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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 23.03.2018

Politik als TheaterWie unterhaltsam darf Demokratie sein?

Moderation: Susanne Führer

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US-Präsident Donald Trump spricht mit Reportern über die Veröffentlichung eines geheimen Dokuments. (dpa / AP / Evan Vucci)
Trump erregt bei seinen Auftritten maximales Aufsehen. (dpa / AP / Evan Vucci)

Das muss man US-Präsident Trump lassen: Ein Langweiler ist er nicht. Per Twitter und bei seinen öffentlichen Auftritten produziert er ständig Aufsehen. Doch bedeutet maximale Medienwirksamkeit automatisch gute Politik?

Sicher müssen in einer Demokratie die Wähler umworben werden, und dabei zählt auch die Verpackung. Aber wenn alles Inszenierung ist, wer trifft dann Entscheidungen, die nicht sexy sind?

Politik als Theater - wie viel Unterhaltung kann Demokratie sich leisten, und wie viel Ehrlichkeit braucht sie?

Darüber diskutierten im Wortwechsel live aus dem Museum Barberini in Potsdam:

Klaus Staeck, Grafiker und Ehrenpräsident der Akademie der Künste Berlin:

"Eines der schlimmen Dinge, die der Demokratie passieren können, ist, wenn sie an Langeweile stürbe. Nichts ist furchtbarer, als wenn die Leute einfach kein Interesse mehr haben an alldem. Nun kann eine Theateraufführung fantastisch sein mit Mord und Totschlag – dieselbe Aufführung im Gemeinderat: eine Katastrophe."

Holger Schultze, Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg:

"Es könnten ja auch ab und zu Inhalte attraktiv sein. Vielleicht geht es nicht immer nur um die Inszenierung, sagt der Theatermann, sondern manchmal auch um das Stück an sich, um den Inhalt an sich, der auch wahnsinnig spannend sein kann, und für den man sich auch sehr engagieren könnte."

Verena Köttker, Inhaberin der PR-Agentur Köttker Kommunikation & Consulting:

"Demokratie muss nicht unterhaltsam sein, aber Politik muss unterhaltsam sein. Weil wenn Sie nicht unterhalten, dringen Sie öffentlich nicht mehr durch. Und das wird auch zunehmend schwerer. Und wenn Sie öffentlich a.) nicht durchdringen und b.) nicht als kreativ-visionär wahrgenommen werden – jemand, der in diesem Land etwas bewegen will – haben Sie auch keine Wirkungsmacht als Politiker."

Alexander Kissler, Journalist, Ressortleiter "Salon" beim Magazin "Cicero":

"Er (Donald Trump, die Redaktion) ist letzten Endes der erste Präsident, der unter den Kommunikationsbedingungen des 21. Jahrhunderts an die Macht gelangt ist und diese gnadenlos, rücksichtslos konsequent zu seinem Machterhalt und zur Verfolgung seines Programms einsetzt. Gerade diese Art, wie er sich inszeniert – und das ist ja gerade unser Thema heute - kann man ihm als Kunstwerk, als Technik gerade nicht vorwerfen."

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