie einen Vorschlag präsentiert, wie die Kirche hierzulande auf dieses Problem reagieren könnte.

Von solchen Vorschlägen gibt es bekanntlich viele, doch dieser könnte hervorstechen unter den immer lauter werdenden Forderungen, die von überall her kommen: von Politikern, die sich um die Zukunft der Kirche als wichtige Stimme in der Gesellschaft sorgen; von Kirchgängern, die die Erfüllung ihrer Sonntagspflicht in Gefahr sehen; oder eben von den vielen der Kirche in irgendeiner Form Nahestehenden, die unruhig werden, weil der Glaube offenbar in Vergessenheit gerät. Deren Vorschläge gehen weit und oft gehört dazu die Aufhebung des Zölibats und die Öffnung des Priesteramts für Frauen.

Der Vorschlag könnte einen Nerv treffen

Der Vorschlag von Hoping und Müller fordert dies nicht und hat möglicherweise genau darum eine Chance. Auch, weil deren Vorschlag damit nicht beinhaltet, was die Umsetzung so vieler anderer letztlich oft bedeuten würde: Eine Umwandlung des Kirchen-Verständnisses, eine grundlegende Veränderung dessen, was Kirche in ihrem innersten Kern ausmacht und was Theologen als die "sakramentale Grundstruktur" der Kirche bezeichnen.

Es lohnt sich, dieses Kirchenverständnis nun näher zu erläutern und auf diesem Hintergrund den Vorschlag der beiden Professoren zu lesen.

Auch wenn vieles in diesem Vorschlag nicht neu ist, so könnten Hoping und Müller damit doch einen Nerv getroffen haben. Denn in letzter Zeit votierten sowohl der römische Kurienkardinal Beniamino Stella als auch der jüngst verstorbene Kardinal Karl Lehmann offen für Teile dieser Idee, die angedacht schon in den 1960er Jahren öffentlich wurden, von keinem geringeren als Joseph Ratzinger. Jetzt aber konkret ausgearbeitet haben die Theologen Hoping und Müller ihren Vorschlag vor einem Jahr in der Fachzeitschrift "Herder Korrespondenz" dargelegt und mit diesen Worten eingeführt:    

"Dieser Beitrag macht einen Vorschlag, unter welchen Bedingungen verheiratete Diakone zur Priesterweihe zugelassen werden können, ohne dass dies auf Kosten des zölibatären Priestertums geht." (2)

Warum gerade Diakone?

Verheiratete Diakone zu Priestern weihen. Diese nicht ganz neue Idee haben die Theologieprofessoren Helmut Hoping und Philipp Müller nun ausgearbeitet: in ihren Augen theologisch stimmig und pastoral praktisch. Doch warum gerade Diakone?

Gemeint sind hier die sogenannten Ständigen Diakone. Ein Amt, das in den 1960er-Jahren aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil hervorgegangen ist. Schon damals als eine Antwort auf den beginnenden Priestermangel. Zwar handelt es sich bei dem Diakon um ein Amt aus den Anfängen der Kirche, doch im Laufe der Geschichte wandelte sich das Aufgaben-Profil: vom Gehilfen der Apostel und Bischöfe mit sozial-caritativem Schwerpunkt hin zur reinen Durchgangsstation für angehende Priester. Noch heute wird jeder Priester vor seiner Weihe zunächst zum Diakon geweiht.

Doch in unserem Fall geht es nun eben um den Ständigen Diakon. In Deutschland gibt es derzeit etwa 3000 – Tendenz steigend. Sie helfen mit in der Seelsorge der Gemeinde, sie dürfen taufen und predigen und sie assistieren dem Priester in der Heiligen Messe. In der Regel sind die Ständigen Diakone verheiratet.

Was sie kirchlich gesehen besonders auszeichnet: Sie haben bereits eine sakramentale Weihe empfangen, wenn auch nur die erste der drei in der Kirche aufsteigenden Weihe-Stufen von Diakon-, Priester- bis hin zur Bischofsweihe. Warum hat diese sakramentale Weihe, die in der Kirche stets durch die Handauflegung des Bischofs erfolgte, so eine große Bedeutung?

