Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 15.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Zeitfragen | Beitrag vom 04.10.2019

Porträt der Autorin Rachel KushnerDie brutale Welt der Frauengefängnisse

Von Michael Hillebrecht

Beitrag hören Podcast abonnieren
Die Autorin Rachel Kushner hält ihr Buch "Ich bin ein Schicksal" in der englischen Variante in die Kamera. (imago stock&people / Ray Tang)
Rachel Kushner im Oktober 2018 in London mit der englischen Ausgabe ihres Romans "Ich bin ein Schicksal". (imago stock&people / Ray Tang)

Ihr zweiter Roman "Flammenwerfer" war 2013 ein Bestseller. Das neue Buch von Rachel Kushner handelt von einer Amerikanerin, die das Gefängnis nie wieder verlassen kann. Das Thema Gerichte und Gefängnisse habe sich ihr aufgedrängt, so Kushner.

Eine junge Frau sitzt im Gefängnis, das sie voraussichtlich nie mehr verlassen wird. Damit beginnt der neue Roman von Rachel Kushner "Ich bin ein Schicksal". Es ist der zweite Roman der US-amerikanischen Autorin, deren Roman "Flammenwerfer" 2013 gleich ein internationaler Bestseller wurde.

Für ihr neues Buch  hat sich Kushner in die brutale Welt der US-Gefängnisse begeben.

"Nachdem ich "Flammenwerfer" beendet hatte, fing ich an, mich für etwas Neues zu interessieren", sagt sie im Gespräch, "für Gerichte und Gefängnisse in Kalifornien. Es ging dabei noch gar nicht um meinen neuen Roman. Das Thema drängte sich mir einfach auf."

Ohne Aussicht auf Bewährung

Romy Hall, die Hauptfigur, wird zu zwei Mal lebenslänglicher Haft verurteilt, weil sie ihren Stalker erschlagen hat. Sie habe verstehen wollen, wie es ist, wenn man zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Bewährung verurteilt wird. Zwischen der Veröffentlichung von "Flammenwerfer" und "Ich bin ein Schicksal" vergingen fünf Jahre. Um sich mit der Strafjustiz und dem Gefängnissystem Kaliforniens besser vertraut zu machen, begann Kushner in dieser Zeit für eine Menschenrechtsorganisation zu arbeiten, die Gefangene im Frauengefängnis von Chowchilla betreut. Nach und nach entwickelte sich aus Kushners Erfahrungen bei der Arbeit mit Gefangenen die Idee für einen Roman.

"Chowchila ist mit 4000 Gefangenen das größte Frauengefängnis der Welt. Es ähnelt einem Männergefängnis, mit großen Wachtürmen und bewaffneten Posten darauf."

Schriftstellerin, keine Aktivistin

Kushner beschreibt nicht nur den tristen Alltag in einem kalifornischen Frauengefängnis. Ihr Roman wechselt mehrfach die Perspektive, rollt die Vorgeschichte der Protagonistin auf und lässt daneben auch einen Gefängnislehrer, einen korrupten Polizisten und - in Rückblenden – den getöteten Stalker zu Wort kommen. Dass das Gefängnissystem, so wie es derzeit betrieben wird, nicht funktioniert, wird dabei  offensichtlich. Auch wenn es Kushner so im Roman nie formulieren würde. "Ich bin Schriftstellerin, keine Aktivistin".

Das Manuskript zur Sendung erhalten Sie hier.

Mehr zum Thema

Roman "Flammenwerfer" - Zwischen Kunst und Revolte
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 08.05.2015)

Rachel Kushner über US-Gefängnisse - "Dort kann man es sich nicht erlauben, sentimental zu sein"
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 20.06.2019)

Zeitfragen

Der Hund und wirEine tierisch große Liebe
Ein Hund auf dem Arm seiner Besitzerin in einem aufeinander abgestimmten, rosa Kostüm. (Getty Images / Eduardo Munoz Alvarez)

Hunde sind die besseren Menschen – behaupten jedenfalls so einige Tierliebhaber. Das mag übertrieben sein. Aber Hunde sind ziemlich gute Beziehungsberater. Denn in Sachen Kommunikation und Zusammenleben können wir noch einiges von ihnen lernen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur