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Fazit | Beitrag vom 15.04.2021

Pressefoto des JahresEine Umarmung mit Symbolcharakter

Karen Fromm im Gespräch mit Britta Bürger

Das Foto des Jahres 2021 "The First Embrace" (Die erste Umarmung) zeigt zwei Frauen, die sich - getrennt von einer Plastikfolie - umarmen. (imago images / Politiken / Mads Nissen)
Das Foto "The First Embrace" von Mads Nissen wurde zum World Press Photo of the Year 2021 gewählt. (imago images / Politiken / Mads Nissen)

Das Pressefoto des Jahres ist oft mit den prägenden Themen der Gegenwart verbunden: Mit dem Siegerfoto 2021 beschreibe der Däne Mads Nissen die Pandemie und die damit verbundenen Erfahrungen in einem Bild, sagt die Kunsthistorikerin Karen Fromm.

Der World Press Photo Award gilt als prestigeträchtigste Auszeichnung in dem Bereich. Eine unabhängige Jury in Amsterdam hat aus 75.000 eingereichten Fotos das Bild "The First Embrace" von Mads Nissen zum Siegerfoto gewählt.

Es zeigt eine brasilianische Rentnerin in dem Moment, in dem sie nach langer Isolation von einer Pflegerin ihres Heims in die Arme genommen wird. Beide werden durch einen transparenten Plastikvorhang getrennt, dessen gelber Saum sich so legt, dass er aussieht wie ein Flügelpaar.

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Das Besondere des Siegerfotos von Mads Nissen sei, dass er die Coronapandemie mit einem Bild beschrieben habe, das weder Masken noch Spritzen zeige, sagt Karen Fromm . Die Kunsthistorikerin ist Professorin für Fotografie an der Hochschule Hannover.

Schlichtheit mit starken Symbolen

Das Bild zeige etwas Einfaches, eine Umarmung. Doch diese Umarmung, stehe ganz zentral für das, was die Menschen in der Pandemie erlebten, sagt Fromm:

"In dieser Situation ist es so, dass wir plötzlich alle in irgendeiner Form betroffen sind. Mit dieser Umarmung und diesem Bedürfnis, so die Trennung zwischen den Menschen zu überwinden und so etwas wie Einsamkeit aufzubrechen, sind wir in unseren Erfahrungen alle konfrontiert."

Die Plastikfolie betreffe das Thema Hygiene, mit dem wir in der Pandemie ständig konfrontiert seien, und verdeutliche auch die Trennung. "Natürlich hat diese Form, wie diese Arme durch diese Folie greifen, etwas Engelhaftes. Das lädt das Bild auch ein Stück weit auratisch auf."

Fotos entstehen nicht zufällig 

Mads Nissen sei als klassischer Kriegs- und Krisenfotograf viel und an unterschiedlichen Orten auf der Welt unterwegs. Bereits 2015 habe er diesen Preis mit einem Foto über schwule Männer in Russland gewonnen.

Sie habe den dänischen Fotografen persönlich kennengelernt, erzählt Karen Fromm, er setze sich intensiv mit aktuellen Ereignissen auseinander:

"Oft hat man ja das Gefühl, Fotografen bewegen sich durch die Gegend und finden dann den richtigen Moment: Sind zufällig da und können den dann irgendwie technisch perfekt festhalten. Aber Nissen recherchiert extrem intensiv und sucht genau seine Motive."

(mle)

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