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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.01.2021

Politologin über das Eigentum"Die Eigentumsverhältnisse sind politisch zunehmend umstritten"

Silke van Dyk im Gespräch mit Nicole Dittmer

Ein Chart aus der Welt der Wirtschaft, der Wachstum anzuziegen scheint. (imago images / Imaginechina-Tuchong)
Reichtum konzentriert sich immer stärker. Politologin Silke van Dyk sieht eine Renaissance des Themas Eigentum. (imago images / Imaginechina-Tuchong)

Angesichts von großer sozialer Ungleichheit auf der Welt kommt das Thema Eigentum wieder auf. Die Soziologin Silke van Dyk über einen Strukturwandel, in dem auch die Frage auftaucht, wem eigentlich der Wind gehört.

Die soziale Ungleichheit in der Welt bleibt ein Problem: Während das Vermögen einiger weniger Menschen immer schneller wächst, muss die große Mehrheit der Weltbevölkerung mit immer weniger auskommen. In Zahlen, die die internationale Hilfsorganisation Oxfam regelmäßig vorlegt, heißt das aktuell: Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt 45 Prozent des weltweiten Reichtums, die ärmere Hälfte hat nicht einmal ein Prozent des Vermögens. 26 Milliardäre verfügen über so viel Eigentum wie die ärmere Hälfte der gesamten Menschheit zusammen. Das wirft unter anderem die Frage auf, wie zeitgemäß privates Eigentum noch ist. 

Anzeichen für einen Strukturwandel beim Eigentum

Silke van Dyk, Professorin für politische Soziologie, beschäftigt sich im Sonderforschungsbereich "Strukturwandel des Eigentums" an den Universitäten Jena und Erfurt mit dem Thema. Derzeit würden sich gerade mehrere Entwicklungen parallel verdichten, die für einen Strukturwandel des Eigentums sprächen, sagt sie.

Ein Phänomen sei die Vermögenskonzentration; ein weiteres, dass Eigentumsverhältnisse politisch zunehmend umstritten seien; hinzu komme die Digitalisierung in der Wissens- und Bioökonomie – wenn etwa Eigentum geteilt werde oder sich durch die Energiewende die Frage stelle, wem eigentlich der Wind gehöre.

"Es gibt Eigentumsobjekte wie den Wind, die vorher niemand besessen hat, und nun stellt sich die Frage, wer darauf zugreifen kann", weist van Dyk auf neue Forschungsfragen hin. Und in der Sharing Economy mache ein Unternehmen große Gewinne, nicht, weil es Objekte wie Autos besitze, sondern indem es Zugänge reguliere.


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Auch bei Immobilien werde die Eigentumsfrage inzwischen stärker thematisiert, sagt sie: etwa bei der Kampagne "Deutsche Wohnen enteignen", die auf eine Enteignung einer bestimmten Gruppe von Immobilienbesitzern abzielt. Die Bedeutung von Wohnen und Immobilienbesitz für die soziale Frage sei stärker ins Bewusstsein getreten, meint die Forscherin.

Einkommen und Mietvertrag

Während sich lange der Blick immer stark auf das Haushaltseinkommen gerichtet habe, zeige sich nun: "Für die soziale Lage eines Haushalts ist nicht nur das Einkommen entscheidend, sondern die Frage: Was hat man für einen Mietvertrag? Wohnt man schon lange in einer günstigen Wohnung?" Das Thema Eigentum sei nicht mehr nur in der linken Nische verortet, betont van Dyk.

(mfu)

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