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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.07.2020

Preiskampf der Discounter Beim Einkauf fehlt die Orientierung

Dario Sarmadi im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein Kunde steht in Köln in einem Rewe-Supermarkt an einem Regal.   (picture-alliance/dpa/Oliver Berg)
Angesichts des Preiskampfes in den Supermärkten wird die Orientierung für Kunden immer schwieriger. (picture-alliance/dpa/Oliver Berg)

Für höhere Standards in der Erzeugung und eine reelle Preisberechnung bei Lebensmitteln macht sich Dario Sarmadi von "Foodwatch" stark. Die Qualität von Produkten lasse sich derzeit am Preis nicht wirklich erkennen.

Seitdem die Bundesregierung zum 1. Juli die Mehrwertsteuer gesenkt hat, liefern sich die Lebensmittel-Discounter erneut einen Preiskampf. Die Rabattaktionen seien nur mit quersubventionierten Preisen möglich, sagt Dario Sarmadi von der Verbraucherorganisation "Foodwatch". Die Supermärkte versuchten auf diese Weise, Kunden anzulocken. "Zwei Tage später kann das gleiche Produkt wieder ein paar Cent oder ein paar Euro mehr kosten", sagt Sarmadi.

Teurer ist nicht unbedingt besser 

Preise sagen Sarmadi zufolge nichts über die Qualität der Produkte aus - und auch nichts darüber, wie gut ein Tier gehalten worden sei. Die Missstände beim Schlachtbetrieb Tönnies hätten zwar medial Wellen geschlagen und seien ins Bewusstsein der Verbraucher gedrungen. Aber der Griff zu einem teureren Produkt im Supermarkt helfe wenig weiter. Denn nur weil eine Ware mehr koste, seien die Standards für die Beschäftigten nicht unbedingt besser und auch das Wohl der Tiere nicht unbedingt größer.

Die Diskussion über Preise müsse eigentlich genau anders herum geführt werden, fordert Sarmadi. Zunächst müssten Tierhaltung und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessert werden. Erst dann könne man darüber reden, was das die Landwirte koste und welche Preise sich daraus für die Verbraucher ergäben.

Bioprodukte garantieren kein gesundes Tier

Auch wie gesund ein Tier gewesen sei, könne man nicht am Preis ablesen, sagt der Foodwatch-Vertreter. Haltungsformen hätten zunächst einmal mit der Gesundheit der Tiere wenig zu tun, so Sarmadi. Wer Bioprodukte kaufe, habe allein die Sicherheit, dass ein Tier etwas mehr Auslauf gehabt habe oder kaum mit Antibiotika gefüttert worden sei.

Doch in Bezug auf die Tiergesundheit könne man nicht davon ausgehen, dass ein Bioprodukt die bessere Wahl sei. Die Krankheitsraten seien bei Bioprodukten ähnlich hoch wie auf dem traditionellen Markt. Laut dem Experten fehlen gesetzliche Vorgaben, die garantieren, dass nur Fleisch von gesunden Tieren im Supermarktregal landet. Auch hier müsse "eine ehrliche Debatte" geführt werden, fordert er.

(gem)

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