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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.02.2018

Politiker Jan van Aken"Wir müssen klare Positionen haben"

Moderation: Katrin Heise

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Jan van Aken (Die Linke) (dpa/picture alliance/Paul Zinken)
Jan van Aken (Linke) (dpa/picture alliance/Paul Zinken)

Von 2009 bis 2017 saß Jan van Aken für Die Linke im Bundestag. Im letzten Jahr schied er freiwillig aus dem Parlament aus. Am meisten habe ihn das Taktieren gestört, sagt van Aken und fordert von den etablierten Parteien, sich klarer gegen die AfD zu positionieren.

Die Idee kam ihm in der Hängematte: Während der Elternzeit nach der Geburt seines dritten Kinds entdeckte der promovierte Biologe Jan van Aken das Thema Biowaffen für sich. Die Biowaffen brachten ihn dann als Inspektor zur UNO. Für den linken Aktivisten, der zuvor als Campaigner für Greenpeace gearbeitet hatte, war das eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Seine Kollegen bei der UNO seien entweder Militärs gewesen oder Geheimdienstler.

"Direkt neben mir da saß einer, der hat sechs Jahre lang den Atomkoffer für den amerikanischen Präsidenten getragen. Solche Leute gibt es wirklich und Du sitzt daneben und trinkst ein Bier mit dem. Als linker Linksradikaler hat man natürlich immer sein Bild Soldat und nichts weiter und es war schon so eine Annäherung, die war auch spannend für mich."

Spontan und autonom

Als Jugendlicher und junger Erwachsener hatte Jan van Aken sich im Umfeld der Autonomen politisiert, engagierte sich in der Hausbesetzer-Szene und reiste von einer Demonstration zur nächsten.

"Es war völlig unorganisiert damals, das war die Zeit der autonomen Jugendzentren in Westdeutschland und ja da waren wir halt alle mit unseren langen Haaren. Da waren die Hausbesetzung, wo wir auch mitgemacht haben. Da wurde gekifft, also alles was dazu gehört und dann eben gemeinsam auf die Demos. Das war jetzt nicht mit politisch organisierter Gruppen, sondern immer spontan, selbst organisiert, autonom."

2009 wurde der heute 56-Jährige Mitglied des Bundestages für die Partei Die Linke, wurde deren außenpolitischer Sprecher und blieb bis zum Ende der letzten Legislaturperiode, um dann freiwillig auszuscheiden. Am meisten habe ihn im Bundestag das "Taktieren" gestört.

"Das ist im Bundestag schon relativ schlimm, das finde ich negativ. Um ein Beispiel zu nennen, das betrifft jetzt nicht mich, weil ich bin jetzt Gott sei Dank nicht mehr im Bundestag. Aber wenn ich mir angucke wie diese Woche die Ausschussvorsitzenden der AfD gewählt worden sind, dann gibt es welche, die von der SPD, von den Grünen auch von den Linken die sagen, na ja man kann denn nicht ganz ausschließen. Man fängt auch an zu taktieren, abzuwägen, und diese reine parlamentarische Denken da verliert die Politik."  

"Mehr Kante zeigen!"

Seiner Ansicht nach sollten die Politiker viel deutlicher ihre Meinung artikulieren und Konflikte riskieren, "Kante zeigen"  – gerade im Hinblick auf die AfD und auch auf die Gefahr hin, dass diese sich dann als Opfer stilisierten.

"Man kann doch einen, der wirklich Nazi-Parolen verbreitet, den kann man einfach nicht wählen. Und wenn sich dann die AfD zum Opfer stilisiert, dann sollen sie es tun, aber wir müssen klare Positionen haben. Damit meine ich nicht, dass wir all die Menschen, die AfD gewählt haben, einfach vergisst und sagt Ok das sind alle Nazis. Sind sie nicht. Aber wer Nazi-Parolen verbreitet, da muss ich mit Nein stimmen und wer da anfängt schon wieder taktisch parlamentarisch und hinten dreimal um die Ecke … Ich finde das macht die Politik ja manchmal so anstrengend. Klare Positionen, klare Kanten das verstehen die Menschen."

Derzeit erfindet sich Jan van Aken gerade wieder einmal neu. Und er will weiterhin die Welt verändern.

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