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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.04.2008

Politologe sieht in Rentendebatte Gefahr für sozialen Frieden

Christoph Butterwegge empfiehlt Bürgerversicherung nach Schweizer Vorbild

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Butterwegge: Rentner werden an den Pranger gestellt. (AP)
Butterwegge: Rentner werden an den Pranger gestellt. (AP)

Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge kritisiert vor dem Hintergrund der aktuellen Rentendiskussion die Ungleichverteilung von Reichtum in der Gesellschaft. Die Scheidelinie verlaufe nicht zwischen Jungen und Alten, sondern zwischen Armen und Reichen, sagte Butterwegge. Mit der Debatte über eine Rentnerdemokratie werde davon abgelenkt.

Es werde übertrieben, dramatisiert und Stimmung gemacht. Rentnerinnen und Rentner würden an den Pranger gestellt. Das schade dem sozialen Frieden.

Der Wissenschaftler kritisierte, dass Ängste sowohl bei den Jungen, als auch bei den Alten geschürt würden. Den Jungen werde eingeredet, ihre Rente werde mit Sicherheit nicht mehr gezahlt werden, und auf der anderen Seite würden sie gegen Rentnerinnen und Rentner ausgespielt. Beide hätten aber "ein Interesse daran, dass der Sozialstaat erhalten bleibt und damit natürlich auch eine sichere Altersvorsorge".

Aus Sicht von Butterwegge ist nicht die Demografie entscheidend, sondern die Ökonomie. Es gehe darum, wie der gesellschaftliche Reichtum auf die verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft verteilt werden, auch auf die verschiedenen Altersgruppen und Generationen: "Das Problem ist, dass der Reichtum immer ungleicher in jeder Generation verteilt wird. Wir haben auf der einen Seite zunehmend Kinderarmut, auf der anderen Seite gab es auch noch nie so viele reiche und wohlhabende Kinder, weil wohlhabende und reiche Menschen auch aus steuerrechtlichen Gründen einen Teil ihres Vermögens schon weiterverschenken bei Geburt ihrer Kinder."

Der Politikwissenschaftler, der an der Universität Köln lehrt, verwies auf den Weg, den die Schweiz mit einer sogenannten Bürgerversicherung geht, "dass Millionäre auch für die Altersvorsorge Gelder in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen müssen, ohne deshalb eine unbegrenzt hohe Altersrente selber zu bekommen, aber es findet mehr solidarischer Ausgleich statt."


Das Interview mit Christoph Butterwegge können Sie mindestens bis zum 12. September 2008 in unserem Audio-on-demand-Angebot nachhören. (MP3-Audio)

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