Dazu ist es wichtig, auf das Wort "Sakrament" zu blicken:

Sakrament bedeutet so viel wie "Heilszeichen" und wird in der Kirche immer dann genutzt, wenn verdeutlicht werden soll, dass hier Gott selbst handelt. So ist es in der Spendung der Sakramente, wie etwa der Taufe oder der Beichte, demnach nicht der geweihte Priester, sondern Gott selbst, der durch die Taten und Worte des Priesters heilsam am Empfänger handelt. Sakramentale Weihe bedeutet dann, dass dem Diakon, dem Priester oder dem Bischof bei dieser Weihe die Vollmacht verliehen wird, selbst im Namen Gottes für die Kirche zu handeln, und damit wiederum auch Sakramente spenden zu dürfen, also Gottes heilsames Wirken.

Ein Vorschlag, der die Grundstruktur der Kirche erhalten würde

In aufgeklärten und rational hörenden Ohren mag das zunächst kühn und allzu konstruiert klingen. Doch die Sakramententheologie ist die Folge des Jesus-Ereignisses vor 2000 Jahren und der daraus entstandenen Glaubensüberzeugung, dass Jesus Christus in der Kirche weiter fortlebt. Ja, immer noch dieser Jesus, der vor 2000 Jahren am Kreuz starb, aber als Gottessohn vom Tod auferstand und immer noch mitten unter den Menschen erfahrbar ist, mehr noch: der immer noch am Menschen wirkt. In der Kirchensprache gesprochen: der Gottes Heil bringt.

Dies geschieht eben konkret in den Sakramenten der Kirche, vermittelt durch die Person der Geweihten. Es mag manchen dabei wie ein willkürliches Konstrukt vorkommen: Doch Grund für diesen Glauben ist das biblische Zeugnis, wonach Jesus bestimmte Menschen dazu erwählte, sein Werk fortzuführen und ihnen dabei auch ausdrücklich die Vollmacht erteilte, in seinem Namen zu handeln.

Der Priester David Seibel (r) bei seiner Weihe in Magdeburg 2015. Es war die erste Weihe des Bistums in vier Jahren. Nachwuchs ist nicht in Sicht. (picture-alliance / dpa / Jens Wolf)Der Priester David Seibel (r) bei seiner Weihe in Magdeburg 2015. Es war die erste Weihe des Bistums in vier Jahren. Nachwuchs ist nicht in Sicht. (picture-alliance / dpa / Jens Wolf)

Von Anfang an hat die Kirche dabei eine wichtige Unterscheidung getroffen: Es ist nicht etwa die besondere Eignung oder Begabung des Beauftragten, durch die Christus in der Kirche wirkt, sondern es geschieht durch das in der Zusage Jesu entstandene Amt selbst. "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt" bedeutet dann: Christus wird im Jünger Jesu repräsentiert, mehr noch, er wird in dessen sakramentaler Handlung gegenwärtig.

Und die Befähigung für ein solches Amt wird alleine durch die Weihe vermittelt, die deshalb sakramental heißt, weil schon hier Christus selbst der Handelnde sein soll.

Zugegeben, ein nicht ganz leichter Stoff. Doch würde man von dieser "sakramentalen Grundstruktur" Abstand nehmen, hätte die Kirche den eigentlichen Grund ihres Anbruchs vor 2000 Jahren aufgegeben: Nämlich, Christus zu vergegenwärtigen, als denjenigen der Gottes Heil zu den Menschen bringt.

Die Ständigen Diakone brauchen eine Dispens

Was heißt das aber nun für den Vorschlag, verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen?

"Um dem Mangel an Priestern zu begegnen, plädieren wir dafür, Männer aus dem Kreis der ständigen Diakone unter bestimmten Bedingungen mit Dispens vom Weihehindernis der Ehe die Priesterweihe zu spenden." (3)

Die Sprache des Kirchenrechts. Die Ständigen Diakone müssten eine Dispens erhalten, also die Befreiung von der Vorschrift, dass Priester ehelos sein müssen. Nur dann könnten sie nach geltendem Recht die nächste Weihestufe betreten. Hoping und Müller versuchen alles, um mit ihrem Vorschlag die bestehenden Kirchenstrukturen möglichst weit zu erhalten. Verheiratete Männer direkt zu Priestern zu weihen, ohne dass sie vorher Diakone waren, sehen die Professoren kirchenrechtlich als nicht umsetzbar an.

