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Interview | Beitrag vom 20.03.2021

PressefreiheitMit Street Art gegen Zensur

Ira Dorsch im Gespräch mit Ute Welty

Ein schwarzes Graffiti an einer Wand. Ein Zeigefinger legt sich auf geschlossene Lippen. (Symbolbild) (imago images / Shotshop)
In Sachen Informationsfreiheit sei in Bangladesch alles "ein No-Go", erinnert sich Ira Dorsch. (Symbolbild) (imago images / Shotshop)

Nicht überall ist Pressefreiheit selbstverständlich: Darauf macht das Künstlerteam "Lura" mit "The Daily Censorship" aufmerksam. Am Anfang habe ein Aufenthalt in Bangladesch gestanden, erklärt Ira Dorsch. Und betont, Kunst könne Aufklärungsarbeit leisten.

Die Pressefreiheit ist keine Verhandlungsmasse: So deutlich wurde Heiko Maas in dieser Woche, als es um die Möglichkeiten deutscher Berichterstattung aus und über Russland geht. Die Presse- und Meinungsfreiheit sind ein Grundpfeiler unserer Demokratie, betonte der Außenminister.

Dass diese Auffassung aber nicht überall in der Welt selbstverständlich ist, zeigt das Künstlerteam "Lura" mit "The Daily Censorship". Ein Aufenthalt in Bangladesch habe sie auf die Idee zu dieser Arbeit gebracht, erzählt Ira Dorsch, die zusammen mit Linus Limberg das Künstlerduo bildet.

Angst beim Filmen und Fotografieren

Eigentlich waren die beiden für ein soziales Street-Art-Projekt in das südasiatische Land gereist. Beim Dokumentieren, Filmen und Fotografieren hätten sie erlebt, dass Pressefreiheit dort "kein offenes Thema" sei, erinnert sich Ira Dorsch: "Alles ist ein No-Go." Ein Interview mit einem einheimischen Presseschaffenden sensibilisierte sie zusätzlich für das Thema und auch die eigene Angst beim Filmen und Fotografieren.

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Zwar sei es in Bangladesch üblich, Zeitungen frei zugänglich für die Öffentlichkeit an Wände zu plakatieren, erzählt Ira Dorsch. In der Presse werde aber ein ganz anderes Bild des Landes erzeugt, als das, was sie sich mit ihrem Partner vor Ort machen konnte. "Alles wird mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt. Und das, was nicht zensiert wird, sage ich mal, wird aus der Welt geschafft", fasst sie ihre Beobachtungen zusammen.

Aufklären mit den Mitteln der Kunst

Als es in ihrem Studiengang an der Berliner University of Europe for Applied Sciences in einem Projekt mit der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen um das Thema Pressefreiheit und die Erhaltung der Demokratie ging, setzen die beiden diese Erfahrungen künstlerisch um.

So entstand die Arbeit "The Daily Censorship". Dafür konnten sie auch auf Material von Reporter ohne Grenzen über die schlechte Lage der Informationsfreiheit in Bangladesch zurückgreifen, so Ira Dorsch. Außerdem machen sie und ihr Partner mit ihrer Arbeit auch auf den Fall eines ermordeten Studenten aufmerksam. Gegen diesen Mord hatten wiederum Street-Art-Künstler in Bangladesch protestiert, erzählt sie.

Dass Kunst und gerade auch Street Art geeignet sind, jüngere Menschen für den Kampf für Presse- und Informationsfreiheit zu interessieren, sei ihr persönlich wichtig, sagt Ira Dorsch. Das gelte besonders in Zeiten wie jetzt, in denen zum Beispiel ein Thema wie Propaganda international wieder mehr an Aufmerksamkeit gewinne. Dabei könne Kunst wichtige Aufklärungsarbeit leisten, ist sie überzeugt.

(hum)

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