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Lesart | Beitrag vom 13.04.2021

Preis der Leipziger BuchmesseDas ist die Shortlist

Wiebke Porombka und Christian Rabhansl im Gespräch mit Andrea Gerk

Fünfzehn verschiedene Cover sind auf einem hellorange farbenem Hintergrund aufgereiht (Verlag Walther König, Literaturverlag Droschl, Suhrkamp Verlag, Die Andere Bibliothek, Guggolz Verlag, dtv, Secession-Verlag, Rowohlt Verlag, Kiepenheuer & Witsch, S. Fischer Verlag, Deutsche Verlags-Anstalt, Matthes & Seitz Berlin, Verlag Antje Kunstmann)
Die Shortlist des Leipziger Buchpreises im Jahr 2021: Was ist von der Auswahl zu halten? (Verlag Walther König, Literaturverlag Droschl, Suhrkamp Verlag, Die Andere Bibliothek, Guggolz Verlag, dtv, Secession-Verlag, Rowohlt Verlag, Kiepenheuer & Witsch, S. Fischer Verlag, Deutsche Verlags-Anstalt, Matthes & Seitz Berlin, Verlag Antje Kunstmann)

Die Jury hat entschieden, welche 15 Titel ins Rennen um den Preis der Leipziger Buchmesse gehen. Bis Ende Mai steigt die Spannung. Dann werden die Gewinner in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung gekürt.

Auch wenn das große Messespektakel vor Ort nicht stattfinden kann: Der Preis der Leipziger Buchmesse wird auch im Jahr 2021 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen auszeichnen und ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert.

Nun hat die Jury die je fünf Nominierten in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung bekannt gegeben. Was steckt in der Shortlist? Das Urteil von Literaturredakteurin Wiebke Porombka und Sachbuchredakteur Christian Rabhansl fällt durchwachsen aus.

Belletristik
Iris Hanika: "Echos Kammern", Literaturverlag Droschl
Judith Hermann: "Daheim"
, S. Fischer Verlag
Christian Kracht: "Eurotrash",Kiepenheuer & Witsch
Friederike Mayröcker: "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete", Suhrkamp Verlag
Helga Schubert: "Vom Aufstehen", dtv

Zur Shortlist meint Literaturredakteurin Wiebke Porombka: "Was vor allem augenfällig ist und wie eine programmatische Entscheidung der Jury erscheint: Unter den Belletristik-Nominierungen ist keiner der Romane, über die in diesem Frühjahr viel gesprochen wurde und die man unter dem Stichwort Identitätspolitik subsumieren könnte. Bücher etwa von Sharon Dodua Otoo oder Mithu Sanyal.

Und auch jenseits dessen wirft die Liste doch größtenteils zusätzliches Licht auf Bücher, die ohnehin im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Christian Krachts 'Eurotrash', Helga Schubert 'Vom Aufstehen' stehen schon auf der Spiegel-Bestsellerliste. Judith Hermanns 'Daheim' wird sicher bald folgen. 

Und da ist man dann bei einer Grundsatzfrage, was die Kuratierung einer solchen Liste angeht. Natürlich muss man eigentlich sagen: Es geht, vollends kontextlos, nur um die Qualität einzelner Bücher. Und die sind im Falle dieser fünf Belletristik-Nominierungen ganz hervorragend.

Aber gerade in einer Zeit, in der es neue Bücher und junge Autoren pandemiebedingt so viel schwerer haben als sonst, hätte ich mir schon gewünscht, dass die ein wenig mehr bedacht werden. Friederike Mayröcker etwa ist eine vielfach ausgezeichnete Autorin, die ich natürlich verehre. Aber ich bin mir nicht sicher: Braucht sie eine Leipziger Liste?"

Sachbuch/Essayistik
Heike Behrend: "Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung", Verlag Matthes & Seitz
Dan Diner: "Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg", Deutsche Verlags-Anstalt
Michael Hagner: "Foucaults Pendel und wir. Anlässlich einer Installation von Gerhard Richter", Verlag Walther König
Christoph Möllers: "Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik", Suhrkamp Verlag
Uta Ruge: "Bauern, Land. Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang", Verlag Antje Kunstmann

Zur Shortlist meint Sachbuchredakteur Christian Rabhansl: "Eine grundsolide Liste mit fünf guten Büchern, die viele Leserinnen und Leser verdienen. Mir stellt sich trotzdem die Frage: Ergeben gute Bücher automatisch eine gute Liste? Eine Liste von Titeln, die wir jetzt, im Frühjahr 2021, zwingend lesen müssen?

Ich vermisse die Thesen und Themen, die dieses Jahr bestimmen: Bücher zum grassierenden Antisemitismus, wie die Pandemie unsere Gesellschaft gefährdet, zur Rassismus-Debatte, zum Abdriften von Teilen der Bevölkerung in eine geistige Parallelwelt voller Verschwörungen, zum Feminismus und mehr. Bitte nicht missverstehen: Alle fünf Bücher sind gut und haben auf den zweiten Blick dann doch einen Gegenwartsbezug.

In der Zusammenstellung wirkt die Liste auf mich aber allzu zeitlos, als habe sich die Jury ins Grundsätzliche flüchten wollen."

Übersetzung
Ann Cotten
– übersetzte aus dem Englischen "Pippins Tochters Taschentuch" von Rosmarie Waldrop
Frank Heibert und Sonja Finck – übersetzten aus dem Französischen (Québec) "Der große Absturz. Stories aus Kitchike" von Louis-Karl Picard-Sioui
Hinrich Schmidt-Henkel – übersetzte aus dem Norwegischen "Die Vögel" von Tarjei Vesaas
Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren – übersetzten aus dem Englischen "USA-Trilogie. Der 42. Breitengrad / 1919 / Das große Geld" von John Dos Passos
Timea Tankó – übersetzte aus dem Ungarischen "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" von Miklós Szentkuthy

Am 28. Mai werden die drei Gewinner gekürt. Die Jury mit Jens Bisky an der Spitze musste ihre Auswahl aus insgesamt 389 eingereichten neuen Buchtiteln treffen.

(hum)

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