Mehrfach betonen sie, dass es nicht damit getan sein kann, die genuin priesterlichen Aufgaben einfach an andere kirchliche Mitarbeiter zu übertragen. Und damit meinen sie nicht nur die Spendung der Sakramente, sondern auch die Rolle des Priesters als persönlich erfahrbarer Seelsorger vor Ort. Als Vorsteher, sozusagen als Hirte der Gemeinde. Der Zölibat sei für diese Aufgabe eigentlich ideal, so die Professoren. Stehe er doch für die bewusste Lebensentscheidung, ganz frei zu sein, um Christus in der Gemeinde zu repräsentieren:

"Jesus selbst hat ehelos gelebt. Es wäre ein großer Verlust, wenn es den zölibatär lebenden Priester als Gemeindeleiter nur noch in seltenen Ausnahmefällen gäbe. Wir sprechen uns daher dafür aus, die Stellung des zölibatär lebenden Priesters in der Gemeinde zu stärken und die Berufungspastoral zu intensivieren. Als Antwort auf den drastischen Priestermangel wird dies aber nicht ausreichen. Der von uns vorgeschlagene Weg, Diakone zu Priestern zu weihen, wird nicht alle Probleme lösen, aber er ist theologisch-pastoral verantwortbar." (4)

Die Autoren finden den Zölibat eigentlich ideal, aber…

Theologisch und pastoral verantwortbar. Diese Bewertung ihres Vorschlags ist Hoping und Müller wichtig. Während sie bei der Zulassung von Frauen zur Priesterweihe theologisch keine Möglichkeit sehen, betonen sie den Spielraum bei verheirateten Männern. Warum?

Papst Franziskus verkündet zum Ende der Ostermesse auf dem Petersplatz im Vatikan den Ostersegen "Urbi et Orbi". Er steht auf der Loggia und winkt den Gläubigen zu.  (dpa-bildfunk / AP / Andrew Medichini)Daran, dass Frauen nicht Priester werden dürfen, hält auch Papst Franziskus, hier auf der Loggia des Petersdoms in Rom, fest. (dpa-bildfunk / AP / Andrew Medichini)

Zuerst zur Frauenfrage: Immer wieder wird in der Kirche dabei auf die Entscheidung von Johannes Paul II. verwiesen, die endgültigen Charakter habe. 1994 legte dieser Papst in einem Apostolischen Schreiben nämlich fest, dass…

"…die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Die Kirche hat bei der Zulassung zum Priestertum stets als feststehende Norm die Vorgehensweise ihres Herrn Jesus Christus anerkannt, der als Grundsteine seiner Kirche zwölf Männer erwählte. Die Priesterweihe, durch welche das von Christus seinen Aposteln anvertraute Amt übertragen wird, ist in der katholischen Kirche darum ausschließlich Männern vorbehalten." (5)

Während die Priesterweihe für Frauen in der Kirche aufgrund des Vorbildes Christi kaum möglich scheint – das hat auch Papst Franziskus jüngst nochmals betont – scheint der Zölibat für Priester theologisch weniger fest zementiert.

Der Apostel Paulus rät zur Ehelosigkeit

Der Apostel Paulus empfiehlt in seinen Briefen allen, die Christus nachfolgen wollen, die Ehelosigkeit, die auch er selbst bewusst wählte. Doch Paulus betont auch, dass es in dieser Frage von Jesus kein Gebot gebe. Lange hat die Kirche damit gerungen, wie sie umgehen soll mit dem Beispiel des ehelosen Jesus und der Empfehlung des Apostels Paulus.

Die Vorsteher der frühen christlichen Gemeinden waren meistens noch verheiratete Männer. Doch schon bald galt, dass solche Vorsteher etwa nach dem Tod ihrer Frau nicht ein weiteres Mal heiraten dürften. Schnell folgte der Grundsatz, dass die verheirateten Oberhirten zumindest enthaltsam sein sollten. Erst im 12. Jahrhundert wurde der Zölibat für Priester eingeführt. In der damals schon getrennten orthodoxen Kirche galt er nur für die Bischöfe, das ist bis heute so.

Die katholische Kirche betont weiterhin den Zusammenhang von Priesteramt und Zölibat. Aber auch, dass es sich dabei nicht um ein Dogma handelt, und dass der Zölibat von der Heiligen Schrift her gesehen nicht zwingend notwendig sei. Im Gegensatz eben zu der nur Männern vorbehaltenen Priesterweihe. Hoping und Müller betonen darum in ihrem Vorschlag auch: die Weihe von verheirateten Diakonen zu Priestern lasse sich theologisch verantworten.

Eine Weihestufe höher würde sich damit ihre Berechtigung im Hinblick auf das sakramentale Wirken erhöhen. Vor allem dürften sie als Priester dann der Eucharistie vorstehen. Dem höchsten Sakrament der Kirche. Es handelt sich nicht nur um den Höhepunkt der Sonntagsmesse, sondern ist nach katholischem Verständnis Quelle allen kirchlichen Lebens – weil sich hier Jesus den Gläubigen ganz schenkt in den Gaben von Brot und Wein.

Die Eucharistiefeier ist besonders betroffen

Gerade hier wiegt der Priestermangel besonders schwer. In vielen deutschen Diözesen sehen darum die Zukunftskonzepte vor, die Anzahl der Eucharistiefeiern zu reduzieren. Gerade dem wollen Hoping und Müller mit ihrem Vorschlag aber entgegenwirken:

"Weil die pastoralen Räume immer größer werden, gibt es schließlich vielerorts an Sonntagen Wort-Gottes-Feiern, die von ständigen Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten oder Ehrenamtlichen geleitet werden. Doch bergen solche Feiern die Gefahr in sich, dass die Eucharistie nicht mehr als Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens erlebt wird und Gläubige sie irgendwann nicht mehr vermissen." (6)

Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier (dpa / picture alliance / Donatella Giagnori )Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier (dpa / picture alliance / Donatella Giagnori )

Die Kirche könne sich mit diesem Mangel nicht einfach abfinden, darum brauche sie mehr Priester. Man könnte sagen, dass Hoping und Müller damit ähnlich mahnen, wie seinerzeit der Apostel Paulus, als er sagte: "Wie sollen die Menschen an den glauben, von dem sie nichts gehört haben, und wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet."

Auf die fehlenden Priester heute bezogen könnte die Frage dann lauten: "Wie sollen die Menschen das Geschenk der Hingabe Gottes erfahren, wenn niemand da ist, der die Eucharistie feiern darf?"

Zwei oder drei Diözesanbischöfe könnten vorangehen

Die Theologen Helmut Hoping und Philipp Müller schlagen vor, Männer aus dem Kreis der Ständigen Diakone zu Priestern zu weihen als Antwort auf den Priestermangel. Sie haben damit Aufmerksamkeit gewonnen, dabei ist ihr Vorschlag weder neu noch revolutionär. Das Besondere daran ist aber neben der theologischen Begründung die praktische Ausarbeitung, wie eine Umsetzung konkret aussehen könnte. Beide sind angesehene Theologieprofessoren: Hoping als Dogmatiker in Freiburg, Müller lehrt in Mainz Pastoraltheologie. Außerdem sind beide in der Gemeinde aktiv: Müller ist Priester und war als Regens in der Priesterausbildung tätig. Und Hoping ist selbst Ständiger Diakon. Sie formulieren klare Anforderungen an die Diakone, die nach ihrem Modell zu Priestern geweiht werden könnten:

"Sie müssten in vierfacher Hinsicht befähigt sein: menschlich, geistlich, intellektuell und pastoral. Besonders die Kompetenz zum Hirtendienst ist für den Priester im Unterschied zum Diakon kennzeichnend. Aufgrund der geforderten intellektuellen Befähigung müssen sie akademisch entsprechend ausgebildet sein. Die von den meisten Diakonen absolvierten theologischen Kurse reichen unseres Erachtens nicht aus, da die Anforderungen an die Fachkompetenz der Priester in den Ortskirchen der westlichen Wissensgesellschaften sehr hoch sind." (7)

Aber wie wäre es denn nun, verheiratete Priester zu haben? Hier bringen Müller und Hoping den alten Begriff der "viri probati" ins Spiel, der Männer, die sich in ihrem Verheiratet-Sein bewährt haben müssen. Ihr Haus, so formulieren es die Professoren vielsagend, muss in Ordnung sein.

"Von Seiten der Ehefrau bedarf es ausdrücklich der Zustimmung zur Priesterweihe ihres Mannes. Beim Mindestalter wird man an etwa 50 Jahre denken, die Kindererziehung sollte abgeschlossen sein. Damit wäre ein gebührender Abstand zur Weihe unverheirateter Priesterkandidaten gewahrt. Zudem ist zu hoffen, dass sich mit der Altersgrenze das Problem der Ehescheidung verheirateter Priester in Grenzen halten wird. Wir glauben, dass mit den formulierten Anforderungen an den verheirateten Priester die nötige Freiheit für Christus und den priesterlichen Dienst gewährleistet ist." (8)

Ein Lösungsvorschlag, der mit Theologie und Kirchenrecht konform ist?

Hoping und Müller sagen, dass ihr Vorschlag sicher nicht alle Probleme lösen kann. Aber sie haben hierfür bewusst einen Weg gewählt, den die Theologie und das Kirchenrecht in ihren Augen möglich machen. Kritiker können den beiden Professoren dagegen vorwerfen, dass ihr Vorschlag keine Antwort auf die große Umbruchssituation in der Kirche sei. Viele Bischöfe sprechen schon jetzt davon, dass die priesterlich zentrierte Gemeindekirche nicht die Zukunft sein könne. Vielmehr müsse das kirchliche Leben künftig von allen Gläubigen selbst ausgehen.

Hier fällt das Wort der missionarischen Kirche. Es müsse jetzt vor allem darum gehen, wie die Menschen den unverzichtbaren Wert des christlichen Glaubens für ihr Leben neu entdecken. Die Suche nach mehr Priestern sei da erst einmal nachrangig, denn schon jetzt sei doch absehbar, dass nicht der Priestermangel, sondern der Mangel an gläubigen Christen das Hauptproblem werde. Ganz abgesehen davon mag man sich fragen, ob es für den Vorschlag verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen, überhaupt ein Ok aus Rom geben könne. Hier verweisen Hoping und Müller abschließend auf Papst Franziskus selbst. Der hatte die Bischofskonferenzen im Hinblick auf den Priestermangel gebeten, so wörtlich, mutige Vorschläge zu machen.

"Die deutsche Bischofskonferenz könnte das aufgreifen und sich in einem Votum an Papst Franziskus für die Möglichkeit der Priesterweihe von viri probati unter den genannten Bedingungen einsetzen. Da ein gemischter Klerus aus zölibatär lebenden und verheirateten Priestern in der von uns vorgeschlagenen Form etwas Neues in der katholischen Kirche darstellt, bedürfte er einer umsichtigen Einführung. Zwei oder drei Diözesanbischöfe könnten vorangehen und mit Erlaubnis des Papstes eine Reihe verheirateter Diakone zu Priestern weihen." (9)                       

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.

Zitate:

(1) Hoping, Helmut u. Müller, Philipp, Ein Vorschlag: "Viri probati" zur Priesterweihe zulassen, in: Herder Korrespondenz 3/2017, S. 13.

(2) ebd.

(3) ebd., S. 15.

(4) ebd.

(5) Johannes Paul II, Apostlisches Schreiben ORDINATIO SACERDOTALIS, zitiert aus den Kapiteln 1,2 und 4. Vatikan, 1994.

(6) Hoping, Helmut u. Müller, Philipp, Ein Vorschlag: "Viri probati" zur Priesterweihe zulassen, in: Herder Korrespondenz 3/2017, S. 13/14.

(7) ebd., S.16.

(8),(9) ebd.

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