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Lesart | Beitrag vom 12.03.2020

Preis der Leipziger Buchmesse verkündetLutz Seiler ausgezeichnet in der Kategorie Belletristik für "Stern 111"

Moderation: Joachim Scholl

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Porträt von Lutz Seiler vor schwarzem Hintergrund. (Getty Images / Thomas Lohnes)
Preisträger in der Kategorie Belletristik: Lutz Seiler mit "Stern 111". (Getty Images / Thomas Lohnes)

Der Schriftsteller Lutz Seiler erhält den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman „Stern 111“. Bettina Hitzer wird ausgezeichnet in der Kategorie Sachbuch/Essayistik für „Krebs fühlen“, Pieke Biermann für ihre Übersetzung des Romans „Oreo“ von Fran Ross aus dem amerikanischen Englisch.

Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden in diesem Jahr in einem besonderen Rahmen bekannt gegeben: in der Sendung "Lesart" von Deutschlandfunk Kultur. Denn die Buchmesse selbst findet nicht statt - Grund ist der Coronavirus.

Preisträger in der Kategorie Belletristik ist Lutz Seiler mit seinem Roman "Stern 111". *

Mit dem Preisträgerbuch in den Händen jubelt das Team bei Suhrkamp.  (Suhrkamp)Die Mitarbeiter von Suhrkamp erhielten die frohe Nachricht über das Stern 111 Radio, welches auch dem preisgekrönten Buch den Titel gibt. (Suhrkamp)

"Dieser Roman leuchtet auf jeder Seite", sagt Jurorin Wiebke Porombka zur Begründung. Es sei ein kunstvolles Buch, das von dem sich binnen kurzem verändernden Herzschlag der Mitte Berlins erzähle. "Seilers große kunstvolle Erzählung zieht in den Bann des Möglichkeitsraums Berlin nach '89. Literarische Geschichtsschreibung zwischen Traumwandeln und Hausbesetzen - hier wird sie eindringlich im allerbesten Sinne", urteilte die Jury. Lutz Seiler wurde 1963 im thüringischen Gera geboren. Er lebt in Berlin und Stockholm.

Die Historikern Bettina Hitzer (imago/teutopress)Die Historikern Bettina Hitzer – ausgezeichnet in der Kategorie Sachbuch. (imago/teutopress)

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik gewinnt Bettina Hitzer mit ihrem Buch "Krebs fühlen - Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts". Die Jury würdigte ihren "fruchtbaren Ansatz der Geschichtswissenschaft". So facettenreich sei das Erleben, Erforschen und Behandeln der Krankheit Krebs in Deutschland noch nie beleuchtet worden. Sie schreibe nicht nur über Emotions- und Medizingeschichte, sondern auch vom gesellschaftlichen Wandel beim Umgang mit Krebs.

Preisträgerin in der Kategorie Übersetzung ist Pieke Biermann. Sie übersetzte aus dem amerikanischen Englisch "Oreo" von Fran Ross. Der 1974 erschienene Roman thematisiert kulturelle Identitäten. Die 16-jährige Protagonistin, Tochter einer schwarzen Mutter und eines jüdischen weißen Vaters, wächst in Philadelphia als doppelte Außenseiterin auf und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater. "Wie Pieke Biermann diesen temperamentvollen Text voller jiddischer Anleihen und Südstaaten-Slang übersetzt hat, ist ein einziger Genuss", so die Jury.

Die Übersetzerin und Schriftstellerin Pieke Biermann bei uns im Funkhaus (Deutschlandradio / M. Hucht)Zweite Preisträgerin: die Übersetzerin und Schriftstellerin Pieke Biermann. (Deutschlandradio / M. Hucht)

Preisträgerinnen
Sachbuch/Essayistik: Bettina Hitzer mit "Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts"
Übersetzung: Pieke Biermann – übersetzte aus dem amerikanischen Englisch "Oreo" von Fran Ross
Belletristik: Lutz Seiler mit "Stern 111"

Alle Nominierten in den drei Kategorien:

Belletristik
Verena Güntner:
 "Power"
Maren Kames: "Luna Luna"
Leif Randt: "Allegro Pastell"
Ingo Schulze: "Die rechtschaffenen Mörder"
Lutz Seiler: "Stern 111"

Sachbuch/Essayistik
Bettina Hitzer:
 "Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts"
Michael Martens: "Im Brand der Welten. Ivo Andrić. Ein europäisches Leben"
Armin Nassehi: "Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft"
Julia Voss: "Hilma af Klint – »Die Menschheit in Erstaunen versetzen«. Biographie"
Jan Wenzel (Hg.): "Das Jahr 1990 freilegen"

Übersetzung
Pieke Biermann
 – übersetzte aus dem amerikanischen Englisch "Oreo" von Fran Ross
Luis Ruby – übersetzte aus dem brasilianischen Portugiesisch "Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau. Sämtliche Erzählungen I" von Clarice Lispector
Andreas Tretner – übersetzte aus dem Bulgarischen "Die Sanftmütigen" von Angel Igov
Melanie Walz – übersetzte aus dem Englischen "Middlemarch. Eine Studie über das Leben in der Provinz" von George Eliot
Simon Werle – übersetze aus dem Französischen "Der Spleen von Paris. Gedichte in Prosa sowie frühe Dichtungen" von Charles Baudelaire

Der Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Er ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Die Jury bildeten in diesem Jahr: Jens Bisky (Vorsitz), Katharina Herrmann, Tobias Lehmkuhl, Wiebke Porombka, Marc Reichwein, Katrin Schumacher und Katharina Teutsch.

Der "Bücherfrühling" kommt aus Berlin

Trotz der Messe-Absage sendet Deutschlandfunk Kultur bis Sonntag ein umfangreiches Literatur-Sonderprogramm. Der "Bücherfrühling" findet am 14. März auf der Messe im REH in Berlin statt: Unter dem Motto "Sechs Autoren und sechs Bücher in drei Stunden" sprechen unsere Moderatorinnen und Moderatoren von 13.05 bis 16.00 Uhr mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern über ihre Bücher. Mit dabei sind Lutz Seiler, Ingo Schulze, Ulla Lenze, Irina Liebmann, Bov Bjerg und Abbas Khider, die auch aus ihren aktuellen Werken lesen.

Im vergangenen Jahr ging der Preis für Belletristik an Anke Stelling für "Schäfchen im Trockenen". Den Preis für Sachbuch/Essayistik erhielt 2019 Harald Jähner für "Wolfszeit - Deutschland und die Deutschen 1945-1955". Eva Ruth Wemme wurde ausgezeichnet für ihre Übersetzung des Romans "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu aus dem Rumänischen.

*An dieser Stelle haben wir den Beitrag gekürzt.

Weitere Informationen zum Preis der Leipziger Buchmesse 2020 und der Vergabe am 12. März 2020 bei Deutschlandfunk Kultur finden Sie auf der Webseite der Leipziger Buchmesse.

Lutz Seiler gewinnt für "Stern 111" den Preis der Leipziger Buchmesse. Seiler sei eine "verschobene Idee der sozialistischen Utopie" wichtig, "die sich hält, wenn alle anderen Systeme weggebrochen sind", sagte Hubert Winkels, Leiter der Deutschlandfunk Literaturredaktion, im Dlf über das Buch. Dies ginge nur kurze Zeit gut, sei währenddessen aber so etwas wie der "Himmel auf Erden". Hören Sie hier das gesamte Gespräch:

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