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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.07.2017

Politikwissenschaftler Christian MeierReformer der deutschen Freimaurer

Moderation: Ulrike Timm

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Christian Meier, Großmeister der großen Loge Royal York zur Freundschaft, im Studio von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)
Christian Meier, "Großmeister der großen Loge Royal York zur Freundschaft", im Studio von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

Politikwissenschaftler Christian Meier gehört zu einer Freimaurer-Loge. Er möchte ihre Jahrhunderte alten Rituale und Traditionen reformieren - und fordert mehr Engagement auch in Bezug auf aktuelle politische Fragen.

Sie haben etwas Geheimnisvolles und irgendwie Verdächtiges. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Freimaurer. In Deutschland wurden sie während des Nationalsozialismus verboten. Und laut Vatikan ist es für Katholiken auch heute nicht erlaubt, zu den Freimaurern zu gehören. Der Politikwissenschaftler Christian Meier gehört seit 1996 zu einer Loge. "Im Gespräch" wendet er sich gegen das schlechte Image der Freimaurerei:

"Um es hier deutlich zu machen: Freimaurerei ist keine Religion, keine Religionsgemeinschaft. Wir haben keine Glaubensbekenntnisse, wir haben keine Dogmen. Wir feiern auch keine Gottesdienste. Wir sind nur bestimmten Werten und zwar dem Diesseits hier verpflichtet und nicht mehr und nicht weniger."

Die vier Grundpfeiler

Heute gibt es in Deutschland noch etwa 15.000 Menschen, die Mitglieder einer Freimaurer-Loge sind. Ihre Werte beruhen auf vier Grundpfeilern, sagt Meier:

"Der erste Grundpfeiler, den kann man umschreiben mit den Begriffen Freundschaft und Geselligkeit. Die zweite Säule sind ethische Werte. Die dritte Säule Symbole und Rituale. Und wenn Sie diese drei Elemente in ein ausgewogenes Konzept gießen, dann wird Freimaurerei zu einer Lebenskunst der Praxis."

Christian Meier ist ein sogenannter "Großmeister der Großen Loge Royal York zur Freundschaft". Die Aufgaben eines "Großmeisters" beschreibt er so:

"Es sind nicht in erster Linie verbandspolitische Aktivitäten, sondern der Großmeister hat sich um die lebendige Loge zu kümmern. Im Vergleich mit einem Pferdewagen heißt es, der Großmeister sitzt nicht auf dem Kutschbock, sondern er geht vorne ins Geschirr und zieht die Großloge mit den Logen, die ihm unterstellt sind."

Nach einer beruflichen Karriere als Experte für Russland bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik engagiert sich Meier seit über zehn Jahren für die Reform der Jahrhunderte alten Rituale und Traditionen der Freimaurer. So fordert er statt einer reinen Gesinnungsethik für seine stark humanistisch ausgerichtete Loge künftig mehr Verantwortungsethik auch in Bezug auf aktuelle politische Fragen.

Auch Frauen sind in der Freimaurerei aktiv

Und mit dem Klischee, dass Freimaurer-Logen reine Männerverbände seien, räumt er auf:

"Es gibt eine sehr aktive feminine Freimaurerei in Deutschland. Und ich würde in der Tat sagen, das ist vielleicht ein bisschen aus dem Fenster gehängt aber zutreffend die feminine Freimaurerei ist eine große Reserve, eine Kraftquelle für die Freimaurerei insgesamt."

 

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