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Studio 9 | Beitrag vom 15.11.2018

Preisträger der National Book Awards„Mauern halten Worte nicht auf“

Von Georg Schwarte

Die Schriftstellerin Isabel Allende erhielt den National Book Award für ihre Lebensleistung.  (dpa / picture alliance / AP Images / Brad Barket)
Isabel Allende gilt als große Dame der lateinamerikanischen Literatur. (dpa / picture alliance / AP Images / Brad Barket)

Die National Book Awards wurden gestern zum 69. Mal vergeben. Gewinnerin des Abends: Isabel Allende. Sie erhielt den Preis für ihre Lebensleistung. Sie zeige, dass in Zeiten von Trump Worte Flügel haben. Auch andere Gewinner sprachen die Situation an.

"Bücher. Worte nur. Aber Worte zählen", sagt Luis Alberto Urrea, mexikanisch-amerikanischer Schriftsteller. Laudator am Abend beim National Book Award für sie, Isabel Allende. Die Worte schenkt auch in Zeiten von Trump. "Mauern halten Worte nicht auf", sagt er mit Blick auf sie, die große Dame der lateinamerikanischen Literatur: Worte könne niemand einsperren.

70 Millionen verkaufte Bücher

Isabel Allende. Sie habe der Welt gezeigt, dass Worte Flügel haben, singen könnten. Überall. Die gebürtige Peruanerin, sie lebte in Venezuela, Chile, jetzt in den USA. Für ihre Lebensleistung erhält sie den National Book Award, Amerikas höchste Literaturauszeichnung. Und auch sie spricht über Angst, dunkle Zeiten, Nationalismus, Rassismus, Grausamkeit. Zeiten, in denen alle Werte bedroht scheinen.

70 Millionen verkaufte Bücher. Übersetzt in 35 Sprachen. Sie aber träumt, kocht und liebt weiter auf Spanisch. Auf Englisch zu stöhnen wäre komisch, lächelt sie und sagt: "Ja, ich habe mit 76 einen Liebhaber, unglaublich oder?"

Der Hund als Therapeut

Der National Book Award ist der Oscar der Literaturwelt. In der Kategorie der Prosaliteratur, eine der wenigen eher unpolitischen Preisträger des Jahres. Sigrid Nunez. "Dog": Die Geschichte einer Frau, die ihren Lebensgefährten verliert, dessen Hund, eine depressive dänische Dogge aber bleibt. Wird ihr Zuhörer, Gesprächspartner, Therapeut. Traurig, und bisweilen urkomisch, wenn die Ich-Erzählerin mit ihrer Dogge Apollo spricht.

In der Sachbuchkategorie siegt Jeffrey C. Stewart. Der Titel: The New Negro - The Life of Alain Locke. Die Biografie eines schwarzen Harvard-Philosophen, Architekt der Harlem Renaissance, Kunstmäzen. Heimlich homosexuell. Vater einer schwarzen Kultur, sagt der Autor, Vater einer New Negro-Bewegung eben nicht nur für schwarze, sondern für ein neues Amerika.

Nicht aus Angst wählen

In der Sparte Lyrik der junge schwarze Dichter Justin Phillip Reed. Indecency. In seiner Dankesrede die Hoffnung, dass das Amerika dieser Tage verweht. Das Gerede von Nationalisten, von Einzigartigkeit, irgendwann wieder unkenntlich werde.

Isabel Allende übrigens, die erste lateinamerikanische Autorin überhaupt, die den National Book Award für ihr Lebenswerk erhielt. Ein Leben, sagt sie, vor dem sie sich nicht fürchte. Sie weigere sich in Angst zu leben und in Anspielung auf den jüngsten angstgetriebenen US-Wahlkampf auch das: Sie weigere sich, aus Angst zu wählen.

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