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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 11.10.2017

Politiker Daniel Cohn-BenditEuropas legendärster Grüner

Moderation: Klaus Pokatzky

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Portrait des Grünenpolitikers Daniel Cohn-Bendit.  (imago stock&people)
Der Grünenpolitiker Daniel Cohn Bendit (imago stock&people)

In Deutschland kennt man ihn, in Frankreich ist er eine Ikone - so hat Daniel Cohn-Bendit seine Position einmal selbst beschrieben. Wir sprechen mit dem Grünen-Politiker am Rande der Frankfurter Buchmesse.

Man hat ihn mal den "bekanntesten Studenten der Welt" genannt – Daniel Cohn-Bendit. Der Sohn deutsch-jüdischer Eltern, geboren in Südfrankreich, ist bis heute überaus beliebt bei den Franzosen. Er war Anführer der Pariser Mai-Revolte von 1968 und ging mit einem Foto, auf dem er einen Polizisten anlachte, in die europäische Bildgeschichte ein:

"Dieses Bild hat mich berühmt gemacht, weil die Revolte [damit] ein sonniges Gesicht hatte. Ich war die Inkarnation der Freude der Revolte, das kann man an diesem Foto sehen. Deswegen habe ich immer eine positive Aura gehabt. Bzw. die Menschen haben mich positiv angesehen, weil `68 war auch Lebensfreude, war auch der Wunsch sein Leben zu gestalten und das konnte man in mein Gesicht interpretieren, wenn man wohlwollend war."#

Der "rote Dany" bei den Grünen

Wenig später schloss er sich der Frankfurter Sponti-Szene um Joschka Fischer an, gründete das linke Magazin "Pflasterstrand" und arbeitete als Kinderladen-Erzieher. 1984 trat ‘Dany le Rouge‘ bei den Grünen ein, obwohl er der etablierten Politik bisher sehr distanziert begegnet war:

"Mein ganzes Leben lang war ich sehr skeptisch, was Parteien angeht. Ich begleitete die Grünen (…), aber ich habe immer gesagt, es war nichts für mich. Als Joschka Fischer zum ersten Mal kandidierte für den Bundestag, gab es eine Diskussion zwischen ihm und mir – wer soll kandidieren? Und ich habe gesagt: ‚mach du es! Das ist für mich nichts.‘ Deswegen war ich sehr zögerlich. Aber irgendwann habe ich es eingesehen, dass man die Auseinandersetzungen auch bei den Grünen, gerade auch zwischen Realos und Fundis austragen muss, und dann bin ich eingetreten."

Wortgewaltiger Protagonist des europäischen Traums

Von 2002 bis 2014 saß Cohn-Bendit für die Grünen im Europaparlament – als wortgewaltiger Protagonist des europäischen Traums. Auch heute noch sieht er Europa mit Optimismus – gerade weil es für ihn die einzige Lösung darstellt:  

"Wenn wir nationale Souveränitäten verteidigen wollen, dann müssen wir das durch eine europäische Souveränität machen. In 30, 40 Jahren wird Deutschland vielleicht das zehnte Land der Welt sein, und Frankreich das 15. Das heißt G 7 wird ohne europäische Staaten stattfinden, außer G 7 findet mit Europa statt! Und das müssen wir verstehen – unsere Zukunft, die Freiheit, die wir haben, unser Leben zu gestalten, dies kann nur durch Europa geschützt werden."

Über sein Leben zwischen Frankreich und Deutschland, über die Pariser Studentenunruhen und die Ideale der 68er, über seine robusten Ansichten zu Europa und seine Arbeit als grüner Spitzenpolitiker spricht Daniel Cohn-Bendit auf der Frankfurter Buchmesse mit Klaus Pokatzky.

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