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Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.02.2021

Prager Radio-Sinfonieorchester spielt Weber, Poulenc und BeethovenBöhmischer Wald mit schönster Stadt

Moderation: Ulrike Klobes

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Blick über einen grünen Hügel zur Stadt Prag, die von der Moldau durchzogen wird. (IMAGO / Fotostand / Dostmann)
Prag war schon immer sehr anziehend - und es war die wichtigste Musikstadt Böhmens. (IMAGO / Fotostand / Dostmann)

Die drei Werke des Abends sind mit Böhmen und der Stadt Prag verbunden. Carl Maria von Weber war Prager Operndirektor, der Solist, Mahan Esfahani, wohnt neuerdings hier - und Beethoven hat in bester Laune bei Prag seine 4. Sinfonie niedergeschrieben.

Prag und seine Umgebung waren Ausgangspunkt für die Programmgestaltung des Abends.

Böhmische Sagenwelt

Zum Auftakt die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz", die jene Geschichte des jungen Jägers Max erzählt, der sich in den Tiefen des Böhmer Waldes mit dem Teufel verbündet, um die Hand seiner Geliebten zu erlangen. Weber ließ sich hier von einer Volkssage inspirieren, die er in der Zeit, als er in Prag Operndirektor war, kennenlernte.

Außenansicht des Ständetheaters in Prag, ein klassizistischer Bau, in grün gehalten wurde 1783 als Nostitzsches Theater eröffnet. (picture-alliance / dpa / CTK Hajsky Libor)Am Ständetheater in Prag war Carl Maria von Weber drei Jahr Operndirektor. In seinem traditionsreichen Haus wurde einst der "Don Giovanni" von Mozart uraufgeführt. (picture-alliance / dpa / CTK Hajsky Libor)

Schon bald nach ihrer Uraufführung im Juni 1821 in Berlin wurde die Oper zum erfolgreichsten Bühnenwerk Webers und erlebte schnell weitere Aufführungen in Wien, Leipzig, Karlsruhe und Prag.

Zarter Klang für Rückbesinnung

Beim "Concert champêtre" wählte Francis Poulenc das völlig aus der Mode geratene Cembalo als Soloinstrument. Damit war klar: Poulenc wandte sich 1928 mit diesem Konzert vergangenen Zeiten zu. Denn das dynamisch vielseitigere Klavier hatte seit mehr als 100 Jahren dem zartklingenden Cembalo den Rang abgelaufen.

Und so wirkt das "Concert champêtre" stellenweise auch wie ein Gruß aus einer längst vergangenen Epoche. Allerdings wäre Poulenc nicht Poulenc gewesen, hätte er es nicht verstanden, auf überaus gekonnte und gewitzte Weise, Barock und Moderne miteinander in Einklang zu bringen.

Prag als neue Heimat

Den Solopart übernahm Mahan Esfahani. Der aus Teheran stammende Cembalist, der in den USA aufgewachsen ist, hat in den 2010er-Jahren bei der tschechischen Cembalisten-Ikone Zuzana Růžičková in Prag studiert.

Mittlerweile gehört er zu den gefragtesten Cembalisten der Gegenwart. Dank seiner Lehrerin ist er mittlerweile selbst zum Wahl-Prager geworden.

Beethoven in Prag

Als drittes und letztes Werk stand die vierte Sinfonie in B-Dur von Ludwig van Beethoven auf dem Programm. Im Jahr 1806 hielt sich Beethoven viele Monate in den böhmischen Bädern und – auf Einladung seines Freundes und Gönners, Fürst Carl von Lichnowsky – auf dessen Schloss Grätz im heutigen Hradec nad Moravicí im Osten Tschechiens auf.

Zwei Mal besuchte er in dieser Zeit auch Prag. Beethoven erhoffte sich in den Badeorten Besserung für seine angegriffene Gesundheit, gleichzeitig arbeitete er aber auch eifrig an seiner vierten Sinfonie. Das Glücksgefühl, das er während dieser Monate aufgrund seiner Liebe zur Comtesse Josephine Brunsvik empfunden haben mag, dürfte ein Grund sein, warum seine Vierte einen ungewöhnlich freundlichen und hellen, ja fast schon idyllischen Grundcharakter aufweist.

Aufzeichnung vom 18. Januar 2021 im Rudolfinum Prag

Carl Maria von Weber
Ouvertüre zur Oper "Der Freischütz" op. 77

Francis Poulenc
"Concert champêtre" für Cembalo und Orchester FP 49

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60

Mahan Esfahani, Cembalo
Prager Radio-Sinfonieorchester
Leitung: Alexander Liebreich

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