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Tonart | Beitrag vom 20.11.2018

Popsongs in VideogamesPlay it!

Von Christian Schiffer

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José Gonzáles Song "Far Away" wird in "Red Dead Redemption"genau dann gespielt, wenn man das erste Mal auf seinem digitalen Gaul die Grenze nach Mexiko überschreitet. (Deutschlandradio / Screenshot /  GamingWithOva)
Wenn man in "Red Dead Redemption" das erste Mal auf seinem digitalen Gaul die Grenze nach Mexiko überschreitet, wird der Song "Far Away" gespielt. (Deutschlandradio / Screenshot / GamingWithOva)

Russische Schweinesongs, sphärische Klangteppiche oder fiktive Radiostationen – Musik und Sound spielen in Computerspielen eine immer wichtigere Rolle. Nicht nur Songs von Popmusikern auch interaktive Klangkompositionen liefern den Soundtrack der Games.

Dass Musiker exklusive Songs zu Videospielen beisteuern, ist gar nicht mehr so ungewöhnlich. Und genau wie bei "Unshaken" von D'Angelo handelt es sich bei solchen Songs keineswegs um Ausschussware, die es früher nicht mal auf die B-Seite der siebten Single-Auskopplung geschafft hätte.

Der Blubber-Elektro-DJ Hudson Mohawke hat zum Spiel-Hit "Watch Dogs 2" sogar ein eigenes Album herausgebracht und schon vor acht Jahren, da produzierte Jose Gonzales den Song "Far Away" zum allerersten "Red Dead Redemption". Der Song wurde genau dann gespielt, wenn man das erste Mal auf seinem digitalen Gaul die Grenze nach Mexiko überschritt.

Ein erhabener Moment, der sich ins kollektive Spielegedächtnis eingebrannt hat – und der vielleicht beste José-Gonzáles-Song überhaupt. Der Song untermalt die Weite, die sich in "Red Dead Redemption" dem Spieler präsentiert, er wabert um die Gipfel, streichelt die heiße Luft der kargen Landschaft aus Bits & Bytes."Red Dead Redemption 1" hat sich damals über 14 Millionen mal verkauft und die Musik von José Gonzáles in Winkel getragen, in denen man von dem schwedischen Singer-Songwriter noch nie etwas gehört hatte.

Fame dank Game

Klar: Videospielsoundtrack sind für Musiker eine willkommene Promo, ganz ähnlich wie Film – und Seriensoundracks. Wer es schafft, als Menü- oder Intromusik in Megasellern, wie etwa der FIFA-Reihe, zu landen, dessen Musik ist auf der ganzen Welt zu hören.
Und für kaum ein Spiel gilt das so sehr wie für die Spielereihe Grand Theft Auto, kurz: GTA, für dessen fünften Teil der Elektro-Frickler "Flying Lotus" einen exklusiven Track beigesteuert hat.

Auch GTA ist ein Spiel in einer offenen Welt, allerdings im Hier und Jetzt. In GTA verbringt man viel Zeit im virtuellen Auto, weshalb die Firma Rockstar-Games für dieses Spiel extra verschiedene Radiosender produziert, moderiert von Promis wie Axel Rose oder Karl Lagerfeld.

Ein Schweinesong als Soundtrack

2008 brachte es der Song "Schweine" der russischen Popsängerin Glokoza dank des Spiels GTA4 zu einer gewissen Bekanntheit. Doch an dem Song zeigt auch ein Problem: Die Nutzungslizenzen vieler Musikstücke sahen eine Laufzeit von zehn Jahren vor und so werden demnächst 50 Musikstücke aus dem Spiel fliegen.

Der Hersteller hat allerdings angekündigt für Ersatz sorgen zu wollen. Im Zuge dessen wurde bekannt, wie viel Computerspielhersteller für einzelne Songs an Lizenzkosten bezahlen: Zwischen Null und 30.000 Dollar – heißt es zumindest. Denn sowohl Spiele – als auch Musikindustrie halten sich überaus bedeckt, was ihre Deals angeht.

Computerspiele als PR-Vehikel

Klar allerdings ist, dass immer mehr Musiker Computerspiele als PR-Vehikel entdecken und sogar eigene Spiele herausbringen. Auch das ist an sich nicht neu, 1982 erschien ein eigener Arkade Automat der Band Journey.

Mittlerweile sind sowohl das Designen eines Computerspiels, als auch der Vertrieb allerdings sehr viel einfacher geworden und so gibt es nun schon drei Computerspiele von Iron Maiden, ein hübsches kleines Pixel-Adventure der amerikanischen Indie-Band "Okkervil River", interaktive Musikvideos von "Arcade Fire" und natürlich ein Album als App von Björk, das aber mehr Kunstinstallation ist, auf der man mit seinem Daumen herumdrücken kann, als echtes Computerspiel.

Interaktive Musikkompositionen

Musik für echte Computerspiele zu machen, das ist nämlich gar nicht immer ganz einfach. Klar, es gibt Musik für Menüs, es gibt die virtuellen Radiosender oder Zwischensequenzen, die mit bekannter Popmusik untermalt werden. Aber dann gibt es natürlich noch die Musik, die einen beim Spielen begleitet und die sich anpassen muss, je nachdem ob es gerade ruhig zu geht oder hektisch.

Im Weltraumspiel "No Mans Sky" verschmilzt der milchglasige Sound der Postrockband 65daysofstatic mit der Spielmechanik, jeder Song hört sich etwas anders an und eigentlich kann man auch nicht mehr von Songs sprechen, sondern von einem einzigen sphärenhaften Klangteppich. Samples aus unzähligen Studiosessions wurden hierfür durch spezielle Algorithmen modifiziert und neu zusammengesetzt. Und so sorgen Computerspiele nicht nur für neue PR - oder Vertriebsmöglichkeiten, sondern auch für ganz neue Formen von Musik.

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