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Literatur | Beitrag vom 15.09.2019

Porträt zu Cees NooteboomDer Augenmensch

Von Lore Kleinert und Mechthild Müser

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In der Eile hat Cees Nooteboom während einer Signierstunde auf der Frankfurter Buchmesse seinen Stift in den Mund gesteckt. (Picture Alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Der niederländische Autor Cees Nooteboom signiert auf der Frankfurter Buchmesse seine Bücher. (Picture Alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Cees Nooteboom ist selten zu Hause. Und wenn doch, dann kommen gleich drei Wohnungen und Häuser in drei Ländern in Betracht. Der Autor ist ein Sammler von Menschen, von Landschaften und auch ein Nomade der literarischen Gattungen.

"Es war nicht einfach, sich mit Cees Nooteboom zu verabreden. Ein halbes Jahr hat es gedauert." Lore Kleinert und Mechthild Müser klagen nicht. Sie wussten ja, wie umtriebig der niederländische Schriftsteller und Kosmopolit ist. Zumindest glaubten sie, es zu wissen, bis sie anfragten, wann sie ihn in Amsterdam besuchen könnten.

Peru, Italien, Niederlande

"Erst war er in Arequipa, Peru, auf einem Lyrikfestival und bei der Gelegenheit natürlich in Machu Picchu, der alten Inka-Ruinen-Stadt in zweieinhalbtausend Metern Höhe – nein, er schont sich nicht, auch nicht im hohen Alter. (…) Anschließend fuhr er nach Venedig, von dort in ein Ferienhaus von Freunden im Allgäu, um Ruhe zum Schreiben zu haben, und wieder nach Venedig, um sein Buch über die Lagunenstadt zu vollenden: 'Venedig – fluide Stadt'. (…) Und jetzt Amsterdam, fluide wie Venedig, aber ordentlicher und weniger feudal. Das Haus hat Nooteboom schon vor vielen Jahren gekauft. Sehr zentral gelegen. Sein Arbeitszimmer ist im fünften Stock. Im Giebel. Treppauf gehe es leichter als treppab, sagt er. Hält ja auch fit. Ein Arbeitszimmer mit Ausblick in den Himmel, das passt."

Neugieriger Nomade

Cees Nooteboom ist ein großer Reisender, ein neugieriger Nomade, unterwegs in der Welt zwischen Tradition und Moderne, in Städten, die noch nicht im Heute angekommen scheinen, in Kulturen, auf die er sich lesend vorbereitet hat und die vor Ort völlig Unverhofftes bieten. Nooteboom sammelt Länder und Landschaften, Begegnungen mit Menschen, und seine Eindrücke bringt er in vielfältigen Formen zu Papier: als Gedichte, Reiseberichte, Briefe und Erzählungen und als Romane, vielfach preisgekrönt. Die Reisen des Umtriebigen sind mit den Jahren kaum weniger geworden, und wenn er mal nicht reist, hält er sich abwechselnd in gleich drei Wohnungen oder Häusern auf – auf Menorca, im Allgäu und in Amsterdam.

Unruhe des Reisens

In den Niederlanden haben Lore Kleinert und Mechthild Müser ihn und seine Frau, die Fotografin Simone Sassen, besucht und mit ihnen gesprochen über den Verlust der Kindheit und das Gewicht der Erinnerung, über Bilder und Bücher, die Unruhe des Reisens und den Wert der Freundschaft.

Das Manuskript der Sendung finden Sie hier.

Eine Produktion von Radio Bremen 2018.

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