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Kompressor | Beitrag vom 25.02.2019

Polit-Propaganda in chinesischen ComicsGeschichten für die anspruchsvolle "Generation Z"

Zhu Yi im Gespräch mit Gesa Ufer

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Szenenbild aus dem Karl-Marx-Anime der chinesischen Plattform Bilibili. (Deutschlandradio Screenshop/Youtube Hongqiu Zhang)
Als der Karl den Friedrich traf... Szenenbild aus dem chinesischen Karl-Marx-Anime der Plattform Bilibili. Die Jugend scheint davon aber eher gelangweilt zu sein. (Deutschlandradio Screenshop/Youtube Hongqiu Zhang)

Wer junge chinesische Computer-Nerds mit Propaganda erreichen will, muss die richtigen Geschichten erzählen: Eine Zeichentrickserie über Karl Marx? - Langweilig! Die eigene chinesische Kultur und Geschichte sei besser geeignet, sagt Medienexpertin Zhu Yi.

Wie ein Hipster aus dem 19. Jahrhundert sieht Karl Marx in einer neuen chinesischen Comicserie aus: ein blutjunger, gut aussehender Revolutionär mit Bart und Biss. In sieben Teilen macht die chinesische Videoplattform Bilibili aus dem deutschen Philosophen und Ökonom einen echten Superhelden und transportiert dabei Propaganda. Das Besondere dabei: Die Kommentare der Zuschauer beziehungsweise User dazu sind direkt auf dem Screen zu lesen.

Allerdings: Politische Anmerkungen seien tabu, sagt die Sinologin Zhu Yi, Wissenschaftlerin an der Universität Heidelberg. Diese würden von Bilibili blockiert. Offenbar sei dies die Reaktion der Plattform auf eine zeitweilige Sperre ihrer App - eben weil es entsprechende Kommentare gegeben habe.

Die "Generation Z" stellt hohe Ansprüche

Aber wie kommen die Marx-Serie oder andere Propagandafilme generell bei der jungen "Generation Z" – den seit Mitte der 90er-Jahre Geborenen -  in China an? Die Computer-Nerds stellten hohe Ansprüche an Comicserien, sagt Medienexpertin Zhu. Von der künstlerischen Anmutung her würde die Marx-Serie verrissen – sie habe die Ästhetik einer Powerpoint-Präsentation, kritisierten die Nutzer von Bilibili.

Reagiert die junge Generation generell eher allergisch auf derlei politische Beeinflussung? - Nicht unbedingt, sagt Zhu Yi. "Propaganda braucht einen richtigen sozialen und kulturellen Kontext – und natürlich eine richtige Frame-Strategie. Und dafür sollte man besser in die eigene Kultur und Geschichte schauen als mit einem zweihundertjährigen deutschen Theoretiker herumzuexperimentieren."

Es gebe einen anderen, deutlich beliebteren Zeichentrickfilm von Bilibili, der zeige, wie es gut funktionieren könne: Protagonist ist ein putziges Kaninchen, dass ein Sinnbild für China sein soll und sich gegen seine Feinde behauptet. Die junge Generation möge alles was süß und niedlich sei, so Zhu Yi – darüber ließen sich Botschaften gut transportieren.

(mkn)

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