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Interview | Beitrag vom 22.04.2021

Polarforscher Arved FuchsDas Eis wird dünner

Moderation: Ute Welty

Ein Eisbär bei Dämmerung mitten im Eis. (imago / ITAR-TASS / Gavriil Grigorov )
Eine Folge des Klimawandels: Wenn das Eis schmilzt, schrumpft der Lebensraum der Eisbären dramatisch. (imago / ITAR-TASS / Gavriil Grigorov )

Schon bald könnte das ewige Eis in der Arktis weggeschmolzen sein, warnt Polarforscher Arved Fuchs. Doch der Zuspruch für den vom US-Präsidenten initiierten Klimagipfel lässt ihn auf eine Kehrtwende in der Klimapolitik hoffen.

Arved Fuchs, Deutschlands vermutlich bekanntester Polarreisender, hat unzählige Expeditionen absolviert und ist bereits zu Fuß zum Nord- wie auch zum Südpol gewandert. Doch Wanderungen über das Arktiseis, wie sie ihm 1989 noch möglich gewesen seien, wären heute undenkbar, sagt Fuchs. Denn das Eis werde immer dünner und brüchiger.

Erst kürzlich verfolgten viele TV-Zuschauer fasziniert die Doku über die jüngste Expedition der "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts ins ewige Eis der Arktis. Jedoch könnte es bald kein ewiges Eis mehr geben: Im arktischen Sommer schmilzt das Eis in rasantem Tempo. Und die Eisschichten, die im Winter "nachwachsen", sind viel dünner.

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Das sollte uns zu denken geben, sagt Fuchs. In seinem Buch "Das Eis schmilzt. Klimaschutz und Wirtschaft neu denken" beschreibt der Polarforscher sehr deutlich, was passiert, wenn die Staaten, speziell die Industrieländer, keine Kehrtwende machen. Er sagt: "Die Arktis ist das Frühwarnsystem der Erde. Und wir hätten gut daran getan, diese Warnsignale deutlich früher wahrzunehmen."

Eine Eisfläche, viermal so groß wie Deutschland

In Grönland schmelze das Eis so schnell, dass jeden Sommer eine Eisfläche verloren gehe, die viermal so groß ist wie Deutschland. Das wiederum, so kann man es in Fuchs' Buch nachlesen, führt zu einer Kettenreaktion, denn das schmelzende Eis verändert den Salzgehalt des Meeres, was Folgen für die Lebewesen darin hat. "Die Chemie des Meerwassers verändert sich", erläutert Fuchs.

Arved Fuchs, der Polarforscher und Autor zu Gast in der "M.Lanz" (ZDF) Talkshow am 10.12.2019 in Hamburg (picture alliance / Stephan Persch)Leidenschaftlicher Kämpfer für die Eismeere: Polarforscher Arved Fuchs. (picture alliance / Stephan Persch)

All das habe auch Auswirkungen auf den Golfstrom, "die größte Wärmepumpe, die wir haben". Das Eis sei so etwas wie ein Thermostatventil an einer Heizung, das Menschen, Meere und die gesamte Erde vor einer starken Erwärmung schütze.

Das Eis schützt uns - noch

Kein Eis – kein Schutz. Deshalb sei eine Investition in den Klimaschutz "auch eine Investition in die Zukunft, in Generationengerechtigkeit und in den Frieden auf der Welt".

Dass US-Präsident Joe Biden gerade eine Kehrtwende in der Klimapolitik seines Landes vollzogen und einen virtuellen Klimagipfel initiiert hat, freut Fuchs sehr. "Er lädt ein, und alle folgen. Das ist wirklich ein positives Signal." Auch wenn nicht alle Staatschefinnen und Staatschefs die gleichen Beweggründe umtreibe: Man rede wieder miteinander, das sei wichtig.

Allerdings müsse nun dringend gehandelt werden. Doch er sei "ein notorischer Optimist" und hoffe auf gute Ergebnisse.

(mkn)

Arved Fuchs: "Das Eis schmilzt. Klimaschutz und Wirtschaft neu denken"
Verlag Delius Klasing 2020
256 Seiten, 19,90 Euro

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