Das Feature, vom 18.10.2005, 19:15 Uhr

Politisches FeatureDie erfundene Jugendbewegung

Sing Out und die konservative Revolution
Von Hanno Krieg

1966 tauchen sie plötzlich in den Medien auf: 150 Mädchen und Jungen in adretten Kostümen und Anzügen. Mit strahlenden Gesichtern singen sie: "Die neue Jugend steht bereit, verliere keine Zeit", "Freiheit ist nicht umsonst". Adenauer empfängt sie, eine Konzerttournee beginnt, gefolgt von einer Schallplatte, ein Schulungszentrum wird eröffnet.

Konrad Adenauer freute sich über die konservativen Musikanten. (AP)
Konrad Adenauer freute sich über die konservativen Musikanten. (AP)

Mit ihrer "Folk-Beat-Show" wollen sie ihren Altersgenossen, den demonstrierenden Studenten, den "Anti-Kräften" entgegentreten und selbst für die "Modernisierung des Menschen und der Gesellschaft" werben. Beim Konzert im Audimax in Hamburg pfeifen die Studenten und versuchen die Bühne zu stürmen, während die abgestellten Bundeswehrsoldaten brav Applaus spenden.

Initiator der musikalischen Jugendbewegung ist die "Moralische Aufrüstung", eine ursprünglich christliche Erweckungsbewegung, die nach Kriegsende an der Umerziehung von Politikern mitwirkt, zu einer antikommunistischen Stoßtruppe verkommt und Mitte der 60er Jahre ihr Comeback versucht. Das dazu aus Amerika importierte Konzept von offensiver Beatmusik und Revolutionsrhetorik soll das Image eines muffigen Konservativismus vergessen machen.

Produktion: Deutschlandfunk 2005

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Manuskript: Die erfundene Jugendbewegung

 

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