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Studio 9 | Beitrag vom 26.03.2018

Polizei in der GroßstadtStreife auf dem Fahrrad

Von Wolf Sören Treusch

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2421391602_Polizeikommissare auf Fahrrädern_Oliver Konieczny (li.) und Ronny Theil 02.jpg (Wolf Sören Treusch)
Polizeikommissar Ronny Theil und sein Kollege Oliver Konieczny (Wolf Sören Treusch)

Die Fahrradstaffel der Berliner Polizei wird vergrößert: Die Akzeptanz ist hoch, der Erfolg anhaltend und die Beamten sind nah dran am Geschehen und reagieren schnell. Mindestens so wichtig: Es menschelt plötzlich wieder mehr.

"Pistole, Reizstoffsprühgerät, Rettungsmehrzweckstock, Ersatzmagazin, Funkgerät, schusssichere Weste"

Da kommt einiges zusammen, was Polizeikommissar Ronny Theil und sein Kollege Oliver Konieczny auch auf ihren Dienst-Fahrrädern mit sich tragen.

Sehen und gesehen werden

Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die beiden in eher gemütlichem Tempo radeln. Sehen und gesehen werden ist ihr oberstes Prinzip. Und dicht am Geschehen sein. Keine fünf Minuten, da kreuzt am Hauptbahnhof der erste Verkehrssünder ihren Weg.

"Der Mofafahrer eben fährt über den Radweg rüber, durch dieses Einfahrt-Verbot, ist er ganz schnell an seinem Zug, aber einfach verkehrswidrig."

Fahrradaktion auf dem Champs Elysees in Paris (imago /panoramic)"Die Polizei muss endlich im 21. Jahrhundert ankommen", sagen die Vertreter der Pariser Stadtverwaltung, wenn es um Verkehrspolitik in der Metropole geht. (imago /panoramic)

Der junge Mann auf dem Motorroller ist verblüfft, als die beiden Polizisten neben ihm halten. Radfahrer in Uniform? Noch nie gesehen. Freundlich und bestimmt stellt ihn Ronny Theil vor die Alternative: Personalien aufnehmen oder 20 Euro Sofortkasse.

"Wie viel Zeit brauchen Sie für EC-Zahlung?"

"Man war immer der Böse"

Der junge Mann macht nicht den Hauch eines Versuchs, seinen Verkehrsverstoß abzustreiten. Er hat es eilig und zahlt.

"Vom Funkwagendienst kannte ich es persönlich nur, kannten die Kollegen das auch: Man war immer der Böse. Irgendwie war man immer so der Böse, der einen abzocken will, der einem auflauert und was auch immer, aber mit dem Fahrrad ist das eine ganz andere Gesprächssituation gewesen, so dass auch derjenige, der bei rot gefahren ist und hundert Euro bezahlen musste, hinterher sich bedankt hat für die Aufmerksamkeit und die Zeit, die man ihm geschenkt hat."

Die beiden Kommissare in ihren grell-gelben Westen radeln weiter – vorbei an den Pfützen, die der Dauerregen des Vortages auf den Straßen hinterlassen hat. Seit mehr als drei Jahren gibt es die Fahrradstaffel der Berliner Polizei. Eine Untersuchung ergab, dass in ihrem Einsatzgebiet inzwischen deutlich weniger bei rot und auf Gehwegen geradelt wird und die Fahrradspuren auch nicht mehr so häufig von Autos zugeparkt sind.

Mit dem Rad auf Autojagd

"Schönen guten Tag, die Berliner Polizei. Sie stehen hier mit Ihrem Auto auf einem Radweg."

"Das gesprochene Wort ist bei uns in der Staffel mehr wert als jedes Knöllchen. Viele denken: ‚ah Fahrradstaffel, die jagen jetzt nur die Radfahrer’, nein. Das ist gar nicht unser Ziel, unser Ziel ist, dass der Radverkehr in dieser Stadt ooch anerkannt wird und dass man dem Radverkehr Aufmerksamkeit schenkt."

Am Straßenrand hat Oliver Konieczny einen SUV entdeckt, dem die grüne Umweltplakette fehlt. Kaum klemmt er das Knöllchen unter den Scheibenwischer, kommt der Fahrer. Er ist konsterniert, den Wagen hat er sich geliehen.

"Wat heißt’n det für mich jetzt hier?"

"80 Euro."

Eine neue Erfahrung für den Bürger

Strafzettel von Polizisten auf Fahrrädern? Für diesen Bürger eine neue Erfahrung.

"Aber dass es das gibt, das wusste ich. Ja, ich habe damit kein Problem, ich finde das ganz gut. Wenn das Wetter schön ist, wenn das Wetter schiete ist, dann ist es natürlich doof."

Das Wetter ist kein Thema, sagen die beiden Polizisten. Und wenn es tatsächlich dauerhaft schüttet, haben sie noch einen Dienstwagen zur Verfügung. Heute haben sie Zeit, dem Fahrer eines Sightseeing-Busses zu helfen, die Türen seines Gefährts zu entriegeln. ‚Die Polizei, dein Freund und Helfer’ – jetzt gilt er wieder, der alte Spruch. Findet Ronny Theil.

"Wir sind ansprechbar, wir sind da, wir sind sichtbar, und das ist unser großes Plus."

"Red Traffic Light: Stop"

Sein Kollege tritt plötzlich in die Pedale. An einer Ampelkreuzung ist ein Radfahrer bei rot rechts abgebogen, er nimmt die Verfolgung auf. Schon nach wenigen Metern hat Oliver Konieczny den Verkehrssünder eingeholt. Es ist ein Tourist aus Kanada, der erklärt: In seiner Heimat sei es erlaubt, bei rot rechts abzubiegen. Der Ordnungshüter lässt ihn mit einer Belehrung davonkommen.

"Okay. Now you know it. In Germany red traffic light: stop! No turn right, turn left, always stop!"

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