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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 16.03.2018

Polarisierte GesellschaftWelche Streitkultur brauchen wir?

Moderation: Andre Zantow

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Zwei Stiere verkeilt im Konflikt (imago/Marcus Butt)
Man kann sich im Streit auch verkeilen. Welche Streitkultur wollen wir in Deutschland? (imago/Marcus Butt)

Egal ob im Bundestag, in Büros oder Familien: Die Fronten verhärten sich in Deutschland. Die Diskussion als Basis unserer Demokratie wird immer öfter durch eine abgrenzende Freund-Feind-Logik ersetzt.

Gewollte Wahrheiten ersetzen Fakten durch gefühle Argumente. Dabei ist Zuhören eine Grundlage der politischen Meinungsbildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt ohne Kompromiss schwer möglich.

Welche Streitkultur brauchen wir? Sind Kompromisse immer möglich? Oder gibt es ein Recht zur Diskussionsverweigerung? Und wo liegen die Grenzen eines demokratischen Diskurses?

Darüber diskutieren im Wortwechsel auf der Leipziger Buchmesse:

Georg Oswald, Schriftsteller und Autor von "Unsere Grundrechte"
Rebecca Pates, Professorin für politische Theorie an der Universität Leipzig
Frank Richter, Theologe und Autor von "Hört Endlich Zu!"


Georg Oswald über die Streitkultur: "In der Tat hat man gerade das Gefühl, dass viele Dinge in Frage gestellt werden. Aber das In-Frage-Stellen ist ein ganz normaler demokratischer Akt, ein ganz normaler Prozess. Ich glaube, dass wir uns daran gewöhnen müssen, dafür bieten die Grundrechte ein schönes Spielfeld, dass an unterschiedlichen und auch unversöhnlichen Meinungen erstmal überhaupt nichts Schlimmes ist. Wir sind unglaublich scharf auf den Konsens und wollen alle Diskussionen beenden mit einem einvernehmlichen Ergebnis. Aber das muss nicht das Ziel einer Demokratie sein."

Rebecca Pates über Sprache: "Es gibt unterschiedliche Diskussions- und Gesprächskulturen. Und wir haben eine stark akademisierte Gesellschaft. Aber es gibt ungefähr ein Drittel der Gesellschaft, die bleibt nicht akademisiert. Dort gibt es eine technische und praktische Intelligenz. Aber man hat auch anders gelernt zu sprechen, die nicht sehr hochgestochen, abstrakt und höflich reden. Ich glaube, das ist ein sehr relevanter Bestandteil unserer politischen Kultur. Wir müssen es aushalten, dass manche Menschen sehr rüde reden."

Frank Richter über eine Methode, die "gutes" Streiten ermöglicht: "Ich habe nach zwei, drei schwierigen Bürgerversammlungen Podien und Kinobestuhlung definitiv abgelehnt. Ich habe nur noch Veranstaltungen durchgeführt bei denen die Menschen in konzentrischen Kreisen zusammen saßen. Das hat einen ganz einfachen Effekt: Jeder der spricht; schaut immer einem anderen Menschen ins Gesicht. Bei Kinobestuhlung war es in der Regel so, dass die, die gezielt stören wollten, sich ganz nach hinten gesetzt haben und dann nach vorne brüllten. Und wenn sie dann noch Tische auf dem Podium haben und Mikrofone, dann haben sie alle Waffen die die Kommunikation zerstören können."

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