Das Feature, vom 15.05.2007

Politisches Feature"Ich wollte doch nur nach Hause"

Von Henry Bernhard

"Der schlimmste Schock war der Tag, als wir im Osten ankamen - also worst case! Ich wollte nach Hause - und dafür sperrten die mich ein!"

Thomas Raufeisen findet sich plötzlich auf der anderen Seite der Mauer wieder. (AP)
Thomas Raufeisen findet sich plötzlich auf der anderen Seite der Mauer wieder. (AP)

Thomas Raufeisen, in Hannover geboren, erfährt 1979 mit 16 Jahren auf einer fingierten Besuchsreise der Familie in die DDR, dass sein Vater ein Stasi-Spion im Westen ist, dem die Enttarnung droht. Der Junge ahnt, dass er nie wieder in den Westen kommen wird, dass er fortan eine Schule in der DDR besuchen wird, mit Staatsbürgerkundeunterricht und Wehrerziehung. Thomas eckt immer und überall an, mit 18 Jahren bekommt er ein Magengeschwür. Nach wenigen Monaten wird auch dem Vater klar, dass die DDR keine neue Heimat sein kann. Die Familie versucht, illegal zurück in den Westen zu gelangen - und landet 1982 im Stasi-Gefängnis Bautzen II. Der Vater lebenslänglich, die Mutter für sieben, der Sohn für drei Jahre. In der Haft voneinander isoliert, dürfen sie sich alle paar Monate für eine halbe Stunde sehen. Der Vater stirbt unter mysteriösen Umständen im Haftkrankenhaus, Thomas Raufeisen wird nach gut zwei Jahren freigekauft, seine Mutter sitzt die Strafe bis zum letzten Tag ab.

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