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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.11.2015

Preisgekröntes Hörspiel über LSDHörcollage als beängstigend berauschender Trip

Von Andi Hörmann

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Ein Farbstrudel (picture alliance / dpa / Peer Grimm)
Glücksgefühl und Geborgenheit, gefolgt von einer gebrochenen Wahrnehmung der Realität, so erlebte Albert Hofmann seinen LSD-Trip. (picture alliance / dpa / Peer Grimm)

Der Chemiker und LSD-Entdecker Albert Hofmann oder der Schriftsteller Aldous Huxley kommen in "Hofmanns Elixier oder: Die Welt ist perfekt" zu Wort. Ihre spannenden Erfahrungen mit der halluzinogenen Droge gepaart mit fantastisch-furchterregenden Soundcollagen ergeben ein mitreißendes Hörspiel.

Audio-Ausschnitt aus "Hofmanns Elixier": "Es war an einem Maimorgen: Während ich durch den frisch ergrünten, von der Morgensonne durchstrahlten, von Vogelsang erfüllten Wald dahin schlenderte, erschien auf einmal alles in einem ungewöhnlich klarem Licht. Er strahlte im Glanz einer eigenartig zu Herzen gehenden, sprechenden Schönheit, als ob er mich einbeziehen möchte in seine Herrlichkeit. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl der Zugehörigkeit und seeliger Geborgenheit durchströmte mich."

Die Sprache kann nicht blumig genug sein, wenn der Schweizer Chemiker Albert Hofmann seine Erfahrungen mit der halluzinogene Droge LSD in Worte fasst. Glücksgefühl und Geborgenheit, gefolgt von einer gebrochenen Wahrnehmung der Realität.

"Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Fahrrad nicht vom Fleck zu kommen. Stattdessen sagte mir später meine Assistentin, wir wären sehr schnell gefahren."

Im April 1943 synthetisierte Albert Hofmann im Forschungslabor Sandoz zum ersten Mal LSD. Wobei der erste Selbstversuch eher ein Labor-Unfall war.

"Am Schluss der Synthese kam ich in einen ganz merkwürdigen, heute würde man sagen psychedelischen Bewusstseinszustand. Obwohl ich an peinlich sauberes Arbeiten gewohnt war, muss eine Spur der Substanz zufällig in meinen Körper gelangt sein."

Aufwendig gestaltete Sonderausgabe

"Hofmanns Elixier oder: Die Welt ist perfekt" ist eine Hörcollage aus Erfahrungsberichten, die die 1958 in München geborene und in Berlin lebende Hörspielautorin Regine Ahrem ein halbes Jahrhundert nach der Entdeckung von LSD 2006 für den rbb produzierte. Preisgekrönt von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ist es jetzt als aufwendig gestaltete Sonderausgabe erschienen. Neben dem Chemiker Hofmann lässt die Regisseurin auch Schriftsteller wie Aldous Huxley oder den US-Psychologen Timothy Leary zu Wort kommen. Beide haben mit dieser damals neuen Droge experimentiert. Und so geht es in diesem Hörstück nicht um den Siegeszug der Party-Droge LSD, sondern auch um ihr Potenzial als Mittel zur Selbsterfahrung.

Autobiografische Notizen und historisches Radiomaterial treffen in diesem Hörstück "auf die Klang-Bilder des Berliner Musikers Michael Rodach. Er versinnbildlicht die halluzinogenen Drogenerfahrungen dabei nicht mit klischeehaften Synthesizer-Teppichen, sondern übersetzt sie in farbenfrohe, fantastische aber auch furchterregende Töne und Stimm-Collagen.

Die verhallten und verrauschten Stimmen werden zu akustischen Zerrbildern und konterkarieren mit den nüchternen Analysen der Drogenerfahrung.

Audio-Ausschnitt aus "Hofmanns Elixier": "Das ist die Art und Weise wie man sehen sollte, und wie die Dinge in Wirklichkeit sind."

"Hofmanns Elixier oder: Die Welt ist perfekt" wird so zur regelrechten Gratwanderung: Nicht verherrlichend, aber faszinierend bis fantastisch wird dieses Hörstück so fast selbst zum beängstigend berauschenden LSD-Trip.

"Haben wir mit etwas gespielt, das man nur ernst nehmen darf? Oder im Gegenteil?"

Hofmanns Elixier Oder: die Welt Ist Perfekt
Regine Ahrem (Künstler), Michael Rodach (Künstler)
Major Label (Broken Silence), Hamburg 2015
CD, 17,99 Euro

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