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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.07.2017

Porträtkonzert Juan Allende-BlinBald 90 und noch nicht leise

Aufzeichnung vom 29.6.2017 aus der Akademie der Künste Berlin

Der Komponist und Musikpublizist Juan Allende-Blin (Jan Rothstein/privat)
Der Komponist und Musikpublizist Juan Allende-Blin (Jan Rothstein/privat)

Aktiv politisch engagiert, weit über das eigene Schaffen hinaus: Juan Allende-Blin, 1928 in Chile geboren, seit 1951 in Deutschland lebend, bezieht nicht nur als aktiver Künstler, sondern auch als Publizist und Forscher Stellung.

Als Zeuge fast eines Jahrhunderts war er vor einem reichlichen Jahr bereits Gesprächspartner unserer Sendereihe "Begegnungen" – nun  ist er mit der Uraufführung einer Kantate für Bariton und vier Instrumente wieder als aktiver Komponist zu erleben. Gewidmet ist sie dem expressionistischen Dichter Jakob van Hoddis, der in den späten Kaiserjahren die Literaturszene Berlins aufmischte und 1942 – psychisch labil und außerdem jüdischer Herkunft, in den Augen der Nazis also mit einem doppelten Makel behaftet – in Sobibor ermordet wurde.

Natürlich ist es kein Zufall, dass sich Allende-Blin auch in seiner jüngsten Komposition wieder einer solch brisanten Persönlichkeit und Zeitkonstellation widmet: um die Schicksale verfolgter, exilierter und damit oft auch vergessener Künstler hat er sich schon seit Jahrzehnten leidenschaftlich gekümmert, und auch in seinen eigenen Werke thematisiert er immer wieder die Ausgrenzung von Randgruppen aus der "Mehrheitsgesellschaft". Dabei wirken nicht zuletzt seine eigenen Erfahrungen eines Künstlers mit, der sich, von seinen ursprünglichen Wurzeln abgeschnitten, in der internationalen Nachkriegs-Avantgarde eine neue geistige Heimat suchen musste und sich außerdem auch durch seine Lebens- und Künstlerpartnerschaft mit dem 2014 verstorbenen Komponistenkollegen Gerd Zacher außerhalb der gängigen Gesellschaftsnormen bewegte. So ist es nicht mehr als folgerichtig, dass auch Zacher an diesem Abend mit zwei Werken zu Wort kommt – doppelt anrührend in diesen Tagen, wo das Motto "gleiches Recht für jede Liebe" nicht nur eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Diskurs spielt, sondern nach jahrzehntelangen Kämpfen auch in Deutschland gesetzesfähig werden könnte.


Gerd Zacher

"Projektion" für Klavier

Pavel Haas

"Lieder aus dem Gefängnis" für Bariton und Klavier

Juan Allende-Blin

"Dans le silence", Kantate für Sopran und Klavier

Gerd Zacher

"Glossar" für Flöte und Klavier

Juan Allende-Blin

"Tortur - Hommage à Jakob van Hoddis", Kantate für Bariton, Flöte, Tenorsaxophon, Euphonium und Klavier

Uraufführung -  Auftragswerk der Antidiskriminierungsstelle des Bundes


Eva Nievergelt, Sopran

Tobias Müller-Kopp, Bariton

Roy Amotz, Flöte

Claudia Tesorino, Tenorsaxophon

Sören Fischer, Euphonium

Tomas Bächli, Klavier

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