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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 11.02.2020

Politologe Albrecht von LuckeWarum Friedrich Merz für die CDU ein Risikokandidat ist

Moderation: Korbinian Frenzel

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Jens Spahn, Armin Lascht und Friedrich Merz auf dem Weg zu einer Pressekonferenz. (picture alliance/Federico Gambarini/dpa)
Gegenwärtig werden Jens Spahn, Armin Laschet und (im Bildhintergrund) Friedrich Merz als Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz gehandelt. (picture alliance/Federico Gambarini/dpa)

Armin Laschet, gefolgt von Friedrich Merz: So stehen nach Einschätzung Albrecht von Luckes die Chancen auf den CDU-Parteivorsitz. Gesundheitsminister Jens Spahn sieht der Politologe dagegen auf verlorenem Posten. Von einer Kanzlerkandidatur Merz' rät er ab.

Drei Kandidaten werden derzeit für die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Parteivorsitzende gehandelt: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke rechnet allerdings nicht mit einem Dreikampf: "Ich glaube, dass es letztlich nur auf Armin Laschet versus Friedrich Merz hinauslaufen kann", sagt er. "Ich glaube nicht, dass Jens Spahn – das sagen übrigens auch alle Umfragen – bisher die Akzeptanz in der Bevölkerung genießt."

Auch in der Partei hat Spahn nach Ansicht des langjährigen Redakteurs der "Blätter für deutsche und internationale Politik" offenbar nicht das erfordliche Standing - obwohl er immerhin bei der letzten Wahl des CDU-Vorsitzenden geschafft habe, auf dem dritten und letzten Platz dennoch nicht als abgeschlagen zu erscheinen.

Die größten Chancen auf den Parteivorsitz räumt von Lucke offenbar Armin Laschet ein: Nach seinem Eindruck stünden die Parteifunktionäre "in hohem Maße" hinter Laschet. Zudem rage dieser unter den CDU-Ministerpräsidenten heraus. 

Die CDU muss die Mitte halten

Das Argument, Armin Laschet stehe zu sehr für den liberalen Kurs der CDU in der Merkel-Ära, überzeugt von Lucke nicht. Im Gegenteil: Er sieht gerade darin den Grund, warum dieser am Ende gewinnen werde. Denn selbst wenn Friedrich Merz, wie dieser "groß getönt" habe, den Stimmanteil der AfD halbieren könnte - bei einer Kandidatur von Merz würde nach Einschätzung von Luckes umgekehrt die CDU-Mitte zu den Grünen oder zur SPD überlaufen.

Albrecht von Lucke im Porträt (imago/Sven Simon)"Eine ungemein hohe Wette" würde die CDU bei einem Rechtsruck eingehen, warnt Albrecht von Lucke. (imago/Sven Simon)

Hinzu kommt, dass Friedrich Merz als ehemaliger Aufsichtsratschef des Vermögensverwalters Blackrock Deutschland einen Mobilisierungsfaktor für anderen Parteien darstellen könnte, möglicherweise sogar für die AfD: "Weil viele der AfD-Leute genau in ihm die Verkörperung der Vermischung von Wirtschaft, von Kapital und Politik sehen würden" und Merz sich insofern für das von der AfD gern betriebene "Elitenbashing" eignen könnte.

"Diese Gefahr sehe ich in Merz durchaus, und deswegen wird die CDU klug beraten sein, zu sagen, wir müssen zunächst einmal diese Mitte halten. Wir dürfen den Platz, den Merkel für uns in der Mitte erobert hat und der uns immer noch die knapp 30 Prozent, die 27, 28 Prozent sichert – allerdings zusammen mit der CSU – die keine andere Partei auf die Waagschale bringt. Wenn man das dran gibt, geht man eine ungemein hohe Wette ein", warnt von Lucke.

(uko)

Albrecht von Lucke (*1967) ist Jurist und Politikwissenschaftler sowie politischer Publizist. Seit 2003 ist er Redakteur der politischen Monatszeitschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik".

Die gesamte Sendung "Der Tag mit Albrecht von Lucke" können Sie hier nachhören:

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