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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.05.2019

Preis für "Absurdes Gendermarketing"Geld verdienen mit Geschlechterklischees

Sookee im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Sookee in Siegerpose. Die deutsche Rapperin ist auch unter ihrem zweiten Pseudonym Quing of Berlin bekannt. Sie ergreift für die Queer-Szene Partei und engagiert sich gegen Homophobie und Sexismus im deutschen Hip-Hop sowie gegen Rassismus und Antisemitismus in Deutschland. (Katja Ruge)
Engagiert sich gegen Gendermarketing: Die Rapperin Sookee. (Katja Ruge)

Sookee rappt gegen Sexismus und sitzt auch in der Jury für den "Goldenen Zaunpfahl", ein "Negativpreis für absurdes Gendermarketing". Warum die frühe Einteilung von Jungen und Mädchen nach blau und rosa schadet, erklärt die Musikerin und Aktivistin.

Rosa für die Mädchen, hellblau für die Jungs - daran hat sich seit Jahrzehnten nicht viel geändert. Obwohl seit Jahren darüber diskutiert wird, was festgelegte Rollenklischees mit Kindern machen, ändert sich wenig. Am heutigen Mittwoch wird zum dritten Mal der "Goldene Zaunpfahl" verliehen, ein "Negativpreis für absurdes Gendermarketing".

Die Rapperin Sookee sitzt mit in der Jury. Für sie ist die enge Zweiteilung eine Verengung des Erwartungsspektrums an Jungen und Mädchen. Als Beispiel nennt die sie Nabelscheren in rosa für das weibliche Baby und in hellblau für den männlichen Säugling - sozusagen die "Stunde Null" im Leben dieser Menschen, die direkt farblich geprägt wird. "Absurd" sei das, findet Sookee, gerade vor dem Hintergrund von Themen wie Inter- oder Transgeschlechtlichkeit. Jeder Blick auf Spielplätze oder in Kitas zeige vor allem blau und pink, unverständlich für Sookee: So früh müsse man nicht kategorisieren, ist sie überzeugt.

Produkte mit fragwürdigem Sinn

Daneben seien auch Spielzeuge und Süßigkeiten mit dem Gendermarketing überzogen. Ein weiteres nominiertes Produkt: Das "Actionset 'Drohne mit Zubehör'" für den Modelleisenbahnbauer. So kann jeder Bastler einen Mann mit einer Drohne in seine Landschaft bauen, der damit zwei nackte Frauen beobachtet. "Nicht nur für Kinder unter 3 Jahren ungeeignet, sondern für den Verkauf insgesamt", heißt es auf der Webseite des Negativpreises dazu.  

Solche Absurditäten nehmen immer weiter zu, empfindet Sookee, denn der Kapitalismus neige nicht zur Stagnation. Und so werden weiterhin Produkte entwickelt, auch wenn ihr Sinn fragwürdig sei. Sie nimmt vor allem eine Gewöhnung wahr, so erklärt die Musikerin und Aktivistin sich, warum solche Produkte trotz der gesellschaftlichen Sensibilisierung nicht aussterben. Die Erinnerung an die Alternativen - grün oder gelb - würden den Menschen dabei abtrainiert, meint sie. 

(inh)